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Mit Gott gegen den Atomkrieg

Am Freitag wird sie stolze 84 Jahre alt. Den Rest ihres Lebens könnte die Ordensfrau und Friedensaktivistin aber hinter Gittern verbringen. 2012 war Megan Rice von den "Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu" in eine US-Kernwaffenanlage eingebrochen und hatte dort pazifistische Parolen gesprüht. Bereits vergangenen Mai erfolgte der Schuldspruch. Am Dienstag sollte das Strafmaß festgesetzt werden. Doch dann kam kurzfristig das Wetter dazwischen.

Justiz | Bonn/Knoxville - 29.01.2014

Am Freitag wird sie stolze 84 Jahre alt. Den Rest ihres Lebens könnte die Ordensfrau und Friedensaktivistin aber hinter Gittern verbringen. 2012 war Megan Rice von den "Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu" in eine US-Kernwaffenanlage eingebrochen und hatte dort pazifistische Parolen gesprüht. Bereits vergangenen Mai erfolgte der Schuldspruch. Am Dienstag sollte das Strafmaß festgesetzt werden. Doch dann kam kurzfristig das Wetter dazwischen.

Es ist eine ungewöhnliche Kältewelle, die den Südosten der USA erfasst hat. Statt des gewohnten Sonnenscheins gab es Schnee und Eisregen. Die Temperaturen fielen weit unter dem Gefrierpunkt – auch in Knoxville, Tennessee. Dort sollte ein Gericht über das Schicksal von Schwester Megan Rice entscheiden. Nun wurde der Prozess auf den 18. Februar vertagt, wie ein Sprecher der Friedensinitiative "Transform Now Plowshares" ("Schwerter zu Pflugscharen") am Dienstagabend mitteilte.

Bibelzitate auf die Wände der Uranlagerstätte gesprüht

Am 28. Juli 2012 waren Rice und ihre beiden Komplizen Michael Walli (64) und Greg Boertje-Obed (58) in die Urananreicherungsanlage Y-12 in Oak Ridge eingedrungen und hatte pazifistische Parolen – darunter auch Bibelzitate – auf ein Gebäude innerhalb der Anlage gesprüht. Der Einbruch ist laut nationalen Medien beispiellos in der US-amerikanischen Militärgeschichte. Er führte zu mehreren Anhörungen der US-Energie- und Atombehörde, die für insgesamt acht Standorte von Nuklearwaffen verantwortlich ist. Die Sicherheitsfirma für Y-12 wurde Berichten zufolge gewechselt.

Die betagte Ordensfrau und die beiden Männer hatten sich mit Taschenlampen und Bolzenschneidern den Weg in die Anlage gebahnt, die als bestgesicherte Produktions- und Lagerstätte für Uran in den USA gilt. Dabei durchtrennten sie vier Zäune, legten eine Meile zu Fuß zurück und hielten sich mehrere Stunden auf dem Gelände auf, bis sie von einer Wache aufgegriffen wurden. Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" habe bereits vor dem ersten Zaun ein gelbes Schild gestanden, auf dem stand: "Betreten verboten! 100.000 Dollar Strafe! Bis zu ein Jahr Gefängnis!"

In der Kernwaffenanlage Oak Ridge in Tennessee wird Uran angereichert und gelagert.
 Oak Ridge

Am 8. Mai 2013 hatte das Gericht lediglich zweieinhalb Stunden benötigt, um Rice und ihre zwei Mittäter schuldig zu sprechen sowie zu umgerechnet 38.700 Euro Schadensersatz zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft fordert für Rice und ihre Komplizen zusätzlich zwischen sechs und neun Jahre Haft. Wegen der Schwere der Tat hatten die Aktivisten die acht Monate bis zur Straffestsetzung bereits hinter Gittern verbracht. Zum Prozesstag am Dienstag erschienen trotz bitterer Kälte zahlreiche Sympathisanten vor dem Gericht in Knoxville.

Durch andere Ordensschwester zu Einbruch animiert

Wie "Der Spiegel" ebenfalls berichtete, sei Rice von einer anderen Ordensschwester zu dieser Tat animiert worden. Die im August 2012 verstorbene Anne Montgomery stieg ebenfalls im betagten Alter – sie war 83 Jahre alt – in einen Marinestützpunkt ein, um sich gegen den Krieg zu engagieren. Bereuen würde Schwester Megan an ihrer Tat jedoch lediglich eins: dass sie damit 70 Jahre gewartet habe.

Die aus Manhattan stammende Rice ist irischer Abstammung und die jüngste von drei Schwestern. Sie trat mit 18 Jahren in den Orden der "Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu" ein. Nach einem Biologiestudium unterrichtete sie als Lehrerin von 1962 bis 2004 in Nigeria und Ghana. Seit den 80er Jahren engagiert sie sich in der Friedensbewegung. Bei Protestaktionen wurde sie Dutzende Male festgenommen; zweimal erhielt sie eine sechsmonatige Haftstrafe. (mit Material von KNA)

Von Björn Odendahl

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