Suche nach entführten Christen in Syrien geht weiter

Die Terroristen des IS entführen immer wieder Christen. Etliche der Opfer konnten inzwischen befreit werden. Doch von einem italienischen Jesuiten und zwei Bischöfen fehlt immer noch jede Spur.

Islamismus | Damaskus/Rakka - 31.08.2017

Zwischen Bombardierung und Bodenkämpfen gibt es doch auch gute Nachrichten aus der syrischen Stadt Rakka. Am Wochenende berichtete die kurdische Nachrichtenagentur AFN, dass Spezialeinheiten der "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) unter Führung kurdischer Einheiten und mit Unterstützung der USA in Rakka mehr als 50 Zivilisten retten konnten. Bei der Operation im Viertel Rawda sei auch eine christliche Familie der syrisch-orthodoxen Kirche freigekommen. Die Geretteten seien an einen sicheren Ort gebracht worden; die Verletzten würden vom Roten Halbmond versorgt.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber AFN sprach der 45-jährige Familienvater George Joseph über das Leben, das sie und alle Einwohner in Rakka unter der Herrschaft der IS-Terroristen durchleiden mussten. "Sie haben versucht, alles zu zerstören, was wir hatten", so Joseph. IS-Kämpfer hätten das Eigentum der Bevölkerung als "Steuer" beschlagnahmt. Sie hätten ihr Haus nicht verlassen dürfen. "Alles hat man uns genommen"; eine Flucht sei nicht möglich gewesen. IS-Kämpfer besetzten die Kirchen und nutzten sie als militärische Kommandozentrale. Den Christen sei verboten gewesen, in die Kirche zu gehen.

Mit George Joseph wurden seine Frau, seine Tochter, seine Schwester und deren Tochter gerettet. Die Familie, die ursprünglich aus Aleppo stammt, war vor vielen Jahren nach Rakka gezogen. Zuletzt war im Januar 2016 eine Gruppe von Christen aus Rakka freigekommen, die der IS im Mai 2015 aus der östlich von Homs gelegenen Wüstenstadt Qaryatain entführt hatte. Ebenfalls befreit wurde in Rakka der ehemalige Leiter des syrisch-katholischen Klosters Deir Mar Elian bei Qaryatain, Jacques Mourad.

Jesuit und zwei Bischöfe immer noch verschwunden

Verschwunden bleibt dagegen der italienische Jesuit Paolo dell'Oglio vom Kloster Deir Mar Musa. Dell'Oglio, der sich offen für die Kräfte der Opposition eingesetzt hatte, verließ Syrien auf Wunsch von Kirche und Regierung 2012. Im Sommer 2013 versuchte er auf eigene Faust, verschleppte Geiseln aus Rakka zu befreien, wurde aber selbst entführt. Seit mehr als vier Jahren fehlt jede Information über ihn.

Seit 2013 wird der italienische Jesuit Paolo Dall'Oglio in Syrien vermisst.
Seit 2013 wird der italienische Jesuit Paolo Dall'Oglio in Syrien vermisst.
 picture alliance / AP Photo / Hussein Malla

Ebenfalls verschwunden bleiben zwei Bischöfe aus Aleppo. Im April 2013 wurden Gregorios Johanna Ibrahim, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Aleppo, und sein mit ihm reisender griechisch-orthodoxer Amtsbruder, Erzbischof Boulos Yazigi von Aleppo, verschleppt. Ihr Fahrer, ein Diakon, wurde bei der Entführung getötet. Beide Bischöfe hatten nördlich von Aleppo über die Freilassung von zwei entführten Priestern verhandelt, als sie einer der vielen damals in dem Gebiet operierenden Kampfgruppen in die Hände fielen. Nachrichten über ihren Verbleib sind lückenhaft. Belege dafür, dass sie noch leben, gibt es nicht.

Widersprüchliche Nachrichtenlage

Syriens Großmufti Ahmed Badreddin Hassoun hatte im Juni in Moskau berichtet, dass ihm der frühere US-Justizminister Ramsey Clark bestätigt habe, einer der Bischöfe sei in einer Klinik in Ankara behandelt und später zu den Entführern zurückgebracht worden. Die türkischen Sicherheitskräfte wüssten, wo die Bischöfe seien, so Hassoun.

Im Dezember 2015 kursierten Meldungen, beide Bischöfe seien getötet worden. Im Oktober 2016 wiederum tauchten Nachrichten auf, wonach die Bischöfe in Rakka lebten. Ein syrischer Geistlicher, der seit Jahren in die Befreiung von entführten Christen in Syrien involviert ist, bestätigte diese Meldung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch auch in diesem Fall fehlen jegliche Beweise wie Fotos oder persönliche Erklärungen der Entführten.

Von Karin Leukefeld (KNA)

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