Prominente fordern Unterstützung für den Papst

Warum muss man gerade jetzt Papst Franziskus unterstützen? Altbundespräsident Christian Wulff, Oskar Lafontaine, Grünen-Politiker Volker Beck und weitere Prominente verraten es.

Papst | Bonn - 08.11.2017

Prominente aus Politik und Medien haben zur Unterstützung für Papst Franziskus aufgerufen. In der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" vom Donnerstag erklären unter anderen Altbundespräsident Christian Wulff und Linken-Politiker Oscar Lafontaine in kurzen Beiträgen, warum sie dem Pontifex gerade jetzt den Rücken stärken möchten. Unter der Überschrift "My Pope needs me!" ("Mein Papst braucht mich!") lassen sie aber auch kritische Töne anklingen. Die fünf Prominenten äußern sich im Rahmen einer Berichterstattung über die Initiative "Pro Pope Francis".

Der Katholik Christian Wulff lobt in seiner Stellungnahme, dass für den Papst die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes und das Gewissen der Gläubigen im Mittelpunkt stünden. Als Beispiel nennt er das Schreiben "Amoris laetitia", mit dem Franziskus "Gestrandeten" Wege geebnet habe. Weiter hebt Wulff die "beeindruckenden Gesten" des Papstes gegenüber evangelischen und orthodoxen Christen hervor. Konservative Kirchenvertreter hätten zwar das Recht, dem Papst Fragen zu stellen. Vorwürfe der Häresie und Irrlehren bis hin zur Ankündigung eines möglichen Schismas seien jedoch "unangemessen" und zeugten von "Halsstarrigkeit". "Bestärken und unterstützen wir Papst Franziskus, seinen eingeschlagenen Weg mutig zu gehen, und bitten wir seine Kritiker um Fairness und Maßhalten", schließt Wulff.

Die katholische Kirche und die Gesellschaft insgesamt bräuchten "genau diesen Papst heute, der den 'unverschämten Reichtum' einer kleinen Minderheit und eine wachsende Armut vieler geißelt und eine neue 'Haltung des Teilens' anmahnt", schreibt der Fraktionschef der Linken im Saarland, Oskar Lafontaine. Die derzeitige Kritik an Franziskus ziele auf die grundsätzliche Ausrichtung des Papstes ab, "der eine arme Kirche möchte". Franziskus habe den Mut, klarer und direkter als seine Vorgänger die "ungerechten Machtverhältnisse" auf der Welt zu kritisieren, und spreche die Themen an, die viele Menschen "wirklich" betreffen. "Einen solchen mutigen Mahner und unermüdlichen Streiter für Frieden in der Welt" brauche es heute, so Lafontaine.

"Eigentlich ziemlich unzufrieden"

Der ehemalige religionspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, schreibt, er sei "eigentlich ziemlich unzufrieden" mit dem bisherigen Pontifikat von Franziskus. Dabei kritisiert er vor allem fehlende Reformen in der katholischen Sexuallehre mit Blick auf die sexuelle Selbstbestimmung. Dennoch habe Franziskus erste Schritte gemacht, die "Tore der Kirche für die Menschen weiter zu machen". Den Papstkritikern sei jedoch "selbst die reine Geste" zu viel, so Beck, der zu den rund 50.000 Unterzeichnern der Initiative "Pro Pope Francis" zählt.

Für ZDF-Chefredakteur Peter Frey ist Franziskus "Orientierung", etwa wenn dieser die Verantwortung für Erde und Klima fordere oder sich für das "tatsächliche Leben in Familie und Beziehungen" interessiere. Er werde immer "der Papst der Barmherzigkeit bleiben, für den im Kampf gegen die Pharisäer des Dogmas und des Gesetzes nichts wichtiger ist als der Mensch", so Frey, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist. Die Autorin Diana Kinnert zeigt sich in ihrem Beitrag  "dankbar für Franziskus' Marschrichtung, die Kirche mit Leben zu füllen statt als Sittengehäuse aufrechtzuerhalten". Ein Kirchenoberhaupt dürfe nicht "demokratisch verfügbar oder auf irgendeine Art 'sozial verträglich' statt nicht-radikal" sein, denn: "Glauben ist etwas Radikales." (tmg)

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