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Überdrehte Hexenjagd?

Je länger und je heftiger die Debatte um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst tobt, desto mehr wird auch über die Rolle der Medien in diesem Fall diskutiert. Vermehrt werden in diesen Tagen Stimmen laut, die Art und Umfang der Berichterstattung über die Affäre um den Limburger Bischof und die explodierenden Kosten für das neue Diözesane Zentrum in der Stadt kritisieren.

Medien | Bonn - 18.10.2013

Je länger und je heftiger die Debatte um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst tobt, desto mehr wird auch über die Rolle der Medien in diesem Fall diskutiert. Vermehrt werden in diesen Tagen Stimmen laut, die Art und Umfang der Berichterstattung über die Affäre um den Limburger Bischof und die explodierenden Kosten für das neue Diözesane Zentrum in der Stadt kritisieren.

So diagnostiziert der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, in einem Blogbeitrag einen medialen "Überdreh". Bei der Suche nach Transparenz und Verantwortung helfe es nicht, wenn ein Spektakel veranstaltet werde. "Und genau das wird gerade inszeniert", so Hagenkord.

Auch der Kommunikationsberater Hasso Mansfeld kritisiert die Medien. Im "Manager Magazin" nennt er die Debatte um Tebartz-van Elst "hysterisch und auf Krawall gebürstet". Die Berichterstattung einiger Publikationen sei von Vorurteilen gegenüber der katholischen Kirche geprägt, betont Mansfeld, der Ende August kurzzeitig als Medienberater für den Limburger Bischof im Gespräch war.

Der deutsche Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller geht sogar noch einen Schritt weiter und wertet die Kritik an Tebartz-van Elst als gezielte "Medienkampagne". Die Vorwürfe gegen den Oberhirten seien eine "Erfindung von Journalisten", sagte der Präfekt der Glaubenskongregation vor wenigen Tagen bei einer Messe in Rom.

DJV-Vorsitzender: Berichterstattung ist notwendig und gerechtfertigt

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) widerspricht diesen Vorwürfen. Die ausführliche Berichterstattung in diesem Fall sei "notwendig und im Sinne des Informationsauftrags der Medien gerechtfertigt", so der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken, der auch den Vorwurf einer Hetzjagd auf den Bischof zurückweist: "Ein Bischof der katholischen Kirche ist Repräsentant des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. Wenn die Baukosten der bischöflichen Residenz in Limburg aus dem Ruder laufen, sind Fragen nicht nur erlaubt, sondern Pflicht der Journalistinnen und Journalisten".

Allerdings stellt sich angesichts des medialen Dauerfeuers der vergangenen Tage die Frage, ob die Medien mit ihrer Fixierung auf den Fall Tebartz-van Elst die Wirklichkeit noch in angemessener Form abbilden. Kein Detail der bischöflichen Affäre scheint zu klein, kein Aspekt zu banal, um nicht trotzdem in aller Ausführlichkeit darüber zu berichten. "Wenn überteuerte Badewannen wichtiger sind als Koalitionsgespräche in Berlin oder Tote vor Lampedusa, dann stimmt da etwas nicht", findet auch Bernd Hagenkord.

Zeitungen
Zeitungen.
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Der Direktor der katholischen Journalistenschule ifp , Bernhard Remmers, sieht das ähnlich: "Fernsehberichte über den Bischof von Limburg ohne neuen Nachrichtengehalt und entsprechende tägliche sich wechselseitig referierende Zeitungsberichte geben den Geschehnissen einen Stellenwert, der gegenüber Ereignissen wie dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer unverhältnismäßig ist", schreibt Remmers in einem Gastbeitrag für katholisch.de. Vielen Redaktionen scheine in der Causa Limburg die Fähigkeit zur Selbstreflektion verlorengegangen zu sein.

Hinzu kommt: Nicht nur die Intensität der Berichte, sondern auch die Art und Weise, wie mit Bischof Tebartz-van Elst in einigen Medien umgegangen wird, stößt auf Kritik. Wenn selbst Qualitätsmedien fast nur noch vom "Protz-Bischof" und vom "Lügen-Bischof" schreiben, drängt sich das Gefühl auf, dass die Debatte inzwischen gehörig aus dem Ruder gelaufen ist.

Verletzung der Persönlichkeitsrechte?

Lutz Tillmanns sieht das anders. Der Geschäftsführer des Deutschen Presserates hält die Berichterstattung über den Fall Tebartz-van Elst im Gespräch mit katholisch.de zwar "für sehr intensiv und kritisch in ihrer Form und ihrem Duktus". Insgesamt sei das Verhalten der Medien aber "durchaus angemessen". Tillmanns betont zudem, dass der Presserat bislang "erst einige wenige Beschwerden" in der Causa Tebartz-van Elst verzeichnet habe. "Entschieden ist darüber aber noch nicht", so der Geschäftsführer des Selbstkontrollorgans der deutschen Presse.

Der Berliner Medienanwalt Torsten Walter widerspricht der Ansicht Tillmanns. Er sieht sehr wohl eine Medienkampagne, die er als völlig unangemessen und mit einer Hexenjagd vergleichbar bezeichnet. "Hier werden ständig die Persönlichkeitsrechte des Bischofs verletzt. Jedes Detail wird skandalisiert und so versucht, den Bischof aus dem Amt zu schreiben, bevor es zu einer gründlichen Untersuchung der erhobenen Vorwürfe kommt", so Walter zu katholisch.de. Seiner Ansicht nach wird in der derzeitigen Berichterstattung "laufend gegen die Unschuldsvermutung" der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen.

Für Walter ist klar, dass sich der Limburger Bischof bislang nicht angemessen verteidigen konnte. Ob Tebartz-van Elst dies in den kommenden Tagen und Wochen wird tun können, hängt wohl auch davon ab, wie Papst Franziskus in dem Fall entscheiden wird. Aber egal, wie die Affäre am Ende ausgeht: Auch die Medien sollten sich, sobald sich die derzeitige Aufregung gelegt hat, selbstkritisch mit der eigenen Rolle beschäftigen. Bernhard Remmers formuliert es so: "Es ist Zeit für eine neue Diskussionskultur in den Redaktionen".

Von Steffen Zimmermann

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