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Missbräuche werden nochmal neu untersucht

Die Deutsche Bischofskonferenz wird das im Januar vorläufig gestoppte Forschungsprojekt zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche neu ausschreiben. Das beschlossen die Bischöfe bei der jüngsten Sitzung des Ständigen Rats, wie die Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mitteilte.

Missbrauch | Bonn - 28.08.2013

Die Deutsche Bischofskonferenz wird das im Januar vorläufig gestoppte Forschungsprojekt zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche neu ausschreiben. Das beschlossen die Bischöfe bei der jüngsten Sitzung des Ständigen Rats, wie die Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mitteilte.

Das Forschungsprojekt, das den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und Ordensangehörige untersuchen soll, soll als "interdisziplinäres Forschungsverbundprojekt" angelegt werden, so die Bischofskonferenz. Ziel sei weiterhin "die Erhebung von verlässlichem Zahlenmaterial sowie die Untersuchung von Täterstrategien, Opfererleben und institutionellen Aspekten".

Im Januar hatte die Bischofskonferenz die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) und dessen Leiter Christian Pfeiffer bei einer ähnlichen Studie beendet. Als Gründe nannten die Bischöfe damals eine fehlende gemeinsame Basis und einen massiven Vertrauensverlust. Pfeiffer hatte der Kirche zuvor Zensur vorgeworfen. Die Bischöfe beschlossen anschließend einstimmig, an der Realisierung des Forschungsprojekts festzuhalten und einen neuen Partner mit der Durchführung zu beauftragen.

Studie soll "Einsicht in Täterstrategien" ermöglichen

Den Angaben zufolge soll das Forschungsprojekt von 2014 bis 2017 laufen. Zum methodischen Vorgehen gehörten eine Analyse von Personalunterlagen sowie eine Untersuchung der "Täter-Opfer-Institutionen-Dynamik". Dadurch solle "eine vertiefte Einsicht über die Täterstrategien und über das Verhalten der Kirchenverantwortlichen" ermöglicht werden, so die Bischofskonferenz.

Darüber hinaus sollen in das Forschungsprojekt auch nationale und internationale Studienergebnisse einfließen, erklärten die Bischöfe. Dazu gehörten Erhebungen und Veröffentlichungen, die seit 2010 zum Missbrauch in der katholischen Kirche erschienen seien. Hierzu zählt den Angaben zufolge auch die bereits veröffentlichte Studie "Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland. Eine Analyse forensischer Gutachten von 2000-2010" des Direktors des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, Norbert Leygraf.

Bewerbungen bis zum 31. Oktober

Die Durchführung des neuen Forschungsprojekts soll laut Bischofskonferenz im Zusammenwirken mehrerer Verbundpartner unterschiedlicher Fachdisziplinen erfolgen. Bis zum 31. Oktober können sich interdisziplinäre Forschungskonsortien gemeinschaftlich mit einer Antragsskizze und der Vorlage eines Forschungskonzepts beim Verband der Diözesen Deutschlands bewerben. (stz)

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Chronologie zum Missbrauchsskandal

Im Januar 2010 informierte der Jesuit Klaus Mertes mit einem Brief an ehemalige Schüler über Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg. Er löste damit eine Lawine weiterer Enthüllungen über sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen aus. Katholisch.de nennt wichtige Stationen in der Geschichte des Missbrauchsskandals.

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