"Signal der Öffnung"

Anerkennung für Homosexuelle und Wiederverheiratete oder lieber mehr Familienfreundlichkeit? Vier deutsche Politiker verraten, was sie sich von der Bischofssynode erhoffen. Für Wolfgang Thierse (SPD) ist klar, dass es keine schnelle Lösung geben kann. "Das ist zu ertragen", schreibt der ehemalige Bundestagspräsident im katholisch.de-Standpunkt. Für die Zeit-Beilage "Christ und Welt" verfassten Monika Grütters und Julia Klöckner (beide CDU) sowie Bodo Ramelow (Linke) Gastbeiträge zur Familiensynode.

Familiensynode | Bonn - 09.10.2014

Anerkennung für Homosexuelle und Wiederverheiratete oder lieber mehr Familienfreundlichkeit? Vier deutsche Politiker verraten, was sie sich von der Bischofssynode erhoffen. Für Wolfgang Thierse (SPD) ist klar, dass es keine schnelle Lösung geben kann. "Das ist zu ertragen", schreibt der ehemalige Bundestagspräsident im katholisch.de-Standpunkt. Für die Zeit-Beilage "Christ und Welt" verfassten Monika Grütters und Julia Klöckner (beide CDU) sowie Bodo Ramelow (Linke) Gastbeiträge zur Familiensynode.

Ramelow, der mögliche nächste Ministerpräsident von Thüringen, bekennt sich als evangelischer Christ dazu, von Papst Franziskus beeindruckt zu sein. Durch Äußerungen und Gesten habe dieser wichtige Reformen in Gang gesetzt. "Es ist immer wieder zu spüren, wie sehr ihn die Lebenswelt der Gläubigen beschäftigt", so Ramelow. Die Parteienpolitik in Deutschland bezeichnet er als "Peanuts" im Vergleich zur Weltkirche, einer "Organisation von ungeheurem Ausmaß".

Ramelow glaubt an gemeinsames Abendmahl

Dennoch hat er aus seinem Politiker-Alltag heraus einen Tipp: Klare Sprache und offene Argumentation helfen, "am Ende ein gegenseitiges Verständnis zu entwickeln und auch als Unterlegener die Entscheidung akzeptieren zu können." Franziskus stehe zwar für eine Kirche der offenen Türen, aber ob das zur Zulassung von Wiederverheirateten zur Kommunion führt, wisse er nicht, schreibt der Linken-Politiker. Er sei jedoch überzeugt, "dass es ein Signal der Öffnung geben wird". Weiter glaube er daran, dass eines Tages ein gemeinsames Abendmahl zwischen Katholiken und Protestanten möglich sein wird.

Monika Grütters (CDU) ist Staatsministerin für Kultur und Medien.
 Christof Rieken

"Die katholische Kirche tut gut daran, Glaubenswahrheiten nicht voreilig aus Gründen gesellschaftlicher Akzeptanz zur Disposition zu stellen," schreibt Grütters. Die Staatsministerin für Kultur und Medien warnt aber auch davor, die Augen vor der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu verschließen und fordert Reformen für einen toleranten Umgang mit Wiederverheirateten und für das Diakonat der Frau. Ein moderneres Verständnis der Rolle der Frau sei existenziell für die Zukunft der Kirche, so Grütters.

Grütters: Wert der Ehe verteidigen

Dem Papst sei sie dankbar dafür, dass er Türen für wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle öffne, schreibt die CDU-Politikerin. Sie wünsche sich eine lebendige, offene und streitbare Kirche, deren Stimme in der Gesellschaft Gehör findet. "Dazu sollte sie den besonderen Wert der Ehe weiterhin verteidigen, aber auch die Bedürfnisse derer ernst nehmen, die in den berühmten Patchworkfamilien Verantwortung füreinander übernehmen."

Klöckner, die stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, stimmte bereits das Arbeitspapier zur Bischofssynode zuversichtlich. Dort würden Gründe für die Krise der Kirche "offen angesprochen", etwa die wiederverheirateten Geschiedenen. Betroffene könnten nicht verstehen, warum ein Mörder, nicht aber sie als gescheiterte Eheleute zum Abendmahl zugelassen würden, schreibt sie bei "Christ und Welt". Sie dürften nicht zu "Christen zweiter Klasse" werden. Klöckner wünscht sich von der Kirche ein Bekenntnis zur Bedeutung der Ehe, "aber auch die Anerkennung, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Werte gelebt und Verantwortung füreinander übernommen werden".

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Bischöfe und Laien über ihre Erwartungen an die Familiensynode im Vatikan.
 katholisch.de

Als Stimme für Familienfreundlichkeit gefordert

Die Kirche solle nicht beliebig werden, denn das wäre ihr Ende, schreibt die Fraktionsvorsitzende der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag. "Ehe und Familie werden als Leitbild nicht überflüssig, wenn man auch andere Lebensweisen verständnisvoll im Blick hat." Vor allem fordert Klöckner aber eine "lautstarke Stimme" der Kirche mit Appellen an Wirtschaft und Politik, um eine familienfreundliche Arbeitswelt einzufordern. Sie solle Fragen stellen, auf Missstände hinweisen, gesellschaftliche Diskussionen bereichern und die jungen Menschen in ihrem Wunsch bestärken, "das Abenteuer Familie zu wagen".

Thierse betont hingegen, welche Lösung die Synode eben nicht bieten solle: "Aufgabe moralischer Ansprüche, Relativierung ethischer Normen ins Beliebige und einfach Praktizierte." Der SPD-Politiker bietet den Bischöfen aber an, von den Laien und deren Erfahrung mit Ehe, Familie und Sexualität zu lernen. Sehnsucht und Liebe, Lebensfreude und Barmherzigkeit machten Beziehungen aus, "als Ideal und als gelebte Wirklichkeit, die nicht immer das Ideal erreicht, aber es damit nicht überflüssig macht."

Von Agathe Lukassek

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