Overbeck dämpft Erwartungen

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck warnt vor zu hohen Erwartungen an die Familiensynode im Herbst: Man dürfe von dem Bischofstreffen in Bezug auf Wiederverheiratete oder Homosexuelle "keine Wunder erwarten", sagte er bei einer Podiumsdiskussion.

Familiensynode | Mülheim - 13.05.2015

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die Erwartungen an die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie gedämpft. Gerade hinsichtlich des Umgangs der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen oder Menschen in homosexuellen Beziehungen solle man von dem Bischofstreffen im Herbst im Vatikan "keine Wunder erwarten", sagte er am Dienstagabend in Mülheim.

Die Vielschichtigkeit und die weltweit unterschiedlichen kulturellen Traditionen im Umgang mit diesem Thema machten es schwer, zu gültigen Änderungen der kirchlichen Lehre zu kommen, so Overbeck. Dies gelte in einer immer komplexer werdenden Welt aber auch für andere Themen. Overbeck sieht die Kirche an einem "lehramtlichen Wendepunkt" – es müsse weiter "die eine Lehre geben, damit wir als Kirche ein institutioneller Körper bleiben. Aber die Frage ist, wie ausdifferenziert diese sein muss".

Keine Chance für einheitliche Segensrituale

Für einheitliche Segens-Rituale für wiederverheiratete Geschiedene oder homosexuelle Paare, wie sie vor wenigen Tagen vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken gefordert worden waren, sieht Overbeck bislang keine Chance: "Das ist rechtlich für mich nicht möglich". Der Ruhrbischof setzt stattdessen auf seine Seelsorger vor Ort. "Ich halte es für gut, hier seelsorgerisch sehr klug vorzugehen – ohne daraus gleich eine öffentliche Norm zu machen."

Vom 4. bis 25. Oktober kommt die Bischofssynode zusammen, die konkrete Leitlinien für die Pastoral der Familien erarbeiten will. Zur Vorbereitung hatte Papst Franziskus Umfragen an der Kirchenbasis initiiert, die eine tiefe Kluft zwischen kirchlicher Lehre über die Sexualmoral und der Praxis der Katholiken belegen. Das Ergebnis der Umfrage unter Katholiken in Deutschland: Das "Nein" zu Kondomen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder der Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion wird nur von wenigen geteilt.

Hintergrund: Die Familiensynode

Theorie trifft Praxis: Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

Zur Themenseite

Overbeck lobte den neuen Stil der innerkirchlichen Auseinandersetzung, die durch die Synode und deren Umfragen in Gang gesetzt worden sei. "Dass die Befragung geschieht, ist ein Wunder gegenüber dem, was wir vorher gewohnt waren", so der Bischof. Zugleich bekundete er die Hoffnung, dass es bei den Beratungen nicht zu gegenseitigen Verwerfungen komme und die Rechtgläubigkeit des anderen nicht infrage gestellt werde.

Weltkirchliche Prinzipien und regionale Stellungnahmen

Overbeck warf die Frage auf, wie die Kirche mit der Geschichtlichkeit von Lehrentwicklungen umgehe. Noch in den 1930er Jahren sei ein Moraltheologe deshalb verurteilt worden, weil er die Position vertreten habe, dass die Sexualität von Eheleuten neben der Fortpflanzung auch der gegenseitigen Liebe und Hingabe diene. 30 Jahre später habe das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965)  genau diese Sicht als Lehre der Kirche definiert. "Das macht mich ziemlich nachdenklich", so der Ruhrbischof.

Er sprach  bei einem Podium der Veranstaltung "Dialog mit dem Bischof – ändert die katholische Kirche ihre Sicht auf Ehe und Familie?" in der katholischen Akademie "Die Wolfsburg".

An diesem Abend äußerte der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz die Sicht, dass sich die Kirche bei ihrer Sexualmoral "einen Teil des Problems selbst eingebrockt" habe. Das Zweite Vatikanische Konzil habe das Thema geöffnet, etwa mit dem bis dahin kaum diskutierten "Prinzip der ehelichen Liebe". Doch dann habe die Kirche aus der universellen Wahrheit sehr konkrete Normen und strenge Gebote abgeleitet. "Heute wird um diese Normen gekämpft als gehe es um die Wahrheit", so Goertz.

"Zuwendung zur Lehre"

Mit scharfer Kritik am Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat Passaus Bischof Stefan Oster eine rege Debatte über das katholische Familienbild und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften losgetreten. Jetzt antwortet das ZdK.

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/zuwendung-zur-lehre

In anderen Bereichen funktioniere das Zusammenspiel von weltkirchlichen Prinzipien und regionalen Stellungnahmen durchaus, sagte Goertz und verwies auf den Bereich Militär. "Es gibt eine universal-kirchliche Friedensethik", so Goertz. Aber es sei ein Thema für die deutsche Kirche, wie sie zum Beispiel zu deutschen Waffenlieferungen an die Kurden im Irak steht. Theologisch wäre zwar eine solche Differenzierung auch beim Thema Sexualität denkbar – aber faktisch seien diese Änderungen in der Weltkirche schwierig, teilte Goertz Overbecks Skepsis mit Blick auf mögliche konkrete Ergebnisse der Bischofssynode.

Zustimmung für neues kirchliches Arbeitsrecht

Viel Zustimmung erhielt Overbeck für das geänderte kirchliche Arbeitsrecht, das im August in den Bistümern Nordrhein-Westfalens in Kraft treten soll. Barbara Wagner, als Abteilungsleiterin im Kita-Zweckverband Vorgesetzte für rund 300 Beschäftigte in Bochumer Kindertagesstätten, begrüßte die Erleichterungen mit Blick auf die Anforderungen an die persönliche Lebensführung, die künftig für die meisten Kirchenangestellten gelten. Sie erinnerte an viele Unterredungen mit Erzieherinnen, die etwa zum zweiten Mal heiraten wollten und deshalb vor der Kündigung standen: "Das waren die schlimmsten Gespräche", so Wagner.

Auch Goertz würdigte die neue Grundordnung, sprach jedoch von einer "Sondermoral" für Religions-Lehrer, Pastoralreferenten und andere Beschäftigte in der kirchlichen Lehre oder in Leitungspositionen, für die die neuen Erleichterungen nicht gelten. Overbeck verwies auf "zahlreiche Kompromisse" unter den deutschen Bischöfen, die in die neue Grundordnung eingeflossen seien, und warb dafür nun auch hier "Schritt für Schritt und in Ruhe" neue Lösungen zu suchen. (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017