Tröster kleiner Jungen und Mutmacher gestandener Pfarrer

Papst Franziskus war wieder einmal als Seelsorger an den Rändern unterwegs - diesmal in einem monströsen Hochhauskomplex im Schatten Roms. Was er den Gläubigen vor Ort vermittelte? Hoffnung.

Papst | Rom - 16.04.2018

Emanuele soll als letzter dem hohen Gast eine Frage stellen. Doch vor dem Mikrofon versagt dem kaum achtjährigen Jungen die Stimme, er stockt, beginnt zu weinen. Jemand versucht ihn zu ermutigen. Es nützt nichts. "Bringt ihn zu mir", sagt der Papst, "er soll mir seine Frage ins Ohr sagen." Zögernd geht der Junge zu dem Podest, auf dem Franziskus sitzt. Der schiebt das Mikrofon zur Seite und nimmt den Kleinen in den Arm. Die Schultern des Jungen beben, Franziskus drückt ihn, hört zu, was er ihm ins Ohr flüstert. Erwidert etwas.

Eben waren die Menschen vor dem Gemeindezentrum der römischen Stadtrandpfarrei San Paolo della Croce noch aus dem Häuschen, jetzt herrscht Schweigen. Über eine Minute lang. Dann kehrt der Junge an seinen Platz zurück. "Emanuele hat mir erlaubt, euch seine Frage vorzutragen", beginnt Franziskus, "er weint wegen seines Papas." Der Vater des Jungen sei gestorben, war nicht gläubig, sei aber ein guter Mensch gewesen, zitiert Franziskus den Jungen. Der wolle nun wissen, ob sein Papa im Himmel ist. Ein Vater, der seine Kinder so stark habe werden lassen, "dass sie sich trauen, auch vor anderen zu weinen", sei ein guter Vater, so der Papst. "Was denkt Gott wohl über einen solchen Vater?", fragt Franziskus. Und an den Jungen gewendet: "Sprich mit deinem Papa im Himmel."

Auch wenn sie wie Kinder des Teufels leben...

Wenn Franziskus wie am Sonntagnachmittag Gemeinden besucht, wird der Papst zum Seelsorger. Bringt Kernaussagen des Glaubens auf den Punkt. "Ja, alle Menschen - auch die Ungetauften sind Kinder Gottes - selbst Mafiosi, auch wenn sie eher wie Kinder des Teufels leben", antwortet er Carlotta aus der Katechesegruppe. Mit der Taufe aber gebe Gottes Geist mehr Kraft, wie Kinder Gottes zu leben. Als der kleine Edoardo wissen will, was er bei der Papstwahl gefühlt habe, sagt Franziskus: "Ich hatte keine Angst, keine außergewöhnliche Freude. Wenn Gott jemanden beruft - auch euch -, fühlt man Frieden und weiß, dass man dann seinen Weg gehen muss."

Dieser Weg lasse sich leichter gehen, mit der Freude, dass Jesus wirklich auferstanden sei, ermuntert Franziskus später in seiner Predigt. "Der Glaube, dass Jesus wirklich auferstanden ist und lebt, hält uns jung. Die Sünde lässt altern und ermüden", fährt er fort. Wie schwer der Weg dennoch sein kann, klingt durch, als zum Ende Pfarrer Roberto Cassano sein Dankwort spricht.

Der Geistliche empfindet sich als Pfarrer zweier Gemeinden - "der einen hier in der Kirche", und der "anderen draußen in dem Hochhausblock". Die kleine moderne Kirche und den einen Kilometer lange doppelreihige Hochhausblock trennen Welten. Kaum jemand von dort finde den Weg in die Kirche, sagte Cassano. Dennoch lebten dort "gute Menschen". Aber hier die Botschaft Jesu zu verkünden, verlange viel Demut.

Und an die Gemeinde in den Kirchenbänken gewendet, zitiert er dankend aus Franziskus' jüngstem Schreiben über Heiligkeit im Alltag: "Gott hat keine Angst, er geht an die Ränder, ja er ist schon da." Damit scheint er nicht nur sich selbst Mut zu machen, sondern auch jenen unter den Kirchgängern, die den Weg in die Betonblocks bisher nicht finden.

Papst über Alte: Ihr seid ein Schatz für diese Pfarrei

Empfangen worden war der Papst wie oft bei seinen Pfarreibesuchen in Rom mit Sprechchören und Tausenden gezückter Handys. Letztere übersieht Franziskus geflissentlich, lässt sich lieber von alten Frauen auf die Wangen küssen, zeichnet ihnen oder Kindern auf den Armen von Kaugummi kauenden Müttern ein Kreuz auf die Stirn. Franziskus scheint den Rummel zu genießen, steckt die Aufregung locker weg. Vor den Stufen zum Gemeindezentrum dann ergreift er den Arm eines Begleiters als Stütze.

Drinnen stellt der Pfarrer dem Papst eine größere "Gruppen von Alten und Armen" vor, die unter anderem in der Gemeinde einen Mittagstisch erhalten. "Die Jungen rennen, aber ihr kennt den Weg", leitet Franziskus von der Kinderkatechese über. "Ich weiß, dass ihr Probleme habt, Schmerzen", sagt er in einer kurzen Begrüßung. "Aber das soll euch nicht dazu bringen, die Hoffnung aufzugeben." Jeder könne etwas tun - etwa durchs Gebet. "Ihr seid ein Schatz für diese Pfarrei", sagt er, bevor er sich wieder unter die Leute mischt.

Von Roland Juchem (KNA)

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