Nicht ohne Blasenpflaster

Während andere noch schnell den Flieger Richtung Süden buchen und die Koffer mit Sommerkleidung füllen, hat Bruder Martin Koch aus Köln andere Pläne. Er wird nur das Nötigste packen. Einen Rucksack vielleicht und seinen Messkoffer – das ist alles, was der Franziskanermönch auf seiner Pilgertour von Würzburg nach Augsburg braucht, wenn er einen Streckenabschnitt des fast in Vergessenheit geraten Romweges abgeht.

Pilgern | Bonn - 21.07.2014

Während andere noch schnell den Flieger Richtung Süden buchen und die Koffer mit Sommerkleidung füllen, hat Bruder Martin Koch aus Köln andere Pläne. Er wird nur das Nötigste packen. Einen Rucksack vielleicht und seinen Messkoffer – das ist alles, was der Franziskanermönch auf seiner Pilgertour von Würzburg nach Augsburg braucht, wenn er einen Streckenabschnitt des fast in Vergessenheit geraten Romweges abgeht.

Einen Teil der Strecke kennt Bruder Martin bereits. Schon im vergangenen Jahr war er auf dem Romweg unterwegs, bis nach Padua hat ihn sein Weg geführt. "Mir hat das sehr gut gefallen", erzählt der Franziskaner. "Daher möchte ich das dieses Mal für eine ganze Gruppe anbieten." Vom 29. August bis zum 6. September lädt er deshalb ein, die rund 200 Kilometer zwischen Würzburg und Augsburg gemeinsam zu Fuß zurückzulegen.

Ausgeschrieben hat er seine Reise für Männer zwischen 18 und 35 Jahren, wobei das Alter ein Richtwert sei und keine feste Grenze, betont der 33-Jährige Franziskaner, der bis vor kurzem in Würzburg gewohnt hat. Dass er seine Tour nur für Männer anbietet, habe rein praktische Gründe: "Auf dem Weg sind keine Pilgerherbergen", erläutert er. "Wir müssen in Turnhallen oder anderen Gruppenräumen unterkommen." Da sei es einfacher gewesen, nicht mit einer gemischten Gruppe zu pilgern.

Die Strecke zwischen Rottenbuch und Ettal. Diesmal will Bruder Martin den Weg von Würzburg nach Augsburg nicht alleine pilgern.
 Martin Koch

"Es gab ein Drängen in mir"

Den Reiz des Pilgerns habe er vor zehn Jahren entdeckt, erinnert sich Bruder Martin, der erst vor wenigen Wochen zum Priester geweiht wurde. Da war er auf dem Jakobsweg unterwegs, eine Erfahrung, die bei ihm eine Sehnsucht geweckt habe, wie er selber sagt. Auch wenn er danach erst einmal nicht mehr pilgern war, der Gedanke habe ihn nicht losgelassen.

Nach dem Ende seines Studiums vor einem Jahr war es dann schließlich wieder soweit: "Es gab einfach ein Drängen in mir, mich wieder auf den Weg zu machen", erzählt Bruder Martin. Seine Wahl fiel dieses Mal jedoch auf den Romweg, eine Pilgerroute, die heute fast vollständig in Vergessenheit geraten ist, eine feste Route gibt es nicht mehr. Bruder Martin will es seinen Mitpilgern ermöglichen, den Weg neu zu entdecken: "Wir suchen uns anhand von Wanderwegen den Weg Richtung Rom."

Der Anfang ist anstrengend

Bevor es losgeht, bekomme jeder Pilger eine Packliste zugeschickt. "Man sollte sein Gepäck auf ein Minimum beschränken", empfiehlt er. Neben Isomatte und Schlafsack sollte also nur das Nötigste an Wäsche und Hygieneartikeln wie Zahnpaste und Duschbad mitgenommen werden. "Es ist doch auch spannend zu sehen, mit wie wenig man auskommt." Zwischen 18 und 25 Kilometer will der Franziskanermönch gemeinsam mit seinen Mitstreitern am Tag zurücklegen. "Das ist ein leichter bis mittlerer Schwierigkeitsgrad." Die ersten Tage würden aber hart, warnt er, das habe er beim letzten Mal gemerkt. "Es dauert ein bisschen bis man reinkommt. Aber dann ist es schön". Einen Notfallkoffer mit Blasenpflastern wird Bruder Martin aber trotzdem dabei haben.

Karte: Martin Koch

Der erste Teil wird die Gruppe durch eine von Landwirtschaft geprägte Gegend führen, den sogenannten Ochsenfurter Gau bei Würzburg. "Da kann es dann auch mal ordentlich in die Höhe gehen", sagt Bruder Martin. Von Donauwörth nach Augsburg gehe es hingegen durch Flusstäler.

Auf seiner eigenen Reise vor rund einem Jahr habe ihn besonders die Gastfreundschaft beeindruckt, erinnert sich der Franziskaner. "Die Menschen waren unglaublich hilfsbereit." So habe er sich beispielsweise vor Donauwörth verlaufen und sei aus Versehen im Garten einer Familie gelandet. "Ich durfte dann aber sogar mitessen und dann haben sie mich zum richtigen Weg gefahren", sagt er.

Neben regelmäßigen Gottesdiensten und gemeinsamen Gesprächen hat Bruder Martin für die in wenigen Wochen startende Tour auch Phasen der Ruhe eingeplant. "Das ist besonders gut für die, die vor Entscheidungen stehen", erläutert er. So habe sich bereits ein junger Mann angemeldet, der überlegt, in einen Orden einzutreten. Insgesamt haben sich bisher vier Männer für die Pilgertour entschieden, es dürften aber gerne noch ein paar dazukommen, sagt Bruder Martin. Besonders sportlich muss man übrigens nicht sein: "Die Reise passt für jeden, auch für eine Couch-Potatoe."

Von Sophia Michalzik

Weitere Informationen

Die Pilgerreise vom 29. August bis zum 6. September kostet 50 Euro, weitere Informationen gibt es über Bruder Martin Koch unter martin.koch@franziskaner-minoriten.de. Eine Anmeldung erfolgt ebenfalls über die Mailadresse. Im Preis sind die Übernachtungen enthalten, Proviant wird auf dem Weg gekauft. Auf seinem Blog hat der Franziskaner Martin Koch von seiner letzten Pilgerreise berichtet.

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