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Raum für Gespräche

Am 13. Dezember beginnt in Trier die erste diözesane Synode in einem deutschen Bistum seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der die Synode im vergangenen Jahr angekündigt hat, spricht in einem Interview über mögliche Themen und seine Erwartungen.

Diözesansynode | Trier - 06.12.2013

Am 13. Dezember beginnt in Trier die erste diözesane Synode in einem deutschen Bistum seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der die Synode im vergangenen Jahr angekündigt hat, spricht in einem Interview über mögliche Themen und seine Erwartungen.

Frage: Herr Bischof, wie kamen Sie dazu, eine Synode für das Bistum Trier einzuberufen?

Ackermann: Das geht zurück auf die vielen Strukturierungsprozesse der letzten Jahre. Immer wieder bin ich da auf die Frage gestoßen, egal ob von Menschen in den Gemeinden, ob von pastoralen Mitarbeitern oder von Priestern: Herr Bischof, wir sprechen so viel über Struktur, wann geht es mal um den Inhalt, was uns wichtig ist, was uns trägt, was der Glaube bedeutet, wie wir über ihn sprechen? Und das war für mich dann ein Impuls zu sagen, wir brauchen eine breiter angelegte Verständigung darüber. Mir ist auch wichtig, dass die Menschen im Bistum während dieser zwei Jahre beteiligt werden durch Befragungen. Und das geht nur, wenn man sich die Zeit nimmt.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.
 dpa

Frage: Die Trierer Synode fällt in eine Zeit gesamtkirchlicher Veränderungserwartung. Es gibt ein Gefühl, dass es gärt in der Kirche. Was macht das mit der Diözesansynode?

Ackermann: Die nimmt natürlich teil an der Atmosphäre. Auch der Papst verstärkt das durch die Zeichen, die er setzt, und die Entscheidungen, die er trifft - auch im Blick auf das synodale Element gesamtkirchlicher Art. Das war im vergangenen Jahr noch nicht abzusehen, aber wir spüren insgesamt, es gibt einen massiven Prozess der Veränderung, der Umwälzung, von Abbrüchen, aber auch von Aufbrüchen.

Frage: Was passiert, wenn die Synodalen über Themen sprechen wollen, die nicht in die Kompetenz einer Diözesansynode fallen. Etwa den Zölibat, die Sexualmoral. Wie wollen Sie da Frust verhindern?

Ackermann: Die Themen, die in der Synode selber zu behandeln sind, das müssen Themen sein, die auch in unserer Kompetenz liegen. Aber die Synode gibt auch den Anlass, über etwas anderes zu sprechen. Wie weit das gelingen wird, das wird man sehen. Mir war nur wichtig, die Bedingungen klarzulegen, auf der anderen Seite aber den Raum zum Gespräch zu eröffnen. Wir wollen das offene Gespräch.

Frage: Als Bischof üben Sie ja auch das Lehramt aus. Würden Sie zu gegebener Zeit ein Machtwort sprechen?

Ackermann: Natürlich wird so eine Versammlung von 280 Personen, die sich über zwei Jahre mehrfach trifft, eine eigene Dynamik haben. Ich stelle mir aber schon vor, auf der einen Seite Raum zu lassen zur Diskussion, aber auch rechtzeitig zu sagen, hier müssen wir die Debatte beenden, damit bestimmte Dinge nicht aus dem Ruder laufen oder es nachher eine riesige große Enttäuschung gibt.

Frage: Was wäre, wenn etwas beschlossen würde, was durchaus in ihrer Kompetenz liegt, womit Sie aber nicht einverstanden wären?

Ackermann: Meine Hoffnung ist natürlich, dass es nicht zu solch einer Situation kommt. Wenn sie aber da wäre, also alles aufzukündigen, was wir in den letzten Jahren beschlossen haben, das halte ich ehrlich gesagt für illusorisch. Aber es kann ja sein, dass es bestimmte Punkte gibt, die ich mir anders vorstelle, aber wo ich spüre, dass die nicht durchsetzbar sind. Dann müssen wir andere Wege suchen. Die Offenheit muss ich als Bischof mitbringen. Das will ich auch.

Frage: Also könnte die Synode durchaus den bistumsinternen Kurs des Bischofs korrigieren?

Ackermann: Ja klar, selbstverständlich. Natürlich erwarte ich mir, was das Bistum angeht, auch Entscheidungen für spätere Zeiten. Ich will ja beraten werden, um zu guten Entscheidungen zu kommen.

Frage: Zu den Botschaften, die vom neuen Papst ausgehen, gehört auch die Infragestellung des Reichtums der Kirche. Wird das Vermögen des Bistums auch ein Thema der Synode sein?

Ackermann: Ich stelle mir schon vor, dass das ein Thema sein wird. Die Frage nach dem Reichtum ist allerdings eine relative - und nicht einfach eine Frage der absoluten Zahlen. Das, was ich habe, kann ich einsetzen, das, was ich nicht habe, kann ich nicht einsetzen. Aber: Setzen wir es richtig ein, setzen wir die richtigen Schwerpunkte?

Frage: Bei Synoden gibt es Mehrheiten, aber auch unterlegene Minderheiten. Wie wollen Sie vermeiden, dass die Synode ein Ort der Zwietracht und der Enttäuschungen wird?

Ackermann: Diskussionen darf es geben, auch im Sinne von politischem Streit. Eine Synode stellt auch ein Forum der Debatte dar. Zu sagen, hier darf nicht gestritten werden, das würde ich für falsch halten. Wichtig ist, dass es begleitendes Gebet gibt, dass es immer wieder eingebettet wird.

Frage: Was kann die Synode in Trier für die Kirche in Deutschland bewirken?

Ackermann: Ich habe nicht den Anspruch, dass am Bistum Trier die ganze Kirche in Deutschland genesen soll. Vielleicht können aber auch andere Bistümer sehen: Wie geht das in Trier? Wie kann man in verbindlicher Weise einen Beratungsprozess gestalten, der einem Bistum hilft, seine Identität insgesamt zu stärken, die Erfahrung zu machen: Wir sind Volk Gottes, unterwegs in einem bestimmten Bistum.

Das Interview führte Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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