Mehr Toleranz gefordert

Rund ein Viertel aller Katholiken im Bistum Rottenburg-Stuttgart hat schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, aus der Kirche austreten. Das ist ein Ergebnis einer Studie, die am Mittwoch in Stuttgart von der württembergischen Diözese vorgestellt wurde.

Bistum Rottenburg-Stuttgart | Stuttgart/Bonn - 23.01.2013

Rund ein Viertel aller Katholiken im Bistum Rottenburg-Stuttgart hat schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, aus der Kirche austreten. Das ist ein Ergebnis einer Studie, die am Mittwoch in Stuttgart von der württembergischen Diözese vorgestellt wurde.

Um herauszufinden, wie die Gläubigen ticken, hatte das Meinungsforschungsinstitut Pragma im Auftrag des Bistums rund 4.000 Menschen im Frühjahr und Sommer 2012 befragt. Als Gründe für einen möglichen Austritt nannten 35 Prozent eine Entfremdung von Kirche, 15 Prozent finanzielle Aspekte und zwölf Prozent die Missbrauchsfälle. Gut die Hälfte aller Befragten gab aber an, dass sie Kirchenmitglied sei, da die Kirche Orientierung bei Wertefragen biete und Gottesdienste wohltun würden. Ebenso spielt der Glaube eine wichtige Rolle für das Festhalten an der Kirche.

Eine Mehrheit der Befragten wünscht sich der Studie zufolge eine offene, tolerante und kommunikationsfähige Kirche, die sich gesellschaftlich einmischt. Zudem erhofft man sich katholische Gemeinden als Orte sozialer und geistlicher Heimat.

Neun von zehn Interviewten äußerten zudem den Wunsch, dass die Kirche sich weniger "abgehoben äußern" soll. "Wir sind als Kirche dringend aufgefordert, unseren Kommunikationsstil weiter zu entwickeln", sagte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, bei der Vorstellung der Studie.

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Bischof Fürst äußert sich zur repräsentativen Umfrage, mit der die Diözese Rottenburg-Stuttgart Erkenntnisse über ihre Gläubigen gewann.
 Peter Philipp

Anlass der Untersuchung waren laut Bistum die seit Jahren hohen Austrittszahlen aus der Kirche. Besonders hoch war die Zahl im Zuge des Missbrauchsskandals im Jahr 2010 mit 15.650 Austritten. Nach Angaben der Diözese sind das 50 Prozent mehr als im üblichen Jahresdurchschnitt gewesen. Dazu passt auch, dass 70 Prozent der in der Studie Befragten von der Kirche forderten, weiterhin offensiv mit dem Thema Missbrauch umzugehen. 52 Prozent bescheinigten, dass die katholische Kirche durch die Einrichtung einer Kommission für sexuellen Missbrauch an Glaubwürdigkeit gewonnen habe.

"Jeder einzelne Austritt schmerzt, schwächt er doch unsere Glaubensgemeinschaft", sagte Generalvikar Clemens Stoppel. Nach den Worten von Fürst hat sich die Kirche von vielen Menschen entfernt. Sie müsse sich noch mehr einmischen und mehr menschliche Nähe ermöglichen, so der Bischof weiter. Ein Weg in ein selbst gewähltes Ghetto verbiete sich. Für Entwicklungen bedürfte es allerdings Zeit, sagteFürst. "Wir können nicht alles auf einmal machen, sondern müssen Schritt für Schritt vorangehen." (meu)

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