Missbrauch in Kinderheim: Bistum geht Vorwürfen nach

Seit mehr als 40 Jahren ist das ehemalige Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth geschlossen. Dort sollen Kinder misshandelt und missbraucht worden sein. Nun hat der Augsburger Bischof die Aufarbeitung angeordnet.

Bistum Augsburg | Augsburg - 26.04.2018

Im Bistum Augsburg hat die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen begonnen, die sich in einem 1977 geschlossenen Kinderheim in Donauwörth ereignet haben sollen. Am Dienstag hätten sich neun Betroffene mit Vertretern des Trägers des Heims, der Pädagogischen Stiftung Cassianeum, und der Diözese getroffen, teilte das Bistum mit. Das dreistündige Gespräch im Exerzitienhaus von Leitershofen sei der Auftakt zur Aufklärung der verjährten Fälle, sagte Pressesprecher Karl-Georg Michel am Donnerstag gegenüber katholisch.de.

In dem Kinderheim in Bayerisch Schwaben gab es nach Angaben der Betroffenen in den 1960er und 70er Jahren ein System von körperlicher und psychischer Gewalt durch den Heimleiter, den 1980 verstorbenen Priester Max Auer, sowie durch einige weltliche Erzieherinnen. Am "Runden Tisch" sei Heimleiter Auer zudem erstmals auch der schweren sexuellen Gewalt gegen einen damaligen Ministranten bezichtigt worden. "Die Schilderungen der Betroffenen erschüttern mich zutiefst, sie machen mich sprachlos", sagte Generalvikar Harald Heinrich im Anschluss. Die Wahrheit müsse ans Licht kommen, so Heinrich gegenüber dem regionalen Sender "Augsburg TV".

Nach den Hinweisen auf sexuellen Missbrauch beauftragte der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa den ehemaligen Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Augsburg, Manfred Prexl, mit der Koordinierung der Aufarbeitung. Der Richter im Ruhestand sei ein Spitzenjurist und vom Bistum unabhängig, so Pressesprecher Michel. Nach einem öffentlichen Aufruf hätten sich bislang zwölf Personen bei der Pädagogischen Stiftung Cassianeum gemeldet. Laut Michel sind bislang drei Frauen materielle "Leistungen in Anerkennung des Leids" gewährt worden.

Stiftungsvorstand Peter Kosak beteuerte, es sei ihm und der Stiftung ein großes Anliegen, mit den Geschädigten in einen Dialog zu treten. Sofern es ihnen überhaupt möglich sei, bitte er die Betroffenen um Entschuldigung für das Leid, das ihnen damals im Kinderheim widerfahren ist. Das Heim befand sich in Trägerschaft des Cassianaeums, einer Stiftung kirchlichen Rechts. Kosak, der seit wenigen Monaten Vorstand der Stiftung ist, sagte, er habe erst durch Recherchen des Bayerischen Rundfunks im Februar von den damaligen Vorgängen erfahren.

Nach Angaben des Bistums sei die Begegnung, an der die Stiftung, die Missbrauchsbeauftragte, eine Psychologin und der Jurist Prexl teilnahmen, "von großer Ernsthaftigkeit, aber auch zunehmendem Vertrauen geprägt" gewesen. Prexl werde die damaligen Vorkommnisse aufarbeiten und dokumentieren. Stiftungsvorstand Kosak kündigte an, dass die Dokumentation "zu gegebener Zeit" veröffentlicht werden soll. (luk)

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