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Mischt Euch ein!

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann sind die Kirchen ein wichtiger Partner in der Debatte um mehr soziale Gerechtigkeit. Inhaltlich gebe es da große Überschneidungen mit seiner Partei, sagte Oppermann am Freitag in Berlin. "Uns verbindet die Gemeinwohlorientierung", so der SPD-Politiker.

Sozialinitiative | Berlin - 12.04.2014

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann sind die Kirchen ein wichtiger Partner in der Debatte um mehr soziale Gerechtigkeit. Inhaltlich gebe es da große Überschneidungen mit seiner Partei, sagte Oppermann am Freitag in Berlin. "Uns verbindet die Gemeinwohlorientierung", so der SPD-Politiker.

Die im Februar vorgestellte " ökumenische Sozialinitiative " der Kirchen würdigte er als "wichtigen Impuls". Sie fordert unter anderem eine effektivere Bekämpfung von Steuerbetrug sowie eine verbesserte internationale Bankenaufsicht.

Nahles: Kirchen müssen sich einmischen

Oppermann sprach von einer "Renaissance der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland", nachdem die Debatten jahrelang von einem "marktradikalen Denken" bestimmt worden seien. Er äußerte sich bei einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion über die Sozialinitiativen der Kirchen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) appellierte an die Kirchen, sich weiter in politische Debatten einzumischen. Auch ihr erstes gemeinsames Sozialwort , das vor 17 Jahren erschien, habe Spuren hinterlassen. So veröffentliche die Bundesregierung seitdem einen Armuts- und Reichtumsbericht.

Nahles hob hervor, dass das neue Sozialpapier auch auf die Situation von Langzeitarbeitslosen eingehe. Zugleich wünsche sie sich in dieser Debatte mehr Ehrlichkeit, so die Politikerin. Viele Langzeitarbeitslose schafften es nicht in den ersten Arbeitsmarkt. Dies müsse klar benannt werden. Zugleich müsse es auch für sie eine berufliche Perspektive geben. Sie wolle in ihrer Amtszeit Initiativen für diese Gruppe ausloten, betonte die Ministerin.

Overbeck: Sozialinitiative lädt zu Beteiligung ein

Der katholische Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erklärte, die Sozialinitiative solle ein Zwischenruf sein, der zur Beteiligung einlade. Overbeck, der Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz ist, appellierte an die Bundesregierung, Langzeitarbeitslose wieder besser zu integrieren. Vor allem für ältere arbeitslose Frauen müsse mehr getan werden, so der Bischof.

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck bei einer Pressekonferenz.
 Nicole Cronauge / Bistum Essen

In seinem Bistum erfahre er immer wieder von den Problemen dieser Gruppe. Der evangelisch-lutherische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, sagte, er wünsche sich, dass die zahlreichen Beiträge zu dem Sozialpapier der Kirchen in irgendeiner Form veröffentlicht werden könnten. Es müsse eine Art "Sozialinitiative 2.0" geben, so der Bischof, der maßgeblich an dem ökumenischen Papier beteiligt war.

Zehn Thesen

Die ökumenischen Initiative trägt den Titel "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft". Zur Motivaition für das Papier nannte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch bei der Veröffentlichung die ökonomischen Krisen der vergangenen Jahre. Vor deren Hintergrund wollten die Kirchen nun eine breite Diskussion über die Wirtschafts- und Sozialordnung anstoßen. Sie sei der Appell an alle Christen und Menschen guten Willens, sich an der Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft zu beteiligen und sich aktiv für die notwendigen Veränderungen einzusetzen.

Ähnlich äußerte sich auch der Münchener Erzbischof und neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx : "Der Text ist ein Impuls, der zu Diskussion und Widerspruch auffordert", erklärte er. Es solle ein Dialog entstehen: "Die Kirchen haben nicht die besseren politischen Lösungen, sondern wir wollen - ganz im Sinne des Gemeinsamen Wortes von 1997 - Politik möglich machen", so Marx.

In der ökumenischen Sozialinitiative werden zehn Aspekte einer gerechten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung dargestellt. Unter anderem geht es um die Konsolidierung der Staatsfinanzen, um Chancengleichheit und ökologische Nachhaltigkeit. (siehe Kasten). 1997 war das Gemeinsame Wort "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit" veröffentlicht worden. (gho/bod/KNA)

Linktipp: Sozialinitiative online

Ausführliche Informationen zur Sozialinitiative der katholischen und evangelischen Kirche sind auf www.sozialinitiative-kirchen.de zusammengestellt. Dort gibt es den Text zum Nachlesen, Links zu wichtigen Veranstaltungen und auch die Möglichkeit, über Kommentare und Gastbeiträge in die Diskussion einzusteigen. Die Seite, die auch von katholisch.de betreut wird, soll als Plattform für Diskussionen zur Sozialinitiative dienen.

Linktipp: Sozialinitiative online

Die zehn Thesen der Sozialinitiative

Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft heißt... ...wirtschaftliches Wachstum in den Dienst des Menschen stellen. ...die Soziale Marktwirtschaft nachhaltig weiterentwickeln. ...ordnungspolitische und ethische Maßstäbe für die Wirtschaft erneuern. ...die Staatsfinanzen zu konsolidieren. ...ökologische Nachhaltigkeit in Lebens- und Wirtschaftsstilen zu verankern. ...die mit dem demographischen Wandel einhergehenden sozialen Belastungen gerecht zu verteilen. ...durch Inklusion und Partizipation zur Chancengerechtigkeit beizutragen. ...eine breite Beteiligung an Erwerbsarbeit als wichtigem Ausdruck gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. ...durch Bildung die persönliche Entwicklung und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern. ...an der Gestaltung einer europäischen Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft mitzuwirken.

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