Pro und Contra: Bütten-Predigten zu Karneval

Ein Gottesdienst darf keine Prunksitzung sein, meint Redakteurin Julia Martin. Ihr Kollege Thomas Jansen widerspricht. Der Rheinländer findet: Ein bisschen Humor hat noch niemandem geschadet.

Kirche | Bonn - 10.02.2018

Pro: Jesus, Alaaf!

Einmal im Jahr muss das doch möglich sein: Dass ein Pfarrer die Kanzel zur Bütt macht, seine Predigt auf Kölsch oder Öcher Platt hält, die Jecken als Cowboy und Prinzessin in die Kirche kommen und im Gottesdienst auch mal herzlich gelacht wird. Die Kirche darf in diesen Tagen gerade in den Hochburgen des Karnevals keine humorfreie Zone bleiben.

Ja, gewiss Karneval ist nicht jedermanns Sache und Nichtrheinländer fragen sich nach einer Predigt auf Kölsch möglicherweise, was dieser rheinische Singsang wohl bedeuten soll. Aber mal ehrlich: auch von einer Predigt in reinstem Hannoveraner Hochdeutsch bleibt bei manchen Gottesdienstbesuchern nicht viel hängen. Und selbst wenn man den platt sprechenden Pfarrer nicht versteht: Die Einnick-Quote bei einer schwungvoll vorgetragenen Bütten-Predigt dürfte wesentlich geringer sein als in der üblichen Sonntagsmesse.

Gerade die eingefleischten Karnevalisten sind oft die treuesten Kirchgänger, die Leute die sich in den Vereinen und in der Kirchengemeinde engagieren. Eben  die Karnevalsvereine sind es doch, die um solche Gottesdienste bitten.   

Warum sollte man nicht auch diesen letzten Vertretern der Spezies Volkskirche entgegenkommen, die in den "Pastoralkonzepten" der Bistümer sonst wie Dinosaurier behandelt werden, die noch nicht mitbekommen haben, dass sie längst ausgestorben sind.

Also lassen wir doch mal den "Dom in Kölle": Es geht ja überhaupt nicht darum, den Gottesdienst in eine Prunksitzung zu verwandeln, aus der göttlichen Dreifaltigkeit ein Dreigestirn zu machen oder die Wandlungsworte auf Platt zu sprechen. Ein paar jecke Worte zur Begrüßung und die Predigt auf Platt. Das war's ja schon. Jesus, Alaaf!

Von Thomas Jansen

Kardinal Rainer Maria Woelki empfängt das Kölner Dreigestirn.
 Robert Boecker, Erzbistum Köln

Contra: Kirchenkarneval – nein danke!

"Karneval und Kirche gehören zusammen" heißt es. Doch die logische Konsequenz kann doch nicht sein, dass Karneval IN der Kirche und im Rahmen von Gottesdiensten stattfinden muss?! Ja, gerade im Rheinland freut man sich wohl, dass Prinzenpaare und Karnevalsgesellschaften in für sie initiierten Gottesdiensten diese enge Verbindung pflegen. Aber Büttenreden als Predigt und buntes Narrentreiben als Showeinlage festigen nicht die Kirchenbindung, sondern projizieren karnevalistischen Klamauk auf den Glauben.

So genannte Karnevalsgottesdienste dürfen nicht zur Prunksitzung in der Kirche verkommen. Die (überzeichnete) Konsequenz: Nicht mehr der Pfarrer leitet den Gottesdienst, sondern das Prinzenpaar, statt dem "Amen" der Gemeinde kommt ein Tusch von der Orgel und Lieder werden durch ein dreifaches "Alaaf", "Helau" oder was auch immer ersetzt. Was wäre das für ein Spaß. Weil: Kirche und Karneval gehören doch zusammen. Kirche kann auch lustig, schaut alle her!

Klar, kann sie. Wusste schon Theresa von Avila: "Wenn fasten, dann fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn." Karneval ist Rebhuhn und ein bisschen Spaß muss ja auch sein. Doch wer auf die enge Bindung zwischen Kirche und Karneval pocht, muss auch die nachfolgende Fastenzeit ernst nehmen. Ohne die gäb's ja keinen Karneval. Aber mal ehrlich? Wer von den alkoholgeschwängerten Straßenkarnevalisten weiß das eigentlich? Genau da kann und muss die Kirche einen Platz einnehmen – jedoch weder als zeigefingerdrohender Moralapostel, noch als mitschunkelnde Anbiederung.

Karneval und Kirche gehören zusammen – aber der Kontext muss passen. Denn nicht umsonst (und mit Recht!) wurde in Venedig einer Vollkostümierten die Kommunion verweigert. Und Priester als Büttenredner? Klar, gerne. Aber dann bitte beim Pfarreifasching im Pfarrsaal.

Von Julia Martin

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