Sieben Frauen: Gleichberechtigung im Hochgebet

Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia und Anastasia: Sie alle werden als Märtyrinnen im Hochgebet der Eucharistiefeier angerufen. Doch wer sind eigentlich diese sieben heiligen Frauen?

Liturgie | Bonn - 08.03.2018

Sieben weibliche Märtyrerinnen im Hochgebet? Wo denn? Tatsächlich ist die Nennung dieser Heiligen optional und wird kaum noch praktiziert. Und das, obwohl ihre Nennung schon seit dem 7. Jahrhundert für "Gleichstellung" zwischen Männern und Frauen sorgt. Im I. Hochgebet, dem Canon Missae oder Canon Romanus, finden sie sich traditionell nach der Wandlung im Rahmen der Eucharistiefeier. Die exakten Worte lauten:

"Auch uns, deinen sündigen Dienern, die auf deine reiche Barmherzigkeit hoffen, gib Anteil und Gemeinschaft mit deinen heiligen Aposteln und Märtyrern: Johannes, Stephanus, Matthias, Barnabas (Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, Luzia, Agnes, Cäcilia, Anastasia) und mit allen deinen Heiligen; wäge nicht unser Verdienst, sondern schenke gnädig Verzeihung und gib uns mit ihnen das Erbe des Himmels. Darum bitten wir dich durch unseren Herrn Jesus Christus."

Bis zur Liturgiereform 1970 wurde der Canon Romanus vom Priester still gebetet. Bis dahin war er auch das einzige Hochgebet im "Missale Romanum", dem Messbuch für den römischen Ritus. Das heutige Messbuch, das nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) üblich wurde, beinhaltet vier Hochgebete zur Auswahl. Seit der 3. Ausgabe aus dem Jahr 2002 gibt es Hinweise, wann welches Hochgebet besonders geeignet ist. Die Heiligen, die nicht zwingend genannt werden müssen, sind mittlerweile selten zu hören. Auffällig ist, dass sich die Geschichten ihrer Martyrien, die laut Legende überliefert wurden, sehr ähnlich sind.

Felicitas und Perpetua

Die heilige Felicitas lebte im dritten Jahrhundert als Sklavin Karthago, im heutigen Tunesien. Am 7. März 202 starb sie gemeinsam mit ihrer Herrin Perpetua den Märtyrertod. Sie wurden verhaftet, weil sie sich auf die Taufe vorbereiteten. Mit ihnen kam auch Perpetuas einjähriger Sohn ins Gefängnis. Der Vater von Perpetua versuchte sie mit Gewalt, später mit Bitten, vom Christentum abzuhalten. Doch noch im Gefängnis empfingen Felicitas und Perpetua die Taufe. Felicitas brachte in Gefangenschaft eine Tochter zur Welt, die später von einer christlichen Familie aufgezogen wurde.

Sie wurden gefoltert und dann von Kaiser Septimius Severus bei einer Vorführung wilden Tieren vorgeworfen. Aber Felicitas und Perpetua überlebten. Die "Regeln" sahen vor, dass Überlebende erstochen werden sollten. Der Legende nach soll sich Perpetua schwer verletzt noch die Haare geordnet haben. Sie schritt erhobenen Hauptes zum Henker und half ihm, ihre Kehle zu durchbohren. Felicitas und Perpetua gehören zu den ersten Märtyrerinnen des Christentums. Ihre Geschichte soll von Perpetua selbst und durch Augenzeugen überliefert worden sein. Ihre Reliquien liegen heute in der Kirche St. Pater und Paul in Bochum, ihr Gedenktag ist der 7. März.

Die Märtyrerinnen Felicitas und Perpetua starben im dritten Jahrhundert.
 Propstei Bochum

Agatha

Die Geschichte der heiligen Agatha ist eine grausame und leidvolle. Geboren im Jahr 225 im sizilianischen Catania starb sie bereits am 5. Februar 250 dort einen schmerzvollen Tod. Der Statthalter Quintianus wollte die adelige und wohlhabende Jungfrau heiraten. Agatha wies ihn ab – sie war Christin, eine Braut Christi. Daraufhin ging er auf Grundlage des Christenverfolgungsgesetzes aus gekränktem Stolz gegen sie vor. Er  verhaftete sie und ließ sie in ein Bordell bringen. Doch selbst dort konnte der Legende nach niemand ihrer Unschuld etwas anhaben.

Ihr Widerstand sollte nun mit Gewalt gebrochen werden: Agathas Hände wurden an einen Balken gehängt, ihre Brüste mit einer Zange zerrissen, gebrannt und abgeschnitten. Petrus selbst soll in der Nacht darauf erschienen sein und ihr heilenden Balsam gegeben haben. Damit waren allerdings ihre Qualen nicht vorbei. Am folgenden Tag wurde sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen geworfen. Sie starb schließlich im Gefängnis an ihren Verletzungen. Heute gilt Agatha als die Schutzheilige von Catania. Dort wird ab dem 3. Februar ein dreitägiges Straßenfest ihr zu Ehren gefeiert. Ihr Gedenktag ist der 5. Februar.

Lucia

Ende des 3. Jahrhunderts wurde die heilige Lucia in Syrakus auf Sizilien geboren. Laut Legende versprach sie schon als Kind die Jungfräulichkeit, die im frühen Christentum einen besonders hohen Stellenwert hatte. Ihre Mutter suchte dennoch einen Ehemann aus wohlhabendem Haus. Doch Lucia zögerte die Verlobung hinaus. Als ihre Mutter schwer krank wurde, überredete Lucia sie zu einer gemeinsamen Wallfahrt ans Grab der heiligen Agatha in Catania. Ein Gebet dort heilte die Mutter, die daraufhin ebenfalls Christin wurde.  Sie versprach ihrer Tochter, nicht heiraten zu müssen. Daraufhin erschien Agatha Lucia im Traum und sagte ihr ein ähnliches Martyrium voraus. Gleichzeitig bestärkte sie Lucia in ihrem Glauben.

