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Papstausstellung zum Jahrestag der Reformation

Wohl die bislang umfassendste Ausstellung zum Papsttum: Der Vatikan und die Reiss-Engelhorn-Museen zeigen nächstes Jahr mehr als 300 Exponate - einige davon waren noch nie außerhalb Roms zu sehen.

Geschichte | Mannheim - 28.04.2016

Zum 500. Jahrestag der Reformation zeigen die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen in Kooperation mit dem Vatikan eine große kulturgeschichtliche Ausstellung zum Papsttum. Die Schau von Mai 2017 an beleuchtet die Anfänge bis zur Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert.

Auf 2.300 Quadratmetern soll anhand wertvoller Exponate aus dem Vatikan und aus weiteren internationalen Museen die bislang umfassendste Ausstellung zum Papsttum zwischen Spätantike und Renaissance entstehen. Einige Objekte und Kunstgegenstände wurden den Angaben zufolge noch nie außerhalb Roms ausgestellt, so etwa das Prunkgewand von Papst Nikolaus V. Nach der Präsentation der mehr als 300 Exponate in Mannheim soll die Ausstellung im Vatikan gezeigt werden.

"Wir wollen darstellen, wie aus einer kleinen Glaubensgemeinschaft eine weltweite Institution wurde und wie eng die Entwicklung Europas mit der Entwicklung des Papsttums verknüpft war", sagte der Mittelalterexperte Stefan Weinfurter am Donnerstag in Mannheim bei der Vorstellung des Ausstellungskonzepts. Deutlich werde, welche Rolle die Päpste bei der Grundlegung und Entwicklung der europäischen Rechtssysteme gespielt hätten. "Über Jahrhunderte war der päpstliche Gerichtshof die entscheidende Rechtsinstanz für ganz Europa."

Mauerinschrift "Petrus war hier" wird ausgestellt

Ausgestellt werden einige der ältesten erhaltenen Papstporträts, eine frühe lateinische Bibelübersetzung oder die auf das zweite Jahrhundert nach Christus datierte Mauerinschrift "Petrus war hier", die als Beleg für das Petrus-Grab gilt. Museumschef Alfried Wieczorek kündigte aufwendige Digital-Rekonstruktionen an, etwa der alten Peterskirche, dem Vorläuferbau des heutigen Petersdoms. In Filmen sollen Besucher die Entwicklung Roms von der Spätantike bis zum 16. Jahrhundert erleben können. Der Heidelberger Historiker Bernd Schneidmüller betonte, die Schau werde im Reformationsjahr daran erinnern, dass der "Kirchenspaltung eine 1.500-jährige gemeinsame Entwicklung von Katholiken und Protestanten vorausgegangen ist". Auch Bezüge zu den Ostkirchen werden thematisiert. Bei der Vorbereitung arbeiten Historiker, Theologen und Kunstwissenschaftler zusammen. Unterstützt wird das Projekt von der evangelischen und katholischen Kirche.

In dieser Woche diskutierten Wissenschaftler über die Rolle der Päpste als theologische Reformer. Dabei spannte der Freiburger Theologe Peter Walter den Bogen bis zum aktuellen Papst. "Franziskus interpretiert seine Aufgabe gerade nicht in der Weise, allen Christen weltweit detaillierte Vorschriften machen zu wollen, sondern er eröffnet neue Freiräume. Das Problem ist nur, es fehlt vor Ort an Personen, die diese neuen Gestaltungsräume auch zu nutzen wissen." Ein erster Tagungsband zu 1.500 Jahren Papstgeschichte ist bereits erschienen. Geplant sind drei weitere sowie ein Ausstellungskatalog und ein Reiseführer. "Viele Orte, etwa der Mainzer oder der Speyerer Dom, kann man unter diesem Gesichtspunkt noch einmal ganz neu wahrnehmen", sagte Irmgard Siede, die den Reiseführer Anfang 2017 veröffentlichen will. (KNA)

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Ein Haus mit vielen Wohnungen: So lässt sich - vereinfacht - die Ökumene beschreiben. Das Haus, das viele Kirchen und Gemeinschaften beherbergt, umspannt die ganze Welt. Die Familien in diesem Gebäude sind Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Kopten, Altkatholiken, Anglikaner und Freikirchler.

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