Neues Treffen der Päpste

Es sind immer herzliche Begegnungen: Am Sonntag sind Papst Franziskus und Benedikt XVI. zusammengetroffen. Anlass für den ersten öffentlichen Auftritt des emeritierten Pontifex seit fünf Monaten war ein Treffen von mehr als 40.000 Senioren aus über 20 Ländern auf dem Petersplatz. Der 87-Jährige kam zu Fuß auf einen Stock gestützt in Begleitung seines Privatsekretärs Erzbischof Georg Gänswein.

Vatikan | Vatikanstadt - 28.09.2014

Es sind immer herzliche Begegnungen: Am Sonntag sind Papst Franziskus und Benedikt XVI. zusammengetroffen. Anlass für den ersten öffentlichen Auftritt des emeritierten Pontifex seit fünf Monaten war ein Treffen von mehr als 40.000 Senioren aus über 20 Ländern auf dem Petersplatz. Der 87-Jährige kam zu Fuß auf einen Stock gestützt in Begleitung seines Privatsekretärs Erzbischof Georg Gänswein.

Franziskus begrüßte und umarmte seinen Vorgänger. Er freue sich darüber, dass Benedikt XVI. im Vatikan wohne, sagte der Papst in seiner Ansprache. Er sei für ihn wie "ein weiser Großvater zu Hause". Von einem Eckplatz in der ersten Reihe aus verfolgte Benedikt XVI. eine Stunde lang die Stellungnahmen von Betagten und die Ansprache des Papstes. Vor Beginn der anschließenden Messe verließ er den Petersplatz wieder, wie zuvor angekündigt.

Benedikt XVI. führt zurückgezogenes Leben

Zuletzt war Benedikt XVI. am 27. April zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. (1958-1963) und Johannes Paul II. (1978-2005) in der Öffentlichkeit aufgetreten. Am 22. Februar hatte er an einem Konsistorium zur Aufnahme neuer Kardinäle im Petersdom teilgenommen. Bei seinem Rücktritt am 28. Februar 2013 erklärte er, fortan ein zurückgezogenes Leben im Vatikan führen zu wollen.

Der amtierende Papst nutzte das Treffen mit den Senioren, um zu einem "Dialog der Generationen" aufzurufen. "Eine Nation, die ihre Großeltern nicht gut behandelt, hat keine Zukunft", sagte Franziskus. Kinder sollten mit Dankbarkeit "den Staffelstab des Lebens aus der Hand ihrer Eltern" ergreifen, so Franziskus.

Franziskus wirbt für Dialog der Generationen

Die Vernachlässigung alter Menschen kritisierte der Papst mit deutlichen Worten als "heimliche Euthanasie". Altenheime sollten keine Gefängnisse sein, sondern ein Zuhause und "Heiligtümer der Humanität". Es gelte, sich einer "Kultur der Entsorgung" zu widersetzen, die Alte ebenso wie arbeitslose Jugendliche und Kinder ausgrenze.

Zugleich äußerte der Papst Verständnis für ein Aufbegehren von Jugendlichen gegen die Älteren. Danach gelte es jedoch wieder ein "neues fruchtbares Gleichgewicht" zwischen den Generationen zu finden. Andernfalls drohe eine "schwerwiegende geistige Verarmung".

Alte Menschen hätten ihrerseits nicht nur die Aufgabe, Lebenserfahrung und Familiengeschichte weiterzugeben, sondern auch das "wertvollste Erbe", den Glauben. In Albanien etwa seien es oft die Großeltern gewesen, die ihren Enkel heimlich getauft hätten. So hätten sie in Zeiten der Verfolgung den Glauben in dem Land bewahrt.

Die Begegnung der beiden Päpste mit den Senioren stand unter dem Titel: "Der Segen des langen Lebens". Unter den Teilnehmern aus mehr als 20 Nationen waren auch kurdische Flüchtlinge aus dem Irak, die vor der Terrormiliz " Islamischer Staat " geflohen waren. Sie berichteten von ihrem Schicksal und wurden vom Papst persönlich begrüßt. (gho/KNA)

