Stotternder Endspurt

Die Familiensynode nähert sich ihrem Ende, und somit steigt der Termindruck. Nun gab Vatikansprecher Federico Lombardi bekannt, dass der Abschlussbericht womöglich nicht wie geplant am Samstag veröffentlicht wird. Dies sei "unwahrscheinlich", sagte Lombardi am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die Erstellung eines "publizierbaren Textes" werde voraussichtlich mehr Zeit brauchen, so der Sprecher.

Familiensynode | Bonn - 17.10.2014

Die Familiensynode nähert sich ihrem Ende, und somit steigt der Termindruck. Nun gab Vatikansprecher Federico Lombardi bekannt, dass der Abschlussbericht womöglich nicht wie geplant am Samstag veröffentlicht wird. Dies sei "unwahrscheinlich", sagte Lombardi am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die Erstellung eines "publizierbaren Textes" werde voraussichtlich mehr Zeit brauchen, so der Sprecher.

Die im Vatikan tagende Synode muss nach der viertägigen Arbeit in kleinen Sprachgruppen mehr als hundert Änderungsvorschläge in ihr Schlussdokument einarbeiten. Am Donnerstag wurden in einer Vollversammlung der 250 Synodalen die Berichte der zehn Gruppen vorgetragen, die nun von einem Redaktionsteam in den bisherigen Zwischenbericht eingebaut werden müssen. Darin hätten viele Synodale gefordert, ein attraktiveres Bild von Kirche zu zeichnen, den Gläubigen Mut und Hoffnung zu vermitteln, und nicht so stark Problemfelder herauszustreichen, sagte der irische Erzbischof Diarmuid Martin.

Rund 190 Kardinäle und Bischöfe aus der ganzen Welt und Papst Franziskus sitzen in der Synodenaula des Vatikan bei der Familiensynode im Oktober 2014.
 KNA

Aussagen zu Homosexuellen auf dem Prüfstand

Mehrere Sprachgruppen hätten vorgeschlagen, die Aussagen zur Haltung gegenüber Homosexuellen zu überarbeiten, hob Martin hervor. Das gelte auch für die Passagen zur Gradualität, wonach auch viele irreguläre, nicht der katholischen Lehre entsprechende Partnerschaften sittlich wertvoll sein könnten. Vermutlich werde das Abschlusspapier dieser Außerordentlichen Synode stärker die Lehraussagen der Kirche zu Familie und Ehe herausstreichen, erklärte der Erzbischof von Dublin. Keine einheitliche Haltung zeichne sich derzeit zu einer weiteren Öffnung gegenüber wiederheirateten Geschiedenen ab.

Innerhalb der Sprachgruppen habe es teilweise deutliche Kritik an dem Zwischenbericht gegeben, den der ungarische Kardinal Peter Erdö am Montag als Zusammenfassung der ersten Synodenwoche vorgetragen hatte. Zum Abschluss hätten die Zirkel sich jedoch in der Regel einmütig auf einen gemeinsamen Bericht an das Plenum geeinigt. Insgesamt habe es bei dieser Synode bedeutend mehr Offenheit gegeben als bei früheren Weltbischofstreffen, sagte Martin.

Redaktionskomitee erweitert

Papst Franziskus hatte am Donnerstag erneut das Redaktionskomitee für das Abschlusspapier erweitert. Er berief den südafrikanischen Kardinal Wilfrid Fox Napier und den australischen Erzbischof Denis Hart aus Melbourne in das Gremium. Damit sind nun alle fünf Kontinente im Redaktionskomitee vertreten. Insgesamt sind nun elf Synodenteilnehmer mit der Redaktion des Dokuments betraut.

Parallel zu den Beratungen äußern sich immer wieder Synodenteilnehmer in der Öffentlichkeit. So sagte etwa der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag, die kirchliche Lehre über Ehe und Familie dürfe sich nicht ändern, sie könne sich jedoch entwickeln. Die katholische Kirche müsse die neuen Herausforderungen der Lebenswirklichkeit von Familien mit den "gleichen Prinzipien" angehen. Notwendig sei hierzu eine neue Sprache. Schönborn verwies darauf, dass sich eine Entwicklung der Lehre auch schon in den Pontifikaten von Johannes Paul II. (1978-2005) und von Benedikt XVI. (2005-2013) feststellen lasse.

Schönborn: Synodale sind nicht in zwei Parteien gespalten

Zum kirchlichen Umgang mit Homosexuellen bekräftigte er seine Auffassung, dass es ein "elementares christliches Gebot" sei, ihnen mit Respekt zu begegnen. Jedoch könne sich damit nicht die grundsätzliche kirchliche Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen verändern. "Wir schauen zuerst auf die Person und nicht auf die sexuelle Orientierung". Dass die Kirche jeder Person mit Respekt begegne, bedeute jedoch nicht, dass sie auch "Respekt vor jedem menschlichen Verhalten" bekunde, so Schönborn.

Zugleich wandte sich der Wiener Kardinal dagegen, angesichts der Debatte unter den Synodenteilnehmern über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen von "Parteien" unter den Teilnehmern der Bischofssynode zu sprechen. Es gehe hier lediglich um zwei "Aspekte" einer Frage. Mit solchen Spannungen müsse die Kirche leben. (gho/KNA)

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