Missbrauchsprävention teilweise mangelhaft

Die Prävention sexuellen Missbrauchs in der Kirche funktioniert europaweit sehr unterschiedlich. Zu diesem Schluss kamen Experten aus 14 Ländern bei einer Konferenz in Trier und Luxemburg. Besonders das Problembewusstsein sei unterschiedlich ausgeprägt.

Missbrauch | Trier - 20.11.2015

Europaweit gibt es große Unterschiede bei der kirchlichen Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch. Das hat die erste europäische Konferenz kirchlicher Präventionsbeauftragter mit Teilnehmern aus 14 Ländern ergeben, die von Mittwoch bis Freitag in Luxemburg und Trier stattfand. Der Luxemburger Theologe Jean Ehret, einer der Initiatoren der Tagung, kündigte an, dass in den kommenden Monaten ein europaweites Netzwerk von Experten aufgebaut werden soll. "Es gibt einen Grundstandard: zero tolerance", gab Ehret als Zielvorgabe an.

Der Präventionsbeauftragte des Bistums Trier, Andreas Zimmer, sagte, der Kontinent lasse sich grob in drei Regionen aufteilen. Die Kirchen im englischsprachigen Raum hätten nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle in Irland und den USA bereits 2002 Strukturen der Prävention aufgebaut. Dort gebe es etablierte Schulungsprogramme, Ansprechpartner und eine wissenschafliche Aufarbeitung. Nach dem deutschen Missbrauchsskandal 2010 hätten die deutschsprachigen Staaten und die Benelux-Länder nachgezogen.

Bei der Tagung hatten einige Referenten geschildert, dass in manchen Ländern, insbesondere in Frankreich sowie in Süd- und Osteuropa, diese Strukturen der Kirchen noch nicht weit entwickelt seien. Viel hänge vom Engagement einzelner Bischöfe ab. "Zumindest wurden überall gewisse Grundstandards etabliert", so Zimmer. Ehret verwies darauf, dass die Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch sowohl vom Vatikan als auch von vielen nationalen Bischofskonferenzen immer weiter verschärft worden seien.

Unterschiedlich ausgeprägtes Problembewusstsein

Die Präventionsbeauftragte des Erzbistums Hamburg, Mary Hallay-Witte, hob hervor, in vielen Diözesen gebe es mittlerweile Präventionsschulungen für pastorale Mitarbeiter und Laien in kirchlichen Einrichtungen. Jedoch sei das gesellschaftliche Bewusstsein für das Thema europaweit sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wo in Gesellschaften noch Tabus vorherrschten, sei auch die Missbrauchsprävention viel schwerer zu etablieren. Zimmer betonte, Kinder müssten zu Selbstbewusstsein gegenüber Priestern, Lehrern und anderen Autoritätspersonen erzogen werden. Die Konferenz "Eine Krise - verschiedene Antworten" fand auf Einladung der Luxemburg School for Religion and Society (LSRS), deren Leiter Ehret ist, und des Bistums Trier statt. (KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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