EKD-Debatte

Schneider verteidigt Familienpapier

Debatte über Familienpapier der evangelischen Kirche geht weiter

Berlin - 29.09.2013

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat das EKD-Familienpapier verteidigt. Bei einer Diskussionsveranstaltung zu der umstrittenen Orientierungshilfe am Wochenende in Berlin sagte Schneider, die Auseinandersetzung mit den Fragen um Ehe und Familie sei gesellschaftlich "dran".

Beispielhaft verwies der EKD-Ratsvorsitzende auf die Diskussionen um das Betreuungsgeld oder die Familienzeit sowie die Entscheidungen des Verfassungsgerichts zu Ehegattensplitting und der sogenannten Sukzessiv-Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

Mit Blick auf die teilweise harsche Kritik an dem Text erklärte Schneider: "Ein kritischer - auch selbstkritischer - Diskurs über ethische Orientierungshilfen in existenziellen Fragen steht dem Protestantismus gut an." Die evangelische Kirche brauche eine "Neubesinnung und Fundierung mit den neuen vielfältigen Formen von Familie". Deswegen werde das Papier auf der Anfang November in Düsseldorf stattfindenden EKD-Synode eine zentrale Rolle spielen. Ob die Orientierungshilfe zu einer Denkschrift erweitert werde, sei noch völlig offen, sagte Schneider der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gleichzeitig bestätigte er, dass mit der ebenfalls geplanten Orientierungshilfe zur Sexualität vorerst nicht mehr zu rechnen sei.

Mängel in der theologischen Begründung

Zu dem vierstündigen Symposium kamen etwa 150 Zuhörer in die Französische Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt. Auf dem Podium saßen außer Schneider der Vorsitzende der Theologischen Kammer der EKD, Christoph Markschies, der das Gespräch leitete, sowie die Neutestamentler Christine Gerber (Hamburg) und Friedrich Wilhelm Horn (Mainz), ferner die systematischen Theologen Wilfried Härle und Klaus Tanner (beide Heidelberg).

Alle Referenten beklagten Mängel in der theologischen Begründung. So sagte Markschies, dass die theologische Bedeutung der Ehe in der allgemeinen Debatte der evangelischen Kirche, "mehr vorausgesetzt und behauptet, denn wirklich begründet wird". Die Hamburger Neutestamentlerin Gerber betonte, das christliche Verständnis von Lebensformen habe sich längst gegenüber den ja auch nicht einhelligen Konzepten von Ehe und Familie in der Bibel verändert.

Gegen biblische Vorgaben

Der Mainzer Neutestamentler Horn hingegen widersprach hingegen der Annahme der Orientierungshilfe, das Neue Testament kenne andere familiäre Lebensformen als die der Ehe. Er selber bejahe zwar das Recht auf homosexuelle Lebenspartnerschaften. Diese Position stehe aber "klar gegen biblische Vorgaben". Der Heidelberger Dogmatiker Wilfried Härle wertete die Orientierungshilfe als Anstoß für weitere Diskussionen. Da sie keine Denkschrift sei, müsse sie auch nicht zurückgenommen werden. Allerdings gelte es, entstandene Missverständnisse zu klären.

Die im Juni veröffentlichte "Orientierungshilfe" geht von einem "erweiterten Familienbegriff" aus. Er umfasst auch Patchwork-Lebensgemeinschaften und homosexuelle Paare. Dies löste eine heftige innerprotestantische Diskussion und deutliche Kritik von anderen Kirchen aus. Zuletzt sprach sich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag) der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, dagegen aus, dass Papier zurückzuziehen oder zu ändern. Stattdessen könne er sich vorstellen, dass eine neue Kommission damit beauftragt werde, einen erweiterten Text zu erstellen. "Wir kennen in der evangelischen Kirche keine Dekrete, wir wollen die Diskurse."

Weitere Informationen

Die katholische Kirche hat mit Ablehnung auf das Familienpapier der EKD reagiert. Lesen Sie hier einige Reaktionen deutscher Oberhirten: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Die deutschen Bischöfe sind sehr besorgt" Bischof Felix Genn: "Ein richter Riss"

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