Neue Wege für den letzten Gang

Ein Info-Stand für Google auf einem Kongress für Bestatter? Der Tod ist anscheinend auch nicht mehr das, was er mal war. Aber Spaß beiseite. Auch die Branche für den letzten Weg des Menschen wandelt sich. Und der Deutsche Bestatter Kongress, der am Mittwoch und Donnerstag in Königswinter bei Bonn stattfindet, zeugt davon, dass es hier um mehr als um neue Trends bei Kerzen geht.

Tod und Trauer | Königswinter - 07.11.2013

Ein Info-Stand für Google auf einem Kongress für Bestatter? Der Tod ist anscheinend auch nicht mehr das, was er mal war. Aber Spaß beiseite. Auch die Branche für den letzten Weg des Menschen wandelt sich. Und der Deutsche Bestatter Kongress, der am Mittwoch und Donnerstag in Königswinter bei Bonn stattfindet, zeugt davon, dass es hier um mehr als um neue Trends bei Kerzen geht.

"Die Bestattung ist ein kulturelles Ritual", sagt Dirk Ziems im Eröffnungsvortrag der Tagung. "Allerdings muss die Bestattungskultur mit jeder Generation neu gelernt werden", ist sich der Unternehmensberater und Kenner der Branche sicher. Aktuell sieht er verschiedene Entwicklungen, die sich seiner Ansicht nach auf die Branche auswirken. Dazu gehörten laut Ziems neben einer zunehmenden Tabuisierung des Todes und der Lockerung von sozialen Bindungen auch religiöse Aspekte.

Weniger Christentum, mehr Islam

Die christlichen Religionen hätten nicht mehr die alleinige Deutungshoheit über ein Begräbnis, sagt Ziems. Dennoch würden kirchliche Elemente bei einer Bestattung auch bei eher kirchenfernen Menschen als positiv und "überraschende Stütze" empfunden.

Für viele Menschen sei eine Beerdigung eine punktuelle, aber auch oberflächliche "Wiederentdeckung der Religion", diagnostiziert Ziems. Zugleich fänden sich auch bei sehr individuellen Bestattungen nicht selten quasi-religiöse Elemente, sagt er weiter. Sei es bei der Gestaltung von Grabsteinen oder dem Ablauf der Beisetzung.

Dies müssten Bestatter ebenso bedenken wie die zunehmende Zahl an Beerdigungen von Muslimen. Gerade in großen Städten werde sich ein eigener Markt für islamische Bestattungen entwickeln, prognostiziert Ziems. Generell ist er aber der Ansicht: "Das Bestattungswesen verschiebt sich von der Jenseitsvorstellung weg und richtet sich mehr an der Würdigung einer individuellen Lebensbilanz aus."

Das Bestattungswesen verschiebt sich von der Jenseitsvorstellung weg und richtet sich mehr an der Würdigung einer individuellen Lebensbilanz aus.

Dirk Ziems

Belege für Ziems' These heißen "Erdbeertraum", "Meeresfahrt" oder "Sommerhauch". Diese und andere kunstvoll gestaltete und fantasievoll benannte Urnen für die besondere Einäscherung präsentiert deren Erschafferin an einem Stand im Rahmenprogramm des Kongresses. In unmittelbarer Nähe zum Anbieter von Segeltouren zur Trauerarbeit und eben dem Vertreter einer Agentur, die damit wirbt, Unternehmen bei Google möglichst weit vorne zu listen.

Trauer im Web 2.0

Während das Web 1.0 längst in der Branche angekommen ist, rückt auch das Web 2.0 vor. Der Bestatter von heute sollte bloggen, twittern und auf Facebook aktiv sein, legt Kerstin Gernig, Moderatorin des Kongresses und ehemalige Geschäftsführerin des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, den Teilnehmern nahe.

Schließlich ist der Kunde auch schon dort: Es gebe Online-Trauerportale mit virtuellen Kerzen und digitale Grabsteine mit eingemeißeltem QR-Code oder eingebautem Display, auf dem sich Besucher der Grabstätte Bilder des Verstorbenen anschauen können.

Die Bestatter-Branche mag auf neuen Wegen gehen, in Richtung Tod und Verlust führen sie seit jeher. Unabhängig aller Trends gilt es, den Abschied für die Angehörigen würdevoll und tröstend zu gestalteten. "Trauer ist keine Krankheit, aber sie kann krank machen", erläutert der Hamburger Trauerbegleiter Piet Morgenbrodt in seinem Vortrag. Damit dass nicht passiert, sind nicht nur Seelsorger gefordert, sondern auch Bestatter.

Von Christoph Meurer

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