Sternberg will Kirchensteuergelder anders verteilen

In den Pfarreien findet das kirchliche Leben statt. Über die Verwendung von Kirchensteuergeldern wird dort aber nicht entschieden. Das muss sich ändern, sagt ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Kirchensteuer | Freiburg - 28.08.2017

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, will den Umgang mit Kirchensteuergeldern grundlegend reformieren. In einem Gastbeitrag für die September-Ausgabe der "Herder Korrespondenz" fordert er eine weitreichende Mitbestimmung der Pfarrgemeinden bei der Verwendung dieser Einnahmen. Von den rund 6 Milliarden Euro jährlich komme derzeit nur bis zur Hälfte tatsächlich den Pfarreien zugute. Zugleich kritisiert der ZdK-Vorsitzende die Verwendung von Kollekten-Geldern. "Warum in Zeiten einer systematisierten Kirchensteuer die im Gottesdienst eingesammelten Gaben ausgerechnet für Heizung und Kirchenschmuck verwendet werden müssen, bleibt theologisch gänzlich unverständlich."

Sternberg wirbt in seinem Artikel für eine Reform der Kirchenfinanzierung nach Schweizer Vorbild. Dort entschieden die Pfarreien über 85 Prozent der Kirchensteuermittel. Eine solche Regelung sei "sehr zu begrüßen", weil das kirchliche Leben in erster Linie in den Pfarreien stattfinde, so Sternberg. Außerdem entspreche sie dem Subsidiaritäts-Prinzip.

Sternberg: Mehr Geld für überdiözesane Aufgaben

Der ZdK-Vorsitzende kritisiert zudem ein Kirchturmdenken der katholischen Bistümer. Obwohl die Kirchensteuereinnahmen der Diözesen Rekordhöhen erreichten, seien diese immer weniger bereit, Geld für überdiözesane Einrichtungen und Projekte zur Verfügung zu stellen. So habe der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) seinen Etat um 20 Prozent senken müssen, während die Kirchensteuereinnahmen im gleichen Zeitraum um 20 Prozent gestiegen seien.

Zugleich fordert Sternberg eine offene Debatte über die sogenannten Staatsleistungen, die die Bistümer jährlich erhalten. Diese jährliche Kompensation für die Enteignung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts sei heute für "viele Menschen nicht mehr nachvollziehbar". Zwar gebe es in einigen Bistümern und Ländern die Bereitschaft über eine Ablösung dieser jährlichen Leistungen durch eine einmalige Zahlung zu diskutieren, schreibt Sternberg. Doch konkrete Initiativen stockten bislang, weil "die ernsthafte Entwicklung eines Konzepts" fehle.

Sternberg hatte in der Vergangenheit wiederholt Kürzungen bei überdiözesanen Aufgaben kritisiert. Im Januar dieses Jahres wandte er sich etwa gegen Pläne der Bischofskonferenz, die Mittel für die Auslandsseelsorge zu kürzen. (tja)

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017