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"Sie sind wie wir"

Christ sein ist gefährlich, in manchen Ländern sogar lebensgefährlich. Ob Nordkorea, Saudi-Arabien, Sudan oder China - wohl nie zuvor wurden so viele Christen diskriminiert, bedroht und verfolgt wie im Jahr 2014. Nach Schätzungen des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" sind derzeit bis zu 100 Millionen Christen weltweit von Repressionen betroffen.

Christenverfolgung | Berlin/Illertissen - 10.10.2014

Christ sein ist gefährlich, in manchen Ländern sogar lebensgefährlich. Ob Nordkorea, Saudi-Arabien, Sudan oder China - wohl nie zuvor wurden so viele Christen diskriminiert, bedroht und verfolgt wie im Jahr 2014. Nach Schätzungen des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" sind derzeit bis zu 100 Millionen Christen weltweit von Repressionen betroffen.

Ein Zustand, den eine Gruppe von Schülern aus dem bayerischen Illertissen nicht länger widerspruchslos hinnehmen wollte. Im Frühjahr gründeten die 16 Jugendlichen aus der 11. Klasse des Gymnasiums "Kolleg der Schulbrüder" mit ihrem Religionslehrer Pater Christian Hamberger die Solidaritätsaktion "Sie sind wie wir" . Ziel der in einem Projektseminar entwickelten Aktion ist es, auf das Schicksal verfolgter Christen hinzuweisen, sich an die Seite der Betroffenen zu stellen und die Religionsfreiheit vor allem unter Jugendlichen stärker zum Thema zu machen.

Kern des Projekts war in den vergangenen Monaten unter anderem eine Petition, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert wird, sich stärker für Religionsfreiheit einzusetzen. Wörtlich heißt es in dem Papier: "Leider scheint in letzter Zeit die Verfolgung einen Höhepunkt erreicht zu haben. Die Prognosen sind für viele unserer Glaubensschwestern und -brüder verheerend. Deshalb bitten wir Sie als deutsche Bundeskanzlerin, sich für das Menschenrecht Religionsfreiheit auf internationaler Ebene, insbesondere in den Gremien der EU und der UNO, stark zu machen, um dadurch zu erreichen, dass christliche und andere religiöse Minderheiten in Frieden und Freiheit leben und glauben können."

Mehr als 10.000 Unterschriften für Religionsfreiheit

Ein Appell, der auf fruchtbaren Boden fiel: Mehr als 10.000 Unterschriften konnten die Schüler in Schulen und Pfarrgemeinden sammeln - ein beeindruckendes Ergebnis jugendlichen Engagements. In dieser Woche übergaben die Jungen und Mädchen die Unterschriften in Berlin an die Politik. Da Bundeskanzlerin Merkel jedoch generell keine Petitionen entgegen nimmt, nahm der Stephanuskreis die Unterschriften in Empfang. Der Kreis versteht sich als überkonfessionelles Gesprächsforum innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der nach eigenen Worten für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um verfolgte Christen in aller Welt kümmert.

Der Vorsitzende des Gesprächsforums, der Kölner Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte , sagte bei dem Treffen, die Bedeutung der Religionsfreiheit könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn überall dort, wo die religiösen Rechte von Minderheiten eingegrenzt würden, seien auch andere Menschenrechte beschnitten - etwa die Pressefreiheit oder das Recht auf freie Meinungsäußerung. "Das Thema geht uns alle an! Umso wichtiger ist es, dass jeder von uns sich immer wieder fragt: Was tun wir eigentlich?" Die Schüler seien dabei vorbildhaft vorangegangen.

Auch der kirchen- und religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Franz Josef Jung , bedankte sich bei den Jugendlichen für ihren Einsatz. Er betonte, wenn einer Gesellschaft die Bedeutung des Themas Religionsfreiheit stärker bewusst werde, finde sich auch eine breitere Basis für die Politiker, zu handeln. "Wir sind dazu verpflichtet, uns auf Grundlage unserer Wertvorstellungen zu engagieren. Nur so haben wir die Chance, Religionsfreiheit auch in anderen Teilen der Erde Wirklichkeit werden zu lassen", so Jung.

"Echte Begeisterung für jugendliches Engagement"

Religionslehrer Hamberger zeigte sich dankbar für das Treffen mit der Politik: "Bei den Abgeordneten war eine echte Begeisterung für den Einsatz der Jugendlichen da", so Hamberger am Donnerstag gegenüber katholisch.de. Eineinhalb Stunden habe das Treffen gedauert, bei dem die Schüler auch über ihre Erfahrungen mit dem Thema Religionsfreiheit gesprochen hätten. Unter anderem hatten die Jugendlichen im Rahmen des Projekts Informationsveranstaltungen zum Thema Religionsfreiheit besucht und Gespräche mit Experten geführt. Ein Höhepunkt war außerdem der Besuch einer Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan, bei der ein Schüler der Illertissener Gruppe dem Kirchenoberhaupt das Solidaritätsprojekt vorstellen konnte.

Die Übergabe der Unterschriften war laut Hamberger nun der Abschluss des Solidaritätsprojekts. "Die beteiligten Schüler gehen nun auf das Abitur zu, aber ich hoffe natürlich, dass sie durch das Projekt den Wert gesellschaftlichen Engagements kennengelernt haben", betont der Prämonstratenserpater.

Von Steffen Zimmermann

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