Papst ruft deutsche Priesterausbilder zum Umdenken auf

"Berufungen können wir nicht machen", sagte Papst Franziskus mit Blick auf sinkende Priesterzahlen. Dennoch gab er den deutschsprachigen Priesterausbildern einige Ratschläge mit auf den Weg.

Vatikan | Vatikanstadt - 08.03.2018

Papst Franziskus hat dazu ermuntert, in der Priesterausbildung im deutschsprachigen Raum neue Wege auszuprobieren. "Manches Gewohnte müssen wir ablegen und uns auf Fremdes einlassen", sagte er am Donnerstag vor den Leitern der Priesterseminare. "Als Menschen und Priester vertrauen wir auf den Schatz unserer Erfahrungen. Doch zugleich erkennen wir, dass heute neue und unterschiedliche Kulturformen entstehen, die sich nicht an unsere üblichen Modelle anpassen", so der Papst. Bei allen Veränderungen könnten die Priesterausbilder jedoch stets auf Jesus blicken. "Wir dürfen in seinen Wunden, wie auch in den Wunden dieser Welt die Zeichen der Auferstehung sehen". Diese Gewissheit lasse die Menschen "immer wieder aufbrechen als Zeugen der Hoffnung".

"Berufungen können wir nicht machen", sagte der Papst angesichts einer immer geringeren Zahl von Interessenten für das Priesteramt. Aber die Priesterausbilder könnten ihre eigene Berufung sichtbar machen und "Zeugen sein für den an uns gerichteten Ruf des barmherzigen Gottes". Hierbei gehe es um die Zuwendung zum konkreten Menschen, "der bedürftig ist, der die Nähe der Menschen und die Nähe Gottes braucht". Dafür müssten sie auch die jungen Männer sensibilisieren, die sich auf das Priesteramt vorbereiteten.

Delegation vom Münsteraner Regens Hartmut Niehues angeführt

Die Delegation mit 45 Teilnehmern wurde vom Vorsitzenden der Deutschen Regentenkonferenz, Hartmut Niehues, geleitet. Ihm dankte der Papst zu Beginn seiner Ansprache ausdrücklich für "seine freundlichen Worte". Der Regens des Priesterseminars im Bistum Münster hatte sich in der Vergangenheit für "arbeitsfähige Gruppengrößen" in der Priesterausbildung ausgesprochen und eine Zusammenlegung von Priesterseminaren oder auch eine gemeinsame Ausbildung mit anderen in der Seelsorge tätigen Berufsgruppen ins Gespräch gebracht. Das System, wie es bisher bestehe, sei dagegen "am Ende".

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 76 Männer zu Diözesanpriestern geweiht. 2015 erreichte die Statistik mit 51 Weihen ihren niedrigsten Stand, 1995 etwa waren es noch 186. Die Zahl der Eintritte in Priesterseminar lag nach Angaben der Deutschen Regentenkonferenz im Jahr 2003 noch bei knapp 200. Seitdem halbierte sie sich. Der Vatikan hatte im Dezember 2016 neue Leitlinien zur Priesterausbildung herausgegeben. Die deutschen Bischöfe haben die Vorgaben bisher allerdings noch nicht in eine eigene Rahmenordnung ("Ratio Nationalis") übersetzt. (tja/KNA)

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