"Nicht Konkurrenten, sondern Geschwister"

Das Treffen von Papst Franziskus mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. am Freitagabend auf Kuba war historisch. Für katholisch.de bewertet Ökumene-Bischof Gerhard Feige in einem Gastbeitrag die Begegnung von Papst und Patriarch.

Ökumene | Magdeburg - 14.02.2016

Es war eine historische Begegnung: Das Treffen von Papst Franziskus mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. am Freitagabend auf Kuba bewegt die Christen in aller Welt. Für katholisch.de bewertet der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige, in einem Gastbeitrag die Begegnung von Papst und Patriarch. Für Feige ist klar: Der gemeinsame Auftritt von Franziskus und Kyrill ist ein Hoffnungszeichen und eine heilsame ökumenische Herausforderung:

Während die Beziehungen zwischen Rom und Konstantinopel sich schon seit der ersten Begegnung von Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras im Jahre 1964 recht kontinuierlich in "schwesterkirchlicher Weise" weiterentwickelt haben, erscheint es fast wie ein Wunder, dass nunmehr endlich auch ein Treffen des Moskauer Patriarchen mit dem Papst zustande gekommen ist. Lange erwartet und immer wieder von russischer Seite als noch nicht möglich zurückgestellt, ist es jetzt doch gelungen, ein solches Hoffnungszeichen zu setzen, aber ohne Gottesdienst oder Gebet.

Entscheidend für dieses wohl auch diplomatische Meisterstück waren intensive Vorbereitungen hinter den Kulissen, eine große Sensibilität für die beiderseitigen Befindlichkeiten, eine hohe persönliche Motivation und ein gewisser Kairos, bedingt durch die gegenwärtigen weltpolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen sowie das bevorstehende Panorthodoxe Konzil. Für wie bedeutsam das nur zweistündige Gespräch angesehen wurde, zeigt auch die rege Medienberichterstattung, die manchmal leider historisch etwas unbedarft und nicht frei von Klischees war.

"Nicht Konkurrenten, sondern Geschwister"

Als Schlüssel und generelle Zusammenfassung der gemeinsamen Erklärung bietet sich die Aussage an: "Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister, und von dieser Vorstellung müssen alle unsere wechselseitigen Unternehmungen wie auch die gegenüber der Außenwelt geleitet sein." Obzwar - so heißt es dann - auf dem Weg zur Wiederherstellung der Einheit "zahlreiche Hindernisse" noch "andauern", besteht unsere Sendung doch darin, die zwischenkirchliche Versöhnung ernsthaft voranzutreiben, in vielen Bereichen zusammenzuarbeiten und den anderen Menschen das Evangelium Christi einmütig zu bezeugen.

Linktipp: "Wir danken Gott für diese Begegnung"

Am Freitagabend ist es auf Kuba zu der historischen Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. gekommen. Dabei unterzeichneten Papst und Patriarch eine gemeinsame Erklärung. Katholisch.de dokumentiert den Wortlaut der Erklärung.

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In seiner Rede spricht Papst Franziskus auch davon, dass sich "die Einheit im Unterwegssein bildet". Zweifellos gehört zu den Hindernissen für das Moskauer Patriarchat immer noch die Griechisch-katholische Kirche in der Ukraine. Entkrampfend heißt es aber nun offiziell, dass die Methode des "Uniatismus" zwar nicht mehr vertretbar sei, die so entstandenen Gemeinschaften aber das Recht haben, eigenständig zu existieren und zu wirken. Als dringend wird jedoch angemahnt, in der Ukraine alles zu unternehmen, um die kirchlichen Auseinandersetzungen - auch innerhalb der Orthodoxie - zu überwinden.

Fruchtbare brüderliche Begegnung

Auffälliger Weise geht es im Text vor allem um soziale und ethische Probleme sowie die Verteidigung christlicher Werte, wobei die damit verbundenen Vorstellungen sich freilich in manchem voneinander unterscheiden dürften. Auf jeden Fall wird die brüderliche Begegnung zwischen Patriarch Kyrill und Papst Franziskus sich nicht nur in gesellschaftlicher, sondern auch in zwischenkirchlicher Hinsicht fruchtbar auswirken, und das nicht nur auf das Verhältnis zwischen Rom und Moskau, sondern auch auf den theologischen Dialog mit der gesamten Orthodoxie.

Im Vorfeld des Panorthodoxen Konzils, wo auch die Beziehungen zur übrigen christlichen Welt ein Thema sein sollen, und angesichts der nächsten Vollversammlung im Internationalen orthodox-katholischen Dialog erscheint ihr gemeinsames Auftreten jedenfalls als eine heilsame ökumenische Herausforderung, die nicht ohne Folgen bleiben wird. Auch wenn aus manchen Kreisen antiökumenische Kritik zu erwarten ist, sollte das nicht hindern, sich mutig und entschlossen weiterhin um eine größere Gemeinschaft zu bemühen.

Von Gerhard Feige

Der Autor

Gerhard Feige (*1951) ist seit 2005 Bischof von Magdeburg. Außerdem ist er Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz.

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