Religionsfreiheit ist "nicht verhandelbar"

Auf Gefährdungen der Religionsfreiheit auch in Europa hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, hingewiesen. Sie stehe nicht nur in Ländern wie Pakistan, Ägypten, Indonesien oder China zunehmend unter Druck, "sondern auch in unseren Breiten", sagte Zollitsch am Montagabend bei einem gemeinsamen Empfang der katholischen und der evangelischen Kirche in Brüssel.

Europäische Union | Brüssel - 26.11.2013

Auf Gefährdungen der Religionsfreiheit auch in Europa hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, hingewiesen. Sie stehe nicht nur in Ländern wie Pakistan, Ägypten, Indonesien oder China zunehmend unter Druck, "sondern auch in unseren Breiten", sagte Zollitsch am Montagabend bei einem gemeinsamen Empfang der katholischen und der evangelischen Kirche in Brüssel.

Religions- und Weltanschauungsfreiheit sei "als fundamentales Menschenrecht nicht verhandelbar" und müsse von den politischen Entscheidungsträgern geschützt werden.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende verwies auf eine jüngste Studie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Demnach gab es in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 3.500 rassistische oder ausländerfeindliche Übergriffe. Religiös motivierte Übergriffe zielten am häufigsten auf Juden ab. Demnach registrierten offizielle Stellen in Deutschland 1.374 Angriffe auf jüdische Personen oder Einrichtungen. Gegen Christen und christliche Einrichtungen wurden 414 Attacken bekannt.

Ein Mehr an Nächstenliebe

In diesem Zusammenhang rief Zollitsch zu mehr Nächstenliebe und Solidarität in Europa auf. Dies gelte vor allem mit Blick "auf den Fremden und den Ärmsten". "Ohne gelebte Solidarität landen wir schnell in einer egoistischen Ellbogengesellschaft, in der nur noch das Recht des Stärkeren gilt."

Ebenso mahnte Zollitsch einen andere EU-Asyl- und Flüchtlingspolitik an. Die Rettung von Menschenleben müsse die oberste Priorität haben. Es sei zu hoffen, dass nach den jüngsten Flüchtlingskatastrophen vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa wenigstens jene "fortgesetzte Gleichgültigkeit" der europäischen Öffentlichkeit vorbei sei, die Papst Franziskus jüngst auf Lampedusa beklagt habe, so Zollitsch.

Flüchtlinge müssten sich darauf verlassen können, dass ihr Asylantrag "in einem angemessenen Verfahren" geprüft werde. Der DBK-Vorsitzende forderte Europa zudem auf, einen relevanten Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Krisenländern Afrikas und Arabiens zu leisten.

Überdies warb Zollitsch für ein offenes Europa in gegenseitigem Vertrauen. Die sich ausbreitende Armut in mehreren EU-Staaten, hohe Arbeitslosigkeit und ein Umbruch gesellschaftlicher Strukturen führten zu "sozialem Unfrieden und einer Suche nach Schuldigen" und einem Zulauf zu populistischen und nationalistischen Bewegungen.

Die Lösung der Probleme in Europa bestehe aber nicht in einer "Rückkehr in eine enge Nationalstaatlichkeit", sagte der Erzbischof weiter. Das "Schüren von Vorurteilen und die Bedienung nationaler Stereotypen", wie es zuletzt auch über die Medien erfolge, sei nicht nur unfruchtbar, sondern entzweie die Völker. So zerbreche Vertrauen in die Gemeinschaft Europas und die europäische Einheit, das mühsam aufgebaut worden sei.

Lob für das EU-Parlament

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende äußerte sich ebenso besorgt über einen Rückgang von Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen insgesamt. Politiker, Parteien, Gewerkschaften und Verbände, aber auch die Kirchen und ihre Vertreter hätten in den vergangenen Jahren mit Vertrauensverlust zu kämpfen. "Damit verliert nicht nur das Leben des Einzelnen, sondern unser Gemeinwesen insgesamt an Stabilität", so Zollitsch. Dabei sei "Vertrauen die Grundwährung unseres menschlichen Zusammenlebens".

In diesem Zusammenhang verwies der Erzbischof auf die Bedeutung des Europaparlaments. Es sei die zentrale Institution, um Vertrauen der Bürger in eine demokratisch legitimierte EU zu fassen. Dafür sei auch eine hohe Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr nötig.

Zollitsch riet, im Wahlkampf europäische statt nationaler Themen zu setzen und den EU-Bürgern Entscheidungsalternativen auf europäischer Ebene vor Augen zu führen. (meu/KNA)

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Für Gott in Brüssel: Es gibt sie nicht nur für Medikamente oder die Umwelt, sondern auch für den lieben Gott: Rund 15.000 Lobbyisten tummeln sich in der EU-Hauptstadt Brüssel, um Unternehmen oder Verbänden Gehör zu verschaffen – sei es, um Zulassungen für neue Pillen durchzusetzen, für geringe Abgaswerte von Autos zu kämpfen oder eben um Gottes Wort im Bewusstsein von EU-Kommission und Europaparlament zu halten. Seit 1980 gibt es die "Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft", kurz ComECE.

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