Schweineblutbad

Ein satirischer Wochenrückblick von Alexander Brüggemann

War's das? | Bonn - 19.08.2017

Fast auf den Tag genau vor 250 Jahren wurde einer geboren, der die Welt noch romantisch fand. August Wilhelm Schlegel (1767-1845), einer der größten Gelehrten seiner Zeit, übersetzte mit sprachlicher Wucht den englischen Dichterfürsten Shakespeare. Von ihm stammt das wichtige Hamlet-Zitat: "Wahnsinn bei Großen darf nicht ohne Wache gehen." (Madness in great ones must not unwatched go.)

Donald Trump hat die Welt zu seinem Rummelplatz gemacht. Und das Karussell scheint sich immer schneller zu drehen. Hier wieder dabei sein, immer dabei sein – die nächste Fahrt geht rückwärts! Der US-Präsident bringt es fertig, mit Nordkorea und Venezuela binnen kürzester Zeit Ländern auf zwei Kontinenten gleichzeitig mit Krieg zu drohen - und die USA in Richtung eines Bürgerkriegs zu steuern.

Die Welt reibt sich ungläubig die Augen: Hätte man gedacht, dass einmal ein US-Präsident nicht klar und deutlich Rechtsextremismus verurteilt, wenn bewaffnete Neonazis mit Hitlergruß aufmarschieren und eine Rückeroberung "ihres" Landes ausrufen? Nun, es handelt sich um einen US-Präsidenten, der selbst "Feuer und Zorn" wie nie zuvor in Aussicht stellt und die Waffen für entsichert erklärt. Man müsste lachen über solchen Cäsarenwahn, wäre es nicht so bitter ernst.

Wie sehr das politische Klima bereits vergiftet ist, zeigt der Facebook-Post der demokratischen US-Senatorin Maria Chappelle-Nadal aus Missouri. Sie schrieb: "Ich hoffe, Trump wird ermordet." Wer sich als Politikerin so unverantwortlich äußert, und sei es aus berechtigter Empörung, hat allerdings seinerseits den Schuss nicht gehört – und macht alles nur noch viel schlimmer.

Seine eigenen Kommunikations- und sonstigen Desaster übertüncht Trump, gewollt oder ungewollt, oft mit Personalien. Nun soll nach dem Kurzzeitlautsprecher Tony Scaramucci das 28-jährige Ralph-Lauren-Model  Hope Hicks als Interims-Kommunikationsdirektorin den Präsidentenkarren aus dem Morast ziehen. Eine feine Aufgabe – zumal wenn der wichtigste Mann der Welt gleich am zweiten Tag nach ihrer Ernennung den nächsten Bock schießt, indem er via Twitter erwiesene historische Fake News verbreitet über ein angebliches Vorgehen des US-General John Pershing (1860-1948) gegen islamische Freischärler auf den Philippinen. Gewehrkugeln in Schweineblut getaucht – das ist heute das rhetorische Niveau der Weltmacht USA im Umgang mit dem Islamismus.

Unterdessen kann Osama bin Laden in seinem Grab im Arabischen Meer triumphieren. Der 11. September 2001 ist nun endgültig als Umgangsform etabliert. Um mit einem Geländewagen oder Bulli in eine Menschenmenge zu rasen, braucht es keine aufwendige Pilotenausbildung. Guten Morgen, freies Europa. So schmeckt der Terror der neuen Generation: Jeder ist ein mögliches Opfer – fast überall.

Von Alexander Brüggemann

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