Missbrauch: Bischof Barros will mit Vatikan kooperieren

Die Vertuschungsvorwürfe gegen Bischof Juan Barros tat Papst Franziskus während seines Chile-Besuchs noch als "Verleumdung" ab. Doch dann folgte der Bericht seines Sonderermittlers.

Missbrauch | Santiago de Chile - 07.06.2018

Kurz vor dem zweiten Besuch der vatikanischen Sonderermittler in der chilenischen Diözese Osorno signalisiert der wegen Vertuschungsvorwürfen kritisierte Bischof Juan Barros Kooperation. Er erwarte die Entscheidungen des Papstes, zitierten chilenische Medien Barros, der sich erstmals seit Wochen wieder öffentlich äußerte. Er erklärte, er habe zuletzt gesundheitliche Probleme gehabt, sei aber auf dem Weg der Besserung.

Chiles Kirche wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert, der seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Im Brennpunkt steht der inzwischen 87-jährige Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, darunter auch Barros, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan zitiert. Nun entsandte er zum zweiten Mal den maltesischen Erzbischof Charles Scicluna und den Kirchenjuristen Jordi Bertomeu als Sonderermittler.

Bei seinem Besuch in Chile zu Jahresbeginn hatte der Papst den 61-jährigen Barros noch in Schutz genommen und behauptet, für Vertuschungen von Missbrauchsfällen lägen keine Beweise vor. Die Vorwürfe gegen Barros hatte er daher als "Verleumdung" abgetan. Später entschuldigte sich Franziskus bei den Missbrauchsopfern für seine Wortwahl. Der gesamte Besuch des Pontifex' in Chile war von Protesten gegen den Bischof von Osorno begleitet worden. Kurz danach entsandte der Papst dann erstmals seine beiden Sonderermittler, die - so Franziskus - "grobe Fehler" im Umgang mit Missbrauchsfällen aufgedeckt hätten. Als Konsequenz boten zahlreiche Bischöfe Chiles ihren Rücktritt an. (bod/KNA)

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