Philosoph: Islam-Debatte der CSU "intellektuell skandalös"

Gehört der Islam zu Deutschland? Dass die CSU überhaupt die Frage aufwerfe, sei bereits "intellektuell skandalös", sagt der Bonner Philosoph Ludger Honnefelder - und er erklärt auch, warum.

Religion | Bonn - 10.04.2018

Der emeritierte Bonner Philosoph Ludger Honnefelder kritisiert die von CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer losgetretene Islam-Debatte. Die Frage aufzuwerfen, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sei intellektuell skandalös, sagte Honnefelder am Montagabend in Bonn. Schon die Schriften der katholischen Heiligen Albertus Magnus und Thomas von Aquin zeigten den intensiven Austausch zwischen Christentum und Islam. Allein das Faktum, dass Christen und Muslime religiös seien, stelle bei allen Differenzen schon eine große Gemeinsamkeit dar.

"Der Dialog der drei abrahamitischen Religionen wird nicht ernsthaft genug unternommen", kritisierte Honnefelder. Es sei ein "beständiger Versuch" nötig, die Verbindung zwischen Verschiedenheit und Einheit zu pflegen. Die Probleme würden zu sehr auf "soziale Maßnahmen reduziert".

Der scheidende Kölner Generalvikar Dominik Meiering betonte bei dem Podium, dass Migration für Christen selbstverständlich sei. Die gesamte Heilige Schrift sei eine Flucht- und Migrationsgeschichte. Auch nach dem heiligen Mönchsvater Benedikt gehöre die "Fremdenaufnahme" zur christlichen Kultur. Meiering erinnerte an ein Wort von Papst Johannes Paul II. aus dem Heiligen Jahr 2000: "Der andere ist immer anders, aber er gehört schon zu mir." Leider gebe es bei allen Fortschritten bei der Integration nach wie vor zu viele Defizite.

Soziologin beklagt "konstruierte Fremdheit"

Die Bielefelder Soziologin Heidemarie Winkel beklagte eine "konstruierte Fremdheit" in der öffentlichen Diskussion. Selbst unter Deutschen gebe es eine Vielfalt und keine völlige "Einheit in kulturellem Sinn". Der deutsche Spracherwerb durch Migranten sei nur der erste Schritt zu einer Integration, der aber die sozio-ökonomische dringend folgen müsse.

Der Bonner Staatskirchenrechtler Ansgar Hense sieht das Migrationsgeschehen als fortlaufenden Prozess, der nicht nur die Migranten, sondern auch die Gesellschaft verändert. Hier gebe es keinen "Endpunkt". Die grundgesetzliche Ordnung von Staat und Kirche in Deutschland sei aber "durchaus in der Lage, religiöse Vielfalt zu verarbeiten", versicherte der Direktor des Instituts für Staatskirchenrecht der Diözesen Deutschlands.

Veranstalter des Podiums zum Thema "Migration und Religion in Zeitgeschichte und Gegenwart" waren die Görres Gesellschaft, die Kommission für Zeitgeschichte, das Katholische Bildungswerk Bonn sowie der Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Bonn. (KNA)

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