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Überall "Grüß Gott" sagen

Die Anreise verlief problemlos. Am 14. November um 21 Uhr Ortszeit ist Stephan Frank in Malis Hauptstadt Bamako gelandet. Einige Tage später meldet er sich aus dem Bundeswehr-Camp in Koulikoro telefonisch in Bonn, um von seinen ersten Eindrücken zu berichten. "Es ist warm. Es ist wirklich warm. 35, 38 Grad im Schatten sind hier tagsüber normal", sagt er.

Mali-Blog | Bonn - 02.12.2014

Die Anreise verlief problemlos. Am 14. November um 21 Uhr Ortszeit ist Stephan Frank in Malis Hauptstadt Bamako gelandet. Einige Tage später meldet er sich aus dem Bundeswehr-Camp in Koulikoro telefonisch in Bonn, um von seinen ersten Eindrücken zu berichten. "Es ist warm. Es ist wirklich warm. 35, 38 Grad im Schatten sind hier tagsüber normal", sagt er.

Über das Wetter unterhalten wir uns für gewöhnlich nicht, aber in diesem Fall verstehe ich natürlich, weshalb mein Freund Stephan Frank das Gespräch mit dieser Information beginnt. Das Camp der Mali-Mission EUTM liegt in Koulikoro, im Süden des Landes nahe der malischen Hauptstadt Bamako - und damit nur noch einige hundert Kilometer nördlich des Äquators. Der Soldatenseelsorger will sich in zehn Tagen akklimatisiert haben, schließlich sei der europäische Winter die angenehmste Jahreszeit, um sich in Mali aufzuhalten. Zumindest Wikipedia sagt aber, dass man in Bamako im November dennoch mit durchschnittlichen Temperaturen um 35 Grad Celsius rechnen muss.

Die Tür steht offen

Das Klima im Lager scheint ebenfalls alles andere als frostig zu sein, wenn man Stephan Frank so berichten hört. Nach den ersten Sätzen des Telefonats legt er den Hörer erst noch einmal beiseite, um die Tür zu seinem Container zu schließen. Die steht sonst immer offen, sagt er. Die Soldaten der EU-Mission sind in Koulikoro zwar in einer bereits bestehenden Offiziersschule der malischen Armee einquartiert worden, die Bundeswehr hat sich auf dem Gelände aber ihre eigene Infrastruktur errichtet. In einem der Container hat der Pfarrer einen kombinierten Wohn- und Arbeitsbereich. Den will er sich in den kommenden Tagen noch weiter einrichten, so weit das möglich ist – allerdings erst, wenn er in allen Abteilungen gewesen ist, um "Grüß Gott" zu sagen.

Am 16. November, dem Volkstrauertag, hat Stephan Frank den Posten als Lagerseelsorger von seinem Vorgänger Rüdiger Scholz übernommen. An diesem Tag waren alle Soldaten zur Gedenkfeier zusammengekommen. Pfarrer Franks Kollege hatte einen Wortgottesdienst gefeiert und anschließend vor der versammelten Truppe die Seelsorge an den Nachfolger übergeben.

Freiluft-Gottesdienst in Mali: Im Schnitt nimmt etwa jeder zehnte Soldat des Kontingents an der Heiligen Messe teil.
 Bundeswehr

Internationale Messe auf Deutsch

Der Gottesdienst am Samstagabend gehört zu den Hauptaufgaben des Lagerseelsorgers. Erfahrungsgemäß nimmt jeder zehnte Soldat des Kontingents daran teil, erklärt Stephan Frank. Das wären dann gegenwärtig etwa fünfzehn; keine große Gemeinde also. "Beim katholischen Pfarrer kann es schon gut sein, dass auch die Franzosen und Spanier kommen", vermutet er aber. Im Lager in Koulikoro sind neben den Soldaten der Bundeswehr auch Angehörige der Streitkräfte aus Schweden und Finnland sind hier stationiert. Auch wenn Stephan Frank also mit einem internationalen Publikum zu rechnen hat, will er dennoch den Gottesdienst auf Deutsch feiern. Das vermittle den deutschen Soldaten schließlich auch ein wenig Heimatgefühl. Für Katholiken sei es zudem ja auch kein großes Problem, die Messe in einer fremden Sprache zu verfolgen.

