Silvester: Papst und Bischöfe verabschieden 2017

Zu Silvester haben Papst Franziskus und die deutschen Bischöfe auf das Jahr 2017 zurückgeblickt. Die Bischöfe setzten sich in ihren Predigten zudem mit kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen auseinander.

Silvester | Berlin - 01.01.2018

Papst Franziskus hat im Vatikan mit Dank, aber auch mit der Erinnerung an Gewalt und Unrecht das zu Ende gehende Jahr verabschiedet. Bei einem Gottesdienst zum Silvesterabend im Petersdom nannte das Kirchenoberhaupt Kriege das offenkundige Zeichen eines "wiederkehrenden und absurden Stolzes".

Auch andere "kleine und große Vergehen gegen das Leben, die Wahrheit und die Brüderlichkeit" trügen zu einem menschlichen, sozialen und ökologischen Niedergang bei. Dafür müssten alle Verantwortung vor Gott, den Mitmenschen und der Schöpfung übernehmen, so der Papst. Dank sei "die einzige menschliche Antwort auf das ungeheure Geschenk Gottes".

Marx: Europa zu einem Projekt des Friedens machen

Auch in Deutschland verabschiedete die katholische Kirche das Jahr 2017 mit Gottesdiensten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief die Christen auf, mitzuhelfen, Europa zu einem Projekt des Friedens zu machen. Auch wenn es darauf keine leichten Antworten gebe, dürfe das Projekt Europa nicht zerstört werden, sagte der Münchner Kardinal.

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Auf der ganzen Welt wird am 31. Dezember der Gedenktag eines bedeutenden Heiligen gefeiert: Papst Silvester I. gab dem Jahreswechsel seinen Namen. Der römische Bischof lebte in einer kirchengeschichtlich überaus bedeutsamen Zeit.

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Marx erinnerte daran, dass sich 2018 das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt: "Dieser schreckliche Krieg, indem Christen gegen Christen kämpften." Auch werde des Beginns des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren gedacht. Glaube und Religion dürften nie wieder benutzt und pervertiert werden, um andere zu beherrschen, sagte Marx. Das zu Ende gehende Jahr, in dem der Reformation vor 500 Jahren gedacht wurde, habe gezeigt, dass trotz einer belastenden Geschichte Christen beider Konfessionen gemeinsam Zeugnis für Christus ablegen könnten, sagte Marx.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verurteilte Abtreibungen in Deutschland und Gentechnik zur Veränderung des menschlichen Erbguts. Auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ging auf das ungeborene Leben ein. Diesem habe Gott bereits seine Zeit eingepflanzt. Alles Leben habe Gottes Zeit.

Genn blickt auf Katholikentag voraus

Münsters Bischof Felix Genn appellierte an Gläubige und Machthaber dieser Welt, für den Frieden einzutreten. Genn griff das Leitwort "Suche Frieden" des Deutschen Katholikentags auf, der im Mai in Münster stattfindet. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief dazu auf, vor dem Jahreswechsel Streit zu beenden.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa erinnerte die Gläubigen in seiner Predigt zum Jahresschluss daran, dass Gott allen Menschen immer wieder eine neue Chance gebe. Dies gelte insbesondere dann, wenn Menschen meinten, nach dem, was ihnen Schweres zugemutet worden sei und das sie hätten durchmachen müssen, sie jetzt nur noch auf Sinnlosigkeit hin leben könnten.

Bischof Gregor Maria Hanke, Bistum Eichstätt
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat an Silvester zu einer Stärkung der Familienpastoral in seiner Diözese aufgerufen.
 KNA

Eichstätts Oberhirte Gregor Maria Hanke rief zu einer Stärkung der Familienpastoral in seiner Diözese auf. Eine inhaltlich starke Familienpastoral sei in der Lage, "Menschen in Lebenssituationen des Scheiterns von Beziehungen und Menschen mit Brüchen zu begleiten und ihnen nahe zu sein." Dies sei ein Gebot der Stunde, da die Bedeutung der Ehe sowie des Ehesakramentes in der westlichen Welt vielfach nicht mehr verstanden werde. "Das Wesen der Ehe ist weit mehr als die Verantwortungsgemeinschaft zweier Personen", sagte Hanke im Hinblick auf die "Ehe für alle".

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf stellte sich in seiner Predigt vor Papst Franziskus. "Besonders im vergangenen Jahr musste der Papst viele Anfeindungen ertragen, die stärker als früher substanziell waren. Lautstarke Gruppen in der Kirche warfen dem Papst sogar Irrlehre vor, ein ungeheuerlicher Vorwurf."

Algermissen beklagt Mangel an Priesterberufungen

Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen beklagte in seiner Silvesterpredigt den Mangel an Priesterberufungen. Ein Priester könne nur durch einen anderen Priester ersetzt werden, und ohne ihn könne die Eucharistie als Herzstück der Kirche nicht gefeiert werden. "Ohne Eucharistie verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi. Kirche ohne Eucharistie ist ein Widerspruch in sich selbst", so Algermissen, der fragte, ob der Ruf Jesu Christi keine Antwort mehr finde oder die schwere Krise des Glaubens und des Vertrauens in Gesellschaft und Kirche junge Menschen davon abhalte, in der Berufung zum Priester ein erstrebenswertes Ziel zu sehen.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Vize-Vorsitzender der Bischofskonferenz, kritisierte "eine neue Kleinkariertheit" in Kirche und Gesellschaft. Auf eine komplexere Welt reagierten viele mit Schwarz-Weiß-Malerei oder einem Rückzug auf sich selbst. (stz/KNA)

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