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Thema mit Sprengkraft

Wenn sich die 126 Mitglieder der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in Düsseldorf zu ihrer sechsten Tagung treffen, steht eine der brisantesten Streitfragen nicht eigens auf der Tagesordnung. Doch das Kirchenparlament wird am Sonntag die Gelegenheit haben, in der Aussprache über den jährlichen Ratsbericht das Thema ausgiebig zu debattieren.

Evangelische Kirche | Berlin - 09.11.2013

Wenn sich die 126 Mitglieder der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in Düsseldorf zu ihrer sechsten Tagung treffen, steht eine der brisantesten Streitfragen nicht eigens auf der Tagesordnung. Doch das Kirchenparlament wird am Sonntag die Gelegenheit haben, in der Aussprache über den jährlichen Ratsbericht das Thema ausgiebig zu debattieren.

Die Rede ist von dem im Juni vom Rat veröffentlichten Familienpapier , das zu anhaltenden Diskussionen ungeahnten Ausmaßes über den Stellenwert der Ehe geführt hat. Ende September trafen die kontroversen Positionen bereits bei einem EKD-Symposium in Berlin aufeinander. Doch das Thema hat weiter Sprengkraft, geht es in der "Orientierungshilfe" doch nicht nur um aktuelle gesellschaftspolitische Forderungen. Vielmehr sind mit den Fragen des rechten Umgangs mit der Bibel einerseits und der angemessenen Antwort auf Veränderungen in der Gesellschaft andererseits protestantische Kernanliegen betroffen.

Verlauf und Ergebnis der Debatte dürften auch Folgen dafür haben, wie handlungsfähig der Rat in den beiden verbleibenden Jahren seiner Amtszeit noch sein wird. Eine zu Beginn des Jahres angekündigte Publikation zur Sexualethik jedenfalls wurde nach den heftigen Reaktionen auf das Familienpapier erst einmal auf die lange Bank geschoben.

Auf dem Spiel steht dabei die Autorität des obersten protestantischen Leitungsgremiums im Verhältnis zu den 20 Landeskirchen. Kritiker hatten unter anderem bemängelt, dass der Rat zunehmend zum "Pensionärsverein" werde, dessen leitende Geistliche - wie der Ratsvorsitzende und ehemalige rheinische Präses Nikolaus Schneider - in ihren Landeskirchen bereits in den Ruhestand verabschiedet seien.

Katrin Göring-Eckardt ist Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013.
Katrin Göring-Eckardt ist Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013.  dpa

Wer folgt auf Katrin Göring-Eckardt?

Einer von diesen, der frühere bayerische Landesbischof Johannes Friedrich, gibt deshalb jetzt seinen Ratssitz ab und macht Platz für seinen Nachfolger in München, Heinrich Bedford-Strohm. Dieser kann dann schon einmal die Arbeit in dem Leitungsorgan kennenlernen, das 2015 neu gewählt wird. Ob er damit auch die Pole-Position im Rennen um den nächsten Ratsvorsitz hat, ist aber angesichts der Unberechenbarkeit synodaler Wahlentscheidungen noch nicht ausgemacht. Auf dem zweiten freiwerdenden Ratssitz soll die Theologin Elisabeth Gräb-Schmidt die in die Schweiz berufene Christiane Tietz beerben.

Zudem muss die Synode einen oder eine neue Präses wählen, nachdem die Amtsinhaberin Katrin Göring-Eckardt nach der Bundestagswahl abhanden gekommen ist, indem sie den Vorsitz der Grünen-Bundestagsfraktion übernahm. Als Favorit für die Nachfolge gilt der bisherige Vizepräses Günther Beckstein. Der CSU-Politiker und ehemalige bayerische Ministerpräsident ist allerdings in der eher rot-grün getönten Synode nicht unumstritten, hatte er doch in seiner Zeit als Innenminister gerne den Hardliner etwa in ausländerpolitischen Auseinandersetzungen gegeben.

Das Schwerpunktthema der Synodentagung lautet "Es ist genug für alle da - Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft". Dazu soll es die übliche "Kundgebung" der Synode geben. Vorgeschaltet sind, wie seit 2009 üblich, die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), die bereits in den vergangenen Tagen stattgefunden haben. Dieses sogenannte Verbindungsmodell steht auch thematisch im Mittelpunkt der VELKD-Generalsynode, die über die Zwischenergebnisse der Evaluation des Modells und den damit verknüpften theologischen Diskurs zu Bekenntnisfragen beraten will. Allen drei Konferenzen liegt zudem ein Antrag zur Fortentwicklung des Verbindungsmodells vor.

Von Norbert Zonker (KNA)

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