Scharfe Kritik an Demo-Absage der Ditib

Wenn am Wochenende tausende Muslime gegen den Terror demonstrieren, wird ausgerechnet einer der größten Verbände fehlen: die türkische Ditib. Das sorgt für empörte Reaktionen - auch bei Katholiken.

Islam | Köln - 16.06.2017

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat den türkischen Ditib-Verband wegen seiner Absage an der geplanten Anti-Terror-Demonstration in Köln hart kritisiert. Der Verband stelle sich damit "noch weiter ins Abseits und droht vollends seine Glaubwürdigkeit zu verspielen", sagte Özoguz den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" (Freitag). Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüße es sehr, dass die Veranstalter der Demonstration ein Signal gegen Gewalt und Terror setzen wollen. "Das Ditib nicht teilnehmen will, ist einfach nur schade", so Seibert.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sagte: "Ditib tut sich mit der Absage keinen Gefallen." Sie forderte, in Zukunft einen stärkeren Dialog mit nicht-religiösen Migrantenverbänden zu führen. "Sie müssen wir stärken und ganz selbstverständlich als Teil unserer Zivilgesellschaft verstehen", so Barley. Auch der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, übte Kritik. "Ich bedauere sehr, dass der größte Islamverband Deutschlands sich nicht an den Friedensmärschen beteiligt", sagte er der "Berliner Zeitung". Für die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen ist die Absage der Ditib zwar "falsch, aber folgerichtig". Der Moscheeverband werde von der Regierung in Ankara gesteuert und finanziert, die auch Terrormilizen in Syrien mit Waffenlieferungen unterstütze.

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"NichtMitUns - Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror": Unter diesem Motto wollen 10.000 Teilnehmer am Wochenende in Köln für den Frieden demonstrieren. Dafür gibt es auch katholische Unterstützung.

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Der Mitinitiator der Demonstration, Tarek Mohamad, bedauerte die Ditib-Absage. "Wenn man in einer gewaltfreien Demonstration, die sich ganz explizit gegen den Terror richtet, 'keinen Sinn sieht', ist es schon mehr oder weniger ein Armutszeugnis. Wir sind recht enttäuscht über die Entscheidung der Ditib und hätten es natürlich auch sehr begrüßt, wenn sie dort aufgekreuzt wären", sagte Mohamad im ARD-Morgenmagazin.

Sternberg spricht von "verheerendem Zeichen"

Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, kritisierte die Entscheidung der Ditib. "Auch wenn es stimmt, dass sich die Ditib immer wieder von Terrortaten distanziert und diese verurteilt hat, ist die Absage gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Situation ein verheerendes Zeichen", so Sternberg. Zu der Kundgebung am Samstag haben prominente Muslime aufgerufen; sie steht unter dem Motto "Nicht mit uns". Zu den Initiatoren die liberale Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die die Ditib-Absage in der "taz" mit "Riesen-Chance vertan" enttäuscht kommentierte. Auch der Zentralrat der Muslime hat zur Teilnahme aufgerufen.

Neben der Ditib will auch der Deutsche Islamrat die Aktion nicht unterstützen. Eine Demonstration sei zwar öffentlichkeitswirksam, doch werde sie das Problem nicht in seinem Kern lösen, sagte der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, gegenüber dem Internetportal "Islamiq". In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Veranstaltungen gegen Gewalt, Unrecht und Rassismus gegeben. "Es dauert jedoch keine zwei Wochen, bis es dann wieder hieß: Die Muslime müssen sich noch entschlossener gegen den Terror äußern", so Kesici.

Der Generalsekretär des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib, Bekir Alboga, hat die Absage des islamischen Dachverbands bei einer Großdemonstration gegen Terrorismus in Köln verteidigt. «Ramadan ist für mich wie Weihnachten. Da gehen Sie doch auch nicht demonstrieren», sagte Alboga der "Bild"-Zeitung (Samstag). "In dieser Zeit stehen Spiritualität und Frömmigkeit im Vordergrund", so der Generalsekretär weiter.

Die Idee ist gut, der Plan schlecht

Alboga hingegen verwies als Begründung für die Absage auf den Fastenmonat Ramadan. "Am 22. Tag des Ramadan, an dem in Köln von 3:47 bis 21.55 Uhr gefastet, also nichts gegessen und getrunken wird, ist es den fastenden Muslimen schlichtweg nicht zumutbar, stundenlang in der prallen Mittagssonne bei 25 Grad zu marschieren und zu demonstrieren." Wenn trotzdem jemand demonstrieren wolle, werde der ihn nicht aufhalten. Weiter sagte Alboga: "Die Idee der Demonstration ist gut, aber schlecht geplant. Wir tragen nicht die Verantwortung für das, was Islamisten angerichtet haben." (KNA)

16.06.2017, 16:08 Uhr: ergänzt um Stellungnahme Bekir Alboga

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