Mit PS zu mehr Priestern

In der US-Diözese Gallup helfen restaurierte Autos dabei, das Studium im Priesterseminar zu finanzieren. Doch das Projekt beschert dem Bistum nicht nur Geld, sondern auch die Möglichkeit zur Seelsorge.

USA | Gallup - 02.01.2018

Was haben Autos mit Berufungen zu tun? Im US-Bistum Gallup jedenfalls eine ganze Menge. Denn Matthew Keller, der Generalvikar des Bistums im Bundesstaat New Mexico, finanziert mit seinem Hobby die Seminaristenausbildung der Diözese. Unter dem Label "V8's for Vocations" – Achtzylinder für Berufungen – restauriert er zusammen mit etwa zehn Männern historische Autos. Während der Arbeiten an den Wagen läuft gleichzeitig der Verkauf von Losen für eine Tombola, bei der es einen Oldtimer zu gewinnen gibt, den Keller und sein Team aufgemöbelt haben. Der Erlös fließt komplett in die Ausbildung der zukünftigen Geistlichen.

Schon bevor Keller mit 30 Jahren Priester wurde, waren Autos sein Zeitvertreib. Gemeinsam mit Vater und Stiefbruder schraubte er an den Wagen herum, lackierte sie neu und fuhr mit ihnen durch seinen Heimatort. "Ich habe mein erstes Auto mit 16 gebaut. Ich war ein Auto-Narr", sagte Keller gegenüber CatholicPhilly.com, dem Online-Portal der Erzdiözese Philadelphia.

Beim Eintritt ins Priesterseminar verkaufte Keller seinen 1964er Chevy Malibu und nahm an, dass seine Leidenschaft für schnelle Autos damit der Vergangenheit angehören würde. Heute glaubt er jedoch, dass Gott jedem seine Fähigkeiten zu einem bestimmten Zweck verliehen habe: "Das war eine große Lehre für mich persönlich. Gott nimmt alle unsere Gaben, Talente und Interessen und nutzt sie für sein Reich".

Keller liebt jedoch nicht nur Autos, sondern auch seine Diözese: "Gallup ist ein wirklich wundervolles und einzigartiges Bistum." Etwa 40 Priester arbeiten in den 65 Gemeinden und weiteren Missionsstationen der Diözese. In der Regel sind die Geistlichen in mehreren Pfarreien im Einsatz. Gallup benötige dringend mehr Priester, resümiert Keller die pastorale Situation. Das Bistum besteht erst seit 1939 und gilt als ärmstes in den USA – auch, weil die Diözese 2013 Insolvenz anmelden musste: Die kirchlichen Finanzen waren in Gefahr wegen der zahlreichen Geldforderungen, die Opfer sexuellen Missbrauchs an die Bistumsleitung richteten.

So kam Keller 2014 als damaliger Leiter der Berufungspastoral auf die Idee, sein Talent zur Restaurierung von Autos für die Seminaristen zu nutzen. Die hohen Studiengebühren in den USA sind der Grund dafür, dass selbst eine Ausbildung im Priesterseminar bis zu 30.000 US-Dollar kosten kann. Diese Summe kann die Diözese aus eigener Kraft nicht aufbringen; die Familien der meisten Seminaristen ebenfalls nicht. Als jemand Keller einen Oldtimer zur Restauration schenken wollte, war für ihn klar, dass er dieses Angebot nicht ablehnen konnte. "Ein Freund dachte eigentlich an ein Auto für den Einsatz in der Berufungspastoral, doch ich wollte damit lieber Fundraising betreiben", erzählt Keller. Damit ist er ziemlich erfolgreich: Das erste Auto, eine 72er Chevrolet Chavelle, brachte seiner Diözese 2016 mehr als 140.000 US-Dollar ein – das Dreifache des regulären Verkaufspreises.

Die Restaurierungen der Autos gelingen so gut, weil sich Keller und sein Team von zehn Männern schon seit einigen Jahren kennen. Sie brauchen jeweils etwas mehr als ein Jahr für die Erneuerung eines Autos. Momentan arbeiten sie bereits am dritten Wagen. Es handelt sich um einen schwarzen 78er Pontiac Trans Am, der im Juni 2018 verlost werden soll. In diesem Jahr war ein Pontiac Firebird aus dem Jahr 1969 versteigert worden. Das Auto gewann eine Frau aus Gallup, die ihrer Kirchengemeinde mit dem Loskauf etwas zurückgeben wollte. Ihr Los kostete 25 US-Dollar – wie auch bei der aktuellen Tombola.

Mindestens genauso wichtig wie das Sammeln von Geld ist für Keller aber ein anderer Aspekt des Projekts: "Es hat sich überraschenderweise zu einer Möglichkeit der Evangelisierung entwickelt", sagt er. Denn in der Garage hinter der Kathedrale von Gallup, wo die Männer an den Autos schrauben, finden Gespräche über den Glauben statt. "Einige beichten dann sogar bei mir", verrät der Generalvikar. Bei der Restaurierung seien auch viele Männer dabei, die man sonst nicht in der Kirche antreffen würde, sagt er. Deshalb sei "V8's for Vocations" mehr als Autos und Unterstützung für die Priesterausbildung. Keller ist überzeugt, "es geht eigentlich um das, was Papst Franziskus immer wieder fordert: an die Peripherie gehen."

Von Roland Müller

So können Sie an der Auto-Verlosung teilnehmen:

Ein Los zur Teilnahme an der Tombola kostet 25 US-Dollar und kann über die Homepage des Projekts erworben werden. Der Termin der Verlosung ist der 02. Juni 2018. Um zu gewinnen, muss man nicht in Gallup anwesend sein, sodass man auch von Deutschland aus teilnehmen kann. Im Fall eines Gewinns müssen jedoch die Kosten der Überführung des Autos und die Steuern des Imports selbst getragen werden.

Informationen über das zu gewinnende Auto

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