• © Bild: KNA

Überseht uns nicht!

Die Belange von Kindern und Jugendlichen spielen in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und im politischen Handeln kaum eine Rolle. Im Gegenteil: Unsere alternde Gesellschaft läuft Gefahr, die Bedürfnisse junger Generationen zu vernachlässigen. Der aktuelle Wahlkampf jedenfalls tut das. Warum tauchen die Themen von Jugendlichen nicht auf?

Bundestagswahl | Bonn - 12.09.2013

Die Belange von Kindern und Jugendlichen spielen in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und im politischen Handeln kaum eine Rolle. Im Gegenteil: Unsere alternde Gesellschaft läuft Gefahr, die Bedürfnisse junger Generationen zu vernachlässigen. Der aktuelle Wahlkampf jedenfalls tut das. Warum tauchen die Themen von Jugendlichen nicht auf?

Weil sie nicht wählen dürfen. Sie sind nicht im Blick der Parteien. Ein Großteil der Wählerinnen und Wähler in Deutschland ist älter als 50 Jahre. Politik orientiert sich eben am Interesse derer, die das Gros der Wähler ausmachen. Aber das ist zu kurzfristig gedacht. Denn von den meisten Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind die jungen Generationen massiv betroffen.

Nehmen wir das wichtigste und übergreifende Thema Generationengerechtigkeit. Wie sieht eine gerechte Sozialpolitik in Bezug auf die Rente künftiger Generationen aus? Nicht nur ältere Menschen sorgen sich um ihre Rente. Was wir brauchen - und junge Menschen wollen - ist eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, die eine gute Versorgung für die Älteren leistet, ohne die jungen Menschen zu überfordern - was bislang leider der Fall ist!

Gleiche Lebenschancen für alle!

Weil sich die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft nicht zuletzt daran bemisst, welche Perspektiven und Zukunftschancen sie ihrer Jugend gibt, müssen gerade in unserer wohlhabenden Bundesrepublik die Weichen gestellt werden, dass alle Kinder und Jugendlichen über gleiche und gute Lebenschancen verfügen. Bis auf die zaghaften Debatten über ein Grundeinkommen - das wir fordern, weil es finanzierbar und gerecht ist -, leider kein Thema.

Nehmen wir das Thema Arbeit, auch für Jugendliche ein entscheidendes. Oft müssen Berufseinsteiger in unbezahlten Praktika, niedrig bezahlten und befristeten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Unbefristete Vