Schweizergarde

Tapfer und treu

Heute werden im Vatikan neue Rekruten der Schweizergarde vereidigt

Vatikanstadt - 06.05.2014

Seither ist der 6. Mai für die Schweizergarde der wichtigste Tag im Jahr. Alljährlich gedenken die Mitglieder der vatikanischen Armee an diesem Datum der Ereignisse von 1527 - und alljährlich werden an diesem Tag und im Gedenken an die historischen Ereignisse des "Sacco di Roma" die neuen Rekruten der Garde vereidigt. In diesem Jahr beginnen 30 neue Soldaten ihren Dienst in der Armee des Papstes - auch für sie und ihren Dienst gilt nach der Vereidigung der Wahlspruch der Garde: "Acriter et fideliter. Semper" (Tapfer und treu. Immer).

Ihren Eid leisten die jungen Männer jeweils in ihrer Muttersprache der vier Schweizer Landessprachen: deutsch, französisch, italienisch oder rätoromanisch. Die Zeremonie erfolgt bei gutem Wetter im beeindruckenden Damasushof des Vatikan, der auf drei Seiten von den "Logge di Raffaello", einem Gebäudekomplex mit großen Fenstern eingeschlossen ist. Bei schlechtem Wetter findet der Fahneneid in der Audienzhalle statt, wo bis zu 6.000 Familienangehörige und Vatikanmitarbeiter zusehen können.

Der Schwur der Schweizergarde

Bei ihrer Vereidigung leisten die Rekruten der Schweizergarde ihren Eid auf folgende Schwurformel: "Ich schwöre, treu, redlich, und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst [Name des Papstes], und seinen rechtmässigen Nachfolgern und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, für Ihren Schutz selbst mein Leben hinzugeben. Ich übernehme dieselben Verpflichtungen gegenüber dem Kollegium der Kardinäle während der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles. Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam. Ich schwöre es, so wahr mir Gott und unsere heiligen Patrone helfen."

Freilich muss sich kein Gardist diese lange Formel merken können, denn auch die Tradition der Vereidigung stammt auch einer Zeit, als wohl noch nicht jeder lesen konnte. So tritt jeder Rekrut vor, packt mit seiner linken Hand die Fahne, spreizt die Rechte zum Dreifaltigkeitssymbol und sagt: "Ich, [Name des Rekruten], schwöre, alles das, was mir soeben vorgelesen wurde, gewissenhaft und treu zu halten, so wahr mir Gott und seine Heiligen helfen." Mit den Heiligen sind besonders Martin, Sebastian und Niklaus von Flüe gemeint.

Papstschützer und Fotomotiv

Wichtigste Aufgabe der Schweizergarde ist bis heute der Schutz des Papstes, dem die Armee direkt unterstellt ist. Darüber hinaus verrichten die 110 Soldaten zahlreiche Sicherheits-, Ordnungs- und Ehrendienste im Vatikan - manches davon in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Gendarmerie . Nicht zu unterschätzen ist zudem die Rolle der Gardisten als Fotomotiv. Die farbenprächtigen Uniformen in Gelb, Rot und Blau sind jedoch - anders als immer wieder behauptet wird - keine Kreation von Michelangelo. Vielmehr geht die Uniform auf einen Entwurf des Kommandanten Jules Repond (1910-1921) zurück, der sich dabei von den Fresken Raffaels inspiriert haben lassen soll.

Wer Soldat der Schweizergarde werden möchte, muss zahlreiche Bedingungen erfüllen. Wichtigste Voraussetzungen sind die schweizerische Staatsbürgerschaft, die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche, eine einwandfreie Gesundheit und ein einwandfreier Leumund. Außerdem muss ein Kandidat männlich, ledig, zwischen 19 und 30 Jahre alt sowie mindestens 1,74 Meter groß sein. Der Kreis der potentiellen Soldaten für die Garde ist also begrenzt. Deshalb wird bei der Mindestgröße immer wieder ein Auge zugedrückt. (stz/luk)

Papst Franziskus dankt der Schweizergarde

Papst Franziskus hat der Schweizergarde für ihren Wachdienst im Vatikan gedankt. "Jeden Tag darf ich aus der Nähe eure Hingabe und euren Einsatz erleben. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte Franziskus am Montag vor Schweizergardisten und ihren Angehörigen. Ihr Dienst bringe den Wunsch zum Ausdruck "sich für eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe hinzugeben". Die päpstliche Schutztruppe sei berufen, mit ihrem Dienst ein "heiteres und frohes christliches Zeugnis" zu geben. In seiner Ansprache ging der Papst auch auf die gelb-rot-blaue Uniform der Gardisten ein, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. Sie sei ein "eindruckvolles und charakteristisches Merkmal", das für Hingabe, Zuverlässigkeit und Sicherheit stehe. Die Gardisten müssten sich jedoch stets bewusst machen, dass die Uniform allein noch keinen guten Schweizergardisten ausmache. Dieser müsse vielmehr durch seine Freundlichkeit, durch seinen Geist der Aufnahmebereitschaft und durch eine Haltung der Nächstenliebe "gegenüber allen anrühren", so Franziskus. (KNA)

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