Lucias Mutter versprach ihr, nicht heiraten zu müssen. Die reiche Familie baute eine Armen- und Krankenstation auf und Lucia brachte den anderen Christen Lebensmittel in ihre Verstecke. Es heißt, dass sie einen Lichterkranz auf ihrem Kopf trug, um beide Hände frei zu haben. Lucia löste auch ihre angedachte Verlobung – ganz gegen den Willen des Bräutigams. Er zeigte Lucia beim Statthalter als Christin an. Sie sollte in ein Bordell gebracht werden, doch das Gespann, auf dem Lucia lag, ließ sich nicht bewegen. Sie wurde noch an Ort und Stelle erstochen, im Todeskampf betete sie. Erst nachdem ihr Bischof Eutychius die Eucharistie gereicht habe, soll sie gestorben sein. Ihr Gedenktag ist der 13. Dezember. Sie wird besonders in Schweden verehrt.

Statue der heilige Lucia mit einem Palmzweig.
Die heilige Lucia erlitt wahrscheinlich am 13. Dezember 304 in der Verfolgung des Diokletian das Martyrium.
 KNA

Agnes

Agnes gilt als Kind-Märtyrerin, die bereits im Alter von zwölf Jahren für ihren Glauben starb. In diesem Alter wollte sich der Sohn des Stadtpräfekten von Rom mit ihr verloben. Sie aber verneinte mit der Begründung, dass sie bereits mit Jesus verlobt sei. Es heißt, sie wurde daraufhin in ein Bordell gebracht, weil sich der Sohn des Statthalters dort an ihr vergehen wollte. Doch er fiel in diesem Moment tot um. Agnes erweckte ihn durch ihr Gebet wieder zum Leben.

Er klagte sie deshalb als Zauberin an. Daraufhin sollte Agnes im Stadion des Domitian verbrannt werden, doch die Flammen wichen vor ihr zurück. Sie wurde schließlich durch einen Dolchstoß in den Hals getötet, wie ein Lamm. In Darstellungen ist ihr deshalb oft das Tier zugeordnet, in Anspielung auf den Opfertod Jesu. Heute befindet sich an ihrem Todesort die Basilika San't Agnes in Agone an der Piazza Navona in Rom, die Titelkirche von Kardinal Gerhard Ludwig Müller. An ihrem Festtag, dem 21. Januar, werden heute auf dem Altar der Kirche "Sant'Agnese fuori le mura" über den Katakomben – ihrem Grab – zwei Schafe geweiht, aus deren Wolle das Pallium für die Erzbischöfe hergestellt wird.

Cäcilia

Die adelige Römerin Cäcilia soll um das Jahr 200 geboren sein. Auch sie fühlte sich schon früh Christus zugehörig und ließ sich heimlich taufen. Ihre Eltern aber zwangen sie, einen Heiden, Valerian, zu heiraten. Dieser erlaubte ihr, Jungfrau zu bleiben, wenn er den Engel sehen dürfe, von dem sie immer sprach. Cäcilia schickte Valerian zu Bischof Urban I., wo Valerian der Heilige Geist erschien. Er ließ sich daraufhin von Urban taufen. Valerian und sein Bruder, der durch Cäcilia bekehrt wurde, beerdigten heimlich die hingerichteten Christen. Sie wurden gefangen genommen und enthauptet.

Cäcilia begrub daraufhin die Männer, wurde bedroht und schließlich in ein kochendes Bad geworfen. Doch sie fühlte keine Schmerzen. Sie sollte enthauptet werden, doch dem Henker gelang es nicht, ihr den Kopf abzuschlagen. Schwer verletzt soll sie drei Tage weitergelebt und ihr Eigentum den Armen vermacht haben. Ihr Erbe wurde Urban I., der sie in den Katakomben bestattete. An der Stelle ihres Hauses steht heute die Basilika Santa Cecilia in Trastevere. Sie ist heute die Patronin der Musik. Es heißt, dass bei ihrer Hochzeit Instrumente ertönten und Geigen sangen.

Die Heilige Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, auf einem Gewölbegemälde in Albi (Frankreich).
 dpa/Michel Escourbiac

Anastasia

Die heilige Anastasia wurde Mitte des 3. Jahrhunderts im heutigen Serbien geboren. Gegen ihren Willen wurde sie verheiratet. In ihrer Ehe soll sie geschlagen und gefoltert worden sein. Nach seinem Tod soll sie Christen im Gefängnis geholfen haben. Man nahm sie fest, folterte sie, fesselte sie auf ein Schiffswrack und schickte sie auf das offene Meer: Sie sollte ertrinken. Doch das Boot ging nicht unter. Daraufhin wurde sie auf einem Scheiterhaufen verbrannt.

In Rom war Anastasia bis zum Ende des 5. Jahrhunderts noch nicht bekannt. Erst Mitte des 6. Jahrhunderts ist dort eine Kirche, die Anastasia gewidmet war, am Fuß des Palatin geweiht worden. Bis heute sollen dort ihre Reliquien liegen. Dort entstand im 6. Jahrhundert eine andere Legende, die Anastasia als Schwester des Kaisers Konstantin sieht.

Von Julia Martin

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