Möglicherweise könnte er sogar einen Gottesdienst außerhalb des Lagers, in einem Franziskanerinnenkloster, feiern, erzählt mir Stephan Frank. Die Idee kam ihm, als er wegen einiger Besorgungen für die Übergabefeier mit Kameraden in der Stadt unterwegs war und dort das Kloster der Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf besuchte. Ob das jedoch klappen wird, ist noch fraglich. Die Bedrohung durch das Ebola-Virus ist mittlerweile auch in Mali so groß, dass größere Menschenansammlung besser zu meiden sind. Man weiß ja nie.

Schutzmaßnahmen gegen Ebola

Im Lager in Koulikoro hat man deshalb Schutzmaßnahmen ergriffen. Medizinisch ist die Bundeswehr ohnehin gut aufgestellt. Es gibt vor Ort einen Tropenmediziner, einen HNO-Arzt, einen Zahnarzt und so weiter. "Wie in einem normalen Kreiskrankenhaus", meint Pfarrer Frank. Die übrigen Maßnahmen sind bislang auch noch nicht sehr tiefgreifend. Stephan Frank berichtet von Messungen der Körpertemperatur bei den Soldaten, außerdem seien die Arzneimittelbestände aufgestockt und einige Zugänge zum Lager geschlossen worden.

Mit der malischen Bevölkerung kommen die Angehörigen des Einsatzkontingents trotzdem noch regelmäßig bei ihren Einsätzen außerhalb des Lagers in Kontakt. Laut den Berichten des Pfarrers werden die Soldaten von den Einheimischen dabei durchaus wohlwollend empfangen. "Die Kinder winken und lachen." Das konnte er bei seiner Tour durch die Stadt Koulikoro erleben. Deren Anblick sei "schon gewöhnungsbedürftig", findet der Militärpfarrer aus Unterfranken. "Vor dreißig, vierzig Jahren war das, was damals gebaut wurde und was die Franzosen hinterlassen haben, sicherlich schön", meint Stephan Frank. Aber der Glanz ist verflogen. Trotz der bitteren Armut in Mali hat der Pfarrer aber nicht das Gefühl, dass die Menschen Hunger litten oder unzufrieden seien.

Fußball, Kaffee, Fernsehen

Die Ausflüge bleiben aus Sicherheitsgründen meistens aber auf das Dienstliche beschränkt. Außerhalb der Dienstzeiten bleiben die Soldaten ind er Regel im Lager. Doch wie vertreibt man sich auf begrenztem Raum mit eingeschränkten Möglichkeiten die Zeit? "Sport, der Soldat macht immer Sport", erklärt mir der Militärpfarrer nach kurzem Überlegen. Die wichtigste Freizeitbeschäftigung der Soldaten muss aber in den frühen Morgenstunden gegen 5 Uhr stattfinden; anders geht es bei dem Klima vor Ort nicht. "Sich einfach mal zusammensetzen und einen Kaffee trinken, um die Geselligkeit und die Kameradschaft zu pflegen", sei aber auch gerne gesehen, meint Stephan Frank.

Außerdem betreibt die Bundeswehr mit "bwtv" (Bundeswehr TV) einen eigenen Fernsehsender für ihre Angehörigen im Ausland. Zum Senderprogramm gehören unter anderem Fußballübertragungen. Und so kam es, dass sich am Abend des 18. November etwa 50 Mitglieder der spanischen und der deutschen Streitkräfte im Lager von Koulikoro gemeinsam vor dem Fernseher versammelten, um den – freundschaftlichen – Länderkampf ihrer beiden Nationalmannschaften zu verfolgen. Das Siegtor für Deutschland schoss Toni Kroos, der mittlerweile in der spanischen Hauptstadt bei Real Madrid spielt.

Von Kilian Martin

Mali-Blog

In dieser Serie berichtet unser Volontär Kilian Martin etwa alle vierzehn Tage in Form von Blogposts von seinen Gesprächen mit Militärpfarrer Stephan Frank. Der ist seit Mitte November im Einsatz bei der EU-Trainingsmission in Mali. Martin und Frank sind befreundet.

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