Transparente Aufarbeitung

Am Wochenende haben sich mehrere Bischöfe für eine rückhaltlose Aufklärung bei sexuellen Übergriffen von Geistlichen auf Kinder ausgesprochen. Nach dem Stopp der Missbrauchsstudie soll es weitergehen. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat am Samstag eine neue Studie zur Erforschung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche angekündigt.

Missbrauchsstudie | Bonn - 13.01.2013

Am Wochenende haben sich mehrere Bischöfe für eine rückhaltlose Aufklärung bei sexuellen Übergriffen von Geistlichen auf Kinder ausgesprochen. Nach dem Stopp der Missbrauchsstudie soll es weitergehen. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat am Samstag eine neue Studie zur Erforschung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche angekündigt.

Bischof Felix Genn verwahrte sich am Samstag gegen den Vorwurf, die katholische Kirche wolle die Aufklärung des Missbrauchsskandals in Deutschland stoppen. Das Gegenteil sei richtig, sagte er in einer Erklärung. Der Bischof des Bistums Münster stellte fest, dass durch die aktuellen Ereignisse "wieder einmal viel Vertrauen in die katholische Kirche zerstört worden" sei.

Auch der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann will sich weiterhin für die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche einsetzen. Insbesondere das Bistum Mainz wolle alle Fälle offenlegen. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte Lehmann am Samstag beim Neujahrsempfang in Mainz.

Gegen den Vorwurf Pfeiffers, die Bischöfe hätten die Ergebnisse zensieren wollen, wies Genn darauf hin, dieser nehme dabei immer auf den ersten Vertragsentwurf Bezug. In späteren Entwürfen seien jedoch sowohl die wissenschaftliche als auch die Veröffentlichung in den Medien garantiert gewesen, erklärte der Bischof. "Im Blick auf die Veröffentlichung in den Massenmedien sollte lediglich, wenn möglich, zwischen den Vertragspartnern ein Einverständnis hergestellt werden, ohne dass eine der beiden Seiten aber ein Vetorecht gehabt hätte." Der Vorwurf der Zensur stehe "im Widerspruch zur Wirklichkeit".

Wahrung des Datenschutzes

Der Bischof von Münster verwies zudem auf die Verpflichtung der Kirche, sich auch im Bereich des Datenschutzes an geltendes Recht zu halten. Die Persönlichkeitsrechte von Betroffenen, "auch wenn sie Täter waren", seien unbedingt zu beachten. Ebenso müssten "selbstverständliche wissenschaftliche Standards eingehalten" werden, etwa hinsichtlich der Anonymisierung personenbezogener Daten und der sicheren Aufbewahrung "hochsensibler Unterlagen". Dies sei aber "in der Arbeit von Professor Pfeiffer nicht sichergestellt" gewesen. Auch Kardinal Reinhard Marx hat am Freitag die Zensurvorwürfe zurückgewiesen.

Das Kirchenrecht schreibt im Kanon 489 vor, dass "jährlich die Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten" seien. Zugleich legt es fest, dass ein kurzer Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils aufbewahrt werden muss.

Player wird geladen ...
Die Studie zum Missbrauchsskandal werde in jedem Fall mit neuem Partner weitergeführt, so die Bischofskonferenz zur Kündigung des Vertrags mit dem Kriminologen Pfeiffer.
 S. Schortemeyer und P. Philipp

Kardinal Lehmann wies darauf hin, dass das Bistum Mainz eines der Bistümer sei, die eine Akteneinsicht bis zum Jahr 1945 zugesagt habe. Er erinnerte daran, dass die katholische Kirche als Großorganisation mit umfangreichen Maßnahmen versucht habe, dem Thema "Sexueller Missbrauch" gerecht zu werden. Diese Bemühungen etwa durch die 2002 erlassenen Richtlinien, intensive Schulungen zur Prävention und Entschädigungen seien unbestritten und anerkannt, so der Kardinal.

Fortsetzung der Studie

Wegen "massiven Vertrauensverlusts" hatten die Bischöfe am Mittwoch ihre Zusammenarbeit mit dem von ihnen beauftragten Kriminologen Christian Pfeiffer aufgekündigt. Zugleich sicherten sie zu, zur Erforschung der Fälle sexuellen Missbrauchs einen neuen Partner zu suchen. Bei der Bischofskonferenz hätten sich bereits mehrere Kriminologen gemeldet, so ihr Missbrauchsbeauftragter Ackermann . Auf einen Zeitplan legte er sich nicht fest. Die Aussagekraft der künftigen Erhebung sei nicht gefährdet: "Selbst wenn der eine oder andere Bischof absagen sollte, stünde die Studie immer noch auf einer empirisch belastbaren Basis." (Gam)

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017