Rörig kritisiert kirchlichen Umgang mit Missbrauch

Die Namen derer zu nennen, die die Täter schützten - das fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung von der katholischen Kirche. Überhaupt habe sie die falschen Schlüsse aus dem Missbrauchsskandal gezogen.

Politik | Berlin - 28.06.2016

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert von der katholischen Kirche volle Transparenz bei der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs. Die Kritik der Opferseite, dass die Namen von Bischöfen und kirchlichen Vorgesetzten, die Missbrauchstaten verschwiegen hätten, nicht genannt würden, sei nachvollziehbar, sagte Rörig der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagsausgabe).

Die Aufarbeitung müsse so transparent und mit so vielen Details wie möglich erfolgen. "Dafür ist auch die Nennung von Namen erforderlich, und zwar nicht nur der Täternamen. Es müssen auch diejenigen in den Blick genommen werden, die Täter geschützt haben", sagte der Missbrauchsbeauftragte.

Rörig: Kirche fehlt offener Umgang mit Sexualität

Rörig kritisierte, es fehle in der Kirche an einer offenen Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität. "Das fördert emotionale Unreife bei vielen Priestern." Die katholische Kirche habe nicht die richtigen Schlüsse aus den Skandalen gezogen.

Johannes-Wilhelm Rörig ist der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.
Johannes-Wilhelm Rörig ist der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.
 KNA

"Für mich ist nicht erkennbar, dass die Eignungsprüfungen für Priesteranwärter tatsächlich verändert worden wären. Dabei sollte doch klar sein, dass die notwendige Stärke und emotionale Reife gerade im Umgang mit der eigenen Sexualität für das Amt vorhanden sein müssen." Auch in Zeiten des Priestermangels müsse das Anforderungsprofil an das Priesteramt deutlich erhöht werden, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Rörig äußerte sich mit Blick auf eine am Montag veröffentlichte Studie, die Teil des Forschungsprojekts der Deutschen Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch durch Geistliche ist. Die Studie zeigt unter anderem, dass der Anteil männlicher Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche deutlich höher ist als in anderen Institutionen. Laut Analyse weisen zudem 29,6 Prozent der Täter eine emotionale oder sexuelle Unreife auf, 21 Prozent der Täter sind von einer Persönlichkeitsstörung betroffen, für 17,7 Prozent der Täter wurden Merkmale von Pädophilie angegeben. Alkoholabhängig seien 13,1 Prozent der Täter. (KNA)

Gestörte Täter, verstörte Opfer

Aufwendige Studien untersuchen den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Erste Ergebnisse zeigen nun, dass das Phänomen in der Kirche sich von den Vorfällen in anderen Institutionen unterscheidet.

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