Schüller: Bischöfe könnten Papier trotzdem veröffentlichen

Papst Franziskus sagt: Die deutsche Eucharistie-Handreichung ist nicht reif für eine Veröffentlichung. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller antwortet: Die Bischöfe könnten es trotzdem tun.

Eucharistie | Münster/Bonn - 05.06.2018

Die deutschen Bischöfe sollten nach Meinung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller in ihrem Konflikt mit dem Papst nicht klein beigeben. "Es wird jetzt entscheidend darauf ankommen, was die deutschen Bischöfe tun werden, allen voran Kardinal Marx", sagte der Münsteraner Theologe am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Die Bischöfe könnten ihr Papier einfach trotzdem beschließen. Sie könnten sagen: Wir haben hier in Deutschland eine besondere Situation mit den 40 Prozent konfessionsverschiedenen Ehen, wir machen das jetzt." Eine solche "Zurückweisung" einer Vorgabe aus Rom habe es in der Kirchengeschichte öfters gegeben. "Natürlich muss man mutig dafür sein", sagte Schüller.

Die Bischöfe hatten sich im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit auf die Handreichung geeinigt, wonach nicht-katholische Ehepartner im Einzelfall zur Kommunion zugelassen werden können. Sieben Bischöfe mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze baten daraufhin schriftlich den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung überhaupt von einer einzelnen Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Der Vatikan verwies den Konflikt Anfang Mai zunächst an die deutschen Bischöfe zurück. Am Montag hatte der Papst die Debatte dann überraschend fürs Erste beendet.

Schüller: Pastorale Mitarbeiter weiterhin ungeschützt

Nun seien alle Priester und pastoralen Mitarbeiter, die sich in der Praxis über das offizielle Kommunion-Verbot für Protestanten hinwegsetzten, weiterhin ungeschützt, sagte Schüller. "So kann doch keine vertrauenswürdige Seelsorge geschehen."

Bereits am Montag hatte der Kirchenrechtler die Entscheidung des Papstes als einen "Rückschritt für die Ökumene" bezeichnet. "Wir Deutschen sind mal wieder gescheitert mit dem Ansinnen, etwas zu klären", sagte Schüller. Die Botschaft des Papstes sei im Grunde: "Lasst viel zu - aber fragt mich nicht! Denn dann müssen wir es offiziell machen." Es zeige sich nun: "Der Papst ist doch zentralistischer und ängstlicher, als manch einer geglaubt hat." Kardinal Marx sei nunmehr kirchenpolitisch "beschädigt".

Bischof Oster feiert einen Gottesdienst.
Bischof Stefan Oster sieht das Schreiben aus dem Vatikan zum Kommunionempfang für nicht-katholische Ehepartner als eine Aufforderung, "weiterhin gemeinsam und möglichst einmütig nach Wegen zu suchen, wie wir in der Ökumene vorankommen".
 katholisch.de

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte sich am Montagabend von dem Schreiben aus dem Vatikan überrascht gezeigt. Den deutschen Bischöfen sei Anfang Mai aufgetragen worden, dass sie "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung" finden sollten. "Dass noch vor dem Finden einer solchen einmütigen Regelung jetzt dieses Schreiben aus Rom eingegangen ist", habe ihn daher verwundert. Marx sieht jedoch auch weiterhin Gesprächsbedarf innerhalb der Bischofskonferenz, "vor allem auch im Ständigen Rat und in der Herbst-Vollversammlung, aber auch mit den entsprechenden Römischen Dikasterien und dem Heiligen Vater selbst".

kfd: Aufruf zur Gewissensentscheidung

Für Passaus Bischof Stefan Oster ist das jüngste Schreiben aus dem Vatikan eine Aufforderung, "weiterhin gemeinsam und möglichst einmütig nach Wegen zu suchen, wie wir in der Ökumene vorankommen". Denn das sei "allen ja ein bleibendes Anliegen und Verpflichtung", sagte er am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Für ihn sei der Brief klärend vor allem im Blick auf die weltkirchliche Relevanz des Themas. Oster war einer der sieben Diözesanbischöfe, die sich an den Vatikan gewandt hatten.

Unterdessen ermutigt die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) die konfessionsverschiedenen Paare zum Kommunionempfang nach einer Gewissensentscheidung. "Sie geben so ihrer Sehnsucht nach Eucharistiegemeinschaft Ausdruck und leben bereits teilweise die Vision von einer Einheit der Kirche in versöhnter Verschiedenheit", heißt es in einer Stellungnahme vom Dienstag. Die pastorale Praxis vor Ort habe "die Erlaubnis- bzw. Verbotsdiskussion des Lehramtes längst eingeholt", sagt die Bundesvorsitzende Mechthild Heil. Das Verbot sei für viele Paare nicht nachvollziehbar. Oft suchten sie daher eine private Lösung. "Unsere Vision ist deshalb die baldige Verwirklichung gegenseitiger Gastfreundschaft in Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft, wo sie noch nicht besteht", so Heil. (bod/dpa/KNA)

05.06.2018, 14.50 Uhr: ergänzt um die Aussagen von Bischof Oster
05.06.2018, 15.20 Uhr: ergänzt um das Statement der kfd

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