Schönborn versteht Wunsch nach islamischem Europa

Nicht den Muslimen dürfe man es vorwerfen, wenn Europa immer weniger christlich werde, meint der Wiener Kardinal Schönborn. Schuld daran habe vielmehr etwas, das für viele Menschen zum Alltag gehört.

Religionen | Wien - 01.01.2017

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn nimmt Muslimen den Wunsch nach einem islamischen Europa nicht übel. Das sei nicht sein Problem, sagte der Kardinal am Sonntag der österreichischen Zeitung "Krone". Auch er wünsche sich, "dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war, oder Nordafrika, das einmal zur Gänze christianisiert war". Dass Religionen miteinander in Konkurrenz stünden, sei so alt wie die Welt.

Den Muslimen die "Schuld" an einer möglichen Islamisierung Europas zu geben, halte er für unangebracht. Die Bevölkerung müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug für den Erhalt eines christlichen Europas zu tun, so der Geistliche. Wenn etwa in Holland Kirchen zu Supermärkten umgewandelt würden und der Konsum an die Stelle der christlichen Wurzeln Europas trete, "dürfen wir uns nicht wundern, dass Europa sich entchristlicht". "Wenn wir sehen, dass die Moscheen gut besucht sind und die Kirchen schlecht besucht sind, dann dürfen wir nicht den Muslimen den Vorwurf machen, dass sie Europa islamisieren wollen."

Geduld für kulturelle Differenzen

Die kulturellen Differenzen zwischen einem aufgeklärten Europa und muslimischer Lebensweise forderten zur Geduld heraus. Er vertraue darauf, "dass sich in der islamischen Welt auch etwas ändert, da sehe ich ein großes Potenzial", so Schönborn weiter. Angesichts von Terrorakten forderte er von der muslimischen Glaubensgemeinschaft eine klare Distanzierung ein. Das sei in Österreich bislang nur zum Teil geschehen. (KNA)

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