Dokumentation: Predigt von Papst Franziskus im Wortlaut

Das Evangelium, das wir gehört haben, wollen wir heute als Frohe Botschaft der Begegnung von Jung und Alt aufnehmen: einer Begegnung, die von Freude, von Glaube und Hoffnung erfüllt ist. Maria ist jung, sehr jung. Elisabeth ist in vorgerücktem Alter, aber an ihr hat sich das Erbarmen Gottes gezeigt. Seit sechs Monaten erwartet sie gemeinsam mit ihrem Gatten Zacharias ein Kind. Maria zeigt uns auch in diesem Zusammenhang den Weg: Sie sucht die betagte Verwandte auf, sie will bei ihr sein, sicher um ihr zu helfen, aber auch und vor allem, um von ihr, der Älteren, eine Weisheit des Lebens zu lernen. Die erste Lesung lässt mit einer Vielfalt von Ausdrücken das vierte Gebot wiederhallen: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt“ (Ex 20,12). Ein Volk hat keine Zukunft, wenn es diese Begegnung zwischen den Generationen nicht gibt, wenn die Kinder nicht mit Dankbarkeit den Staffelstab des Lebens aus der Hand ihrer Eltern ergreifen. Und in dieser Dankbarkeit für den, der dir das Leben gegeben hat, ist auch die Dankbarkeit für den Vater, der im Himmel ist. Es gibt gelegentlich Generationen von jungen Leuten, die aus vielschichtigen historischen und kulturellen Motiven in stärkerem Maße die Notwendigkeit verspüren, sich gegenüber ihren Eltern selbständig zu machen, sich gewissermaßen vom Vermächtnis der vorherigen Generation zu "befreien". Es ist wie ein Moment rebellischer Jugend. Aber wenn der Kontakt nicht wieder aufgenommen wird und man ein neues fruchtbares Gleichgewicht zwischen den Generationen wiederfindet, ergibt sich für das Volk eine schwerwiegende geistige Verarmung, und die Freiheit, welche in der Gesellschaft vorherrscht, ist eine falsche Freiheit, die sich fast immer in ein autoritäres System verwandelt. Die gleiche Botschaft erhalten wir aus der Aufforderung des Apostels Paulus an Timotheus und durch ihn an die christliche Gemeinde. Jesus hat das Gesetz der Familie und des Übergangs der Generationen nicht aufgehoben, sondern zur Vollendung geführt. Der Herr hat eine neue Familie geformt, in der die Beziehung zu ihm und das Tun des Willens Gottes, des Vaters, wichtiger als die Blutsbande sind. Doch die Liebe zu Jesus und zum Vater führt die Liebe zu den Eltern, Geschwistern und Großeltern zur Vollendung. Sie erneuert die familiären Beziehungen mit dem Saft des Evangeliums und des Heiligen Geistes. Daher empfiehlt der heilige Paulus dem Timotheus, der selbst Hirte und folglich Vater der Gemeinde ist, den älteren Menschen wie den Angehörigen Respekt entgegenzubringen. Er ermahnt Timotheus, dies mit der Einstellung eines Sohnes zu tun: einem älteren Mann „wie einem Vater“ zuzureden und „mit älteren Frauen wie mit Müttern“ zu reden (vgl. 1 Tim 5,1f). Dies ist der Wille Gottes, von dem der Leiter der Gemeinde nicht entbunden ist. Im Gegenteil, die Liebe Christi drängt ihn, seine Aufgaben mit einer größeren Hingabe zu tun. Er handelt wie die Jungfrau Maria. Obwohl sie die Mutter des Messias wurde, fühlte sie sich von der Liebe Gottes angestoßen, der im Begriff ist in ihr Mensch zu werden, und eilte zu ihrer betagten Verwandten. Kehren wir also zu dieser von Freude und Hoffnung, von Glaube und Liebe erfüllten "Ikone" zurück. Wir können uns vorstellen, dass die Jungfrau Maria während ihres Aufenthalts im Haus der Verwandten diese Elisabet mit ihrem Mann beten gehört hat, vielleicht mit den Worten des heutigen Antwortpsalms: "Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, meine Hoffnung von Jugend auf. … Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden. … Auch wenn ich alt und grau bin, o Gott, verlass mich nicht, damit ich von deinem machtvollen Arm der Nachwelt künde, den kommenden Geschlechtern von deiner Stärke" (Ps 71,5.9.18). Die junge Maria hörte und bewahrte alles in ihrem Herzen. Die Weisheit der Elisabet und des Zacharias hat ihr junges Gemüt bereichert. Sie waren keine Experten für Mutterschaft oder Vaterschaft, denn auch für sie war es die erste Niederkunft. Aber sie waren erfahren im Glauben, erfahren im Leben mit Gott, erfahren in jener Hoffnung, die von Ihm her kommt: Diese hat die Welt nötig, in jedem Zeitalter. Maria wusste jenen alten Eltern zuzuhören, die voll des Staunens waren. Sie hat sich deren Weisheit zunutze gemacht auf ihrem Weg als Frau, als Braut und als Mutter. So zeigt Maria uns den Weg, den Weg der Begegnung zwischen den Jungen und den Alten. Die Zukunft eines Volkes setzt notwendig diese Begegnung voraus: Die jungen Menschen geben die Kraft, um das Volk zum Weitergehen zu bewegen. Die Alten vermehren diese Kraft mit dem Gedächtnis und der Weisheit des Volkes. Quelle: Radio Vatikan

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018