Standesamtliche Heirat in Kirche steht infrage

Als Konsequenz aus dem Ja zur "Homo-Ehe" steht die in Irland bisher praktizierte standesamtliche Heirat in der Kirche auf dem Prüfstand. Der irische Erzbischof Eamon Martin sagte, er sehe keine Perspektive für Schließungen von "Homo-Ehen" in Kirchen.

Irland | Dublin - 01.06.2015

Die irischen Bischöfe denken über ein Aus der standesamtlichen Heirat in der Kirche nach. Als Konsequenz aus dem irischen Ja zur "Homo-Ehe" müsse die Bischofskonferenz in diesem Monat darüber entscheiden, ob der staatliche Teil der Zeremonie weiter von Priestern ausgeübt werden könne, sagte der irische Primas, Erzbischof Eamon Martin von Armagh, laut irischen Presseberichten (Montag).

Er selbst sehe bislang keine Perspektive für Schließungen gleichgeschlechtlicher Ehen in der Kirche. Die Kirche habe viel von der Debatte um das Referendum zu lernen, so Martin. Es brauche eine Rückbesinnung auf die Seelsorge von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und stigmatisiert werden; das gelte auch für Homosexuelle.

Auch müsse die Kirche Wege finden, verschiedene Arten von Familien und Beziehungen mit der christlichen Botschaft zu erreichen und gleichzeitig weiter für die Ehe zwischen Mann und Frau zu werben.

Volksentscheid über Gleichstellung der "Homo-Ehe"

Die Iren hatten vor einer Woche mit einer Mehrheit von 62 Prozent für die volle Legalisierung der "Homo-Ehe" gestimmt. Damit ist weltweit erstmals durch einen Volksentscheid die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der traditionellen Ehe eingeleitet.

Im Anschluss waren in Gesellschaft und Kirche eine Debatte über die "Homo-Ehe" entbrannt. Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitus YouGov vom Wochenende sind etwa zwei Drittel der Menschen in Deutschland dafür, dass auch homosexuelle Paare eine Ehe schließen dürfen. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wiesen Forderungen nach einer Öffnung der Ehe allerdings zurück.

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nannte das Ergebnis eine "Niederlage für die Menschheit". Für diese Formulierung steckte er viel Kritik ein - auch aus der Kirche. So sprach der Münchener Moraltheologe Konrad Hilpert von einer "allzu dramatischen Bewertung". (gho/KNA)

Linktipp: Ehe, Partnerschaft und der kleine Unterschied

Das katholische Irland hat Ja zur "Homo-Ehe" gesagt. Was bedeutet das jetzt für Deutschland? Umgehend kommt neue Bewegung in die Diskussion. Und auch in der katholischen Kirche sorgt das Thema im Vorfeld der Bischofssynode für lebhafte Debatten.

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