Rabbiner verbietet Schülern Blick auf Geldschein

Ein Bild des jüdischen Dichters Saul Tschernichowski ziert den israelischen 50-Schekel-Schein. Doch weil seine Frau Christin war, pflegt Rabbi Ben-Zion Muzafi einen absurden Umgang mit dem Geldschein.

Judentum | Jerusalem - 04.12.2017

Ein ultra-orthodoxer Rabbiner in Israel hat seinen Schülern untersagt, einen Geldschein mit dem Bild des jüdischen Dichters Saul Tschernichowski anzuschauen, weil dieser mit einer gläubigen Christin verheiratet war. Dies berichteten israelische Medien am Montag übereinstimmend. Auf dem grünen 50-Schekel-Schein (rund zwölf Euro) ist der Poet (1875-1943) im Profil zu sehen.

"Es ist bekannt, dass er mit einer strenggläubigen Christin verheiratet war, die jeden Sonntag in der Kirche betete", soll Rabbi Ben-Zion Muzafi auf die Frage eines Schülers nach dem Grund des Verbots geschrieben haben. Außerdem sei Tschernichowskis Ehefrau nicht bereit gewesen, zum Judentum zu konvertieren. Darum trage er den 50-Schekel-Schein nur gefaltet in der Tasche, so dass er das Bild des Dichters "nicht eine Sekunde" ansehen müsse.

"Ein Symbol der Assimilation"

Gegen den 50-Schekel-Schein mit Tschernichowskis Abbild hatte es bereits bei der Einführung 2014 Proteste aus strengreligiösen Kreisen gegeben. Kritiker sehen in dem aus Russland stammenden Tschernichowski "ein Symbol der Assimilation". Gleichzeitig gilt er als einer der größten Dichter in der hebräischen Sprache, wie etwa die Zeitung "Haaretz" schreibt. Der DIchter war mit der Russin Melania Karlova verheiratet. Da es in Israel keine Zivilehe gibt, können Christen, Muslime und Juden jeweils nur innerhalb einer Religionsgemeinschaft heiraten. Interreligiöse Ehen werden von vielen Gläubigen abgelehnt.

"Kikar Haschabat", eine Nachrichtenseite für strengreligiöse Juden, beschrieb Ben-Zion Muzafi als sehr wichtigen "Posek" innerhalb der strengreligiösen Gemeinde orientalischstämmiger Juden. Das hebräische Wort Posek beschreibt einen Gelehrten, der verpflichtende Entscheidungen bei der Auslegung des jüdischen Religionsgesetzes treffen kann. Ein Sprecher des israelischen Chef-Rabbinats, der höchsten Autorität in religiösen Fragen, war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. (bod/dpa/KNA)

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