Theologe: Kirche muss Ökumene-Leitbild präzisieren

Zwischen den Kirchen ist das Ziel der ökumenischen Annäherung strittig. Theologe Thomas Söding fordert von der katholischen Kirche, Unterschiede im Verständnis von Christsein und Kirche anzuerkennen.

Ökumene | Berlin - 18.03.2017

Der katholische Theologe Thomas Söding fordert die katholische Kirche auf, ihr Ökumene-Leitbild einer "sichtbaren Einheit" mit der Vielfalt der christlichen Kirchen in Einklang zu bringen. Dabei müsse sie Unterschiede im Verständnis von Christsein und Kirche anerkennen und mit der gemeinsamen Aufgabe verbinden, "vielstimmig Jesus Christus zu verkünden", sagte Söding am Samstag in Berlin. Vordringlich sei dabei die Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Amt und Ordination bei den Protestanten, so der Bochumer Neutestamentler.

Zwischen den Kirchen ist das Ziel der ökumenischen Annäherung strittig: Während auf evangelischer Seite eine "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" angestrebt wird, spricht sich die katholische Kirche für eine "sichtbare Einheit" aus. Söding nannte diese Zielperspektive sinnvoll, "denn eine unsichtbare Einheit merkt ja keiner". Es sei aber genauer zu klären, welche konkreten Formen denkbar seien

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Papst Franziskus hat in Lund eine Erklärung zum gemeinsamen Abendmahl mit den Lutheranern unterzeichnet - und damit Geschichte geschrieben. Katholisch.de dokumentiert den Text im Wortlaut. (Artikel von Oktober 2016)

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Söding, der Vorsitzender des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ist, äußerte sich bei der jährlichen Studientagung der Ökumenebeauftragten der katholischen und evangelischen sowie freikirchlicher und orthodoxer Gemeinden Berlins. Dabei gab er einen Überblick über die katholische Lutherforschung der vergangenen Jahrzehnte. Diese sehe den Reformator Martin Luther (1483-1546) nicht mehr als negative Figur, sondern als Teil einer Reformbewegung in der Kirche. "Das Problem dieses Ansatzes besteht aber darin, dass er die Herausforderung der Reformation verharmlost", betonte der Theologe. Er unterschätze, "wie stark die katholische Kirche sich ändern müsste, wenn sie die Reformation integrieren wollte".

Die friedensstiftende Kraft des Glaubens

Weiter meinte Söding, zusammen mit ihren ökumenischen Partnern müsse die katholische Kirche die Chance des laufenden Gedenkjahres nutzen, um "den Gottesglauben in seiner friedensstiftenden Kraft zu bezeugen". Dass auch die Gesellschaft von den Kirchen einen solchen Beitrag erwarte, zeige etwa die Teilnahme der Spitzenvertreter des Staates am Versöhnungsgottesdienst am vergangenen Samstag in Hildesheim. (KNA)

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