Ouellet erwartet "posthume Überraschungen" Benedikts

Um den 90-jährigen Bendikt XVI. ist es ruhig geworden. Aber hat der emeritierte Papst auch sein theologisches Schaffen eingestellt? Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet glaubt das nicht.

Vatikan | Vatikanstadt - 12.02.2018

Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet ist der Ansicht, dass der emeritierte Papst Benedikt XVI. weiter an theologischen Werken arbeitet, die nach seinem Tod öffentlich werden könnten. "Ich glaube, es könnte da einige posthume Überraschungen aus der Feder Benedikts XVI. geben, zur Erbauung der Kirche", sagte der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation dem Onlineportal Vatican News. Der heute 73-Jährige leitet die einflussreiche Behörde seit 2010; er gilt als einer der führenden "Ratzingerianer" an der Kurie.

Ouellet erinnerte an das 2016 erschienene Interviewbuch des emeritierten Papstes mit dem deutschen Autor Peter Seewald ("Letzte Gespräche"). Die darin enthaltenen Gedanken Benedikts seien "von einer großen Einfachheit, Authentizität, auch Weisheit". Auf ihn wirke der 90-Jährige nach wie vor "klar denkend, sensibel, voll Glauben und Menschlichkeit". Ouellet äußerte sich zum fünften Jahrestag des Amtsverzichts von Benedikt XVI.

Das Zeugnis Benedikts sei "ein großes Ereignis für die Kirche", so Ouellet: "Man spricht ja heute von der Reform des Papsttums; nun, die größte Geste dieser Reform war diese Entscheidung zum Rücktritt." Sie habe "alle Menschen überrascht, aber zugleich den Horizont geöffnet für die ganzen Transformationen, die jetzt Franziskus durchführt, hin zu einer viel pastoraleren, dem Volk Gottes näheren Amtsführung".

"Diskrete Begleitung" des neuen Pontifikats

Dieser Übergang sei bereits in der Rücktrittsentscheidung von Benedikt XVI. implizit angelegt gewesen, führt der kanadische Kardinal aus. Die "diskrete Begleitung" des neuen Pontifikats durch den Emeritus lasse die Menschen verstehen, "dass der frühere Papst nicht auf einmal weg ist, sondern eine bestimmte bischöfliche, päpstliche Funktion weiter ausübt: die Fürbitte, die Solidarität und dabei die völlige Diskretion."

Es sei dem emeritierten Papst hoch anzurechnen, dass er keine öffentlichen Stellungnahmen über seinen Nachfolger abgebe, so Ouellet. Dabei könne man sich vorstellen, dass auch Benedikt XVI. von manchen Dingen überrascht worden sei und sich "manchmal Fragen gestellt haben wird".

Benedikt XVI. hatte am 11. Februar 2013 überraschend seinen Amtsverzicht angekündigt. Es war der erste freiwillige Rücktritt eines Papstes seit dem Mittelalter. Seither lebt er zurückgezogen im früheren Kloster "Mater Ecclesiae" in den vatikanischen Gärten. (KNA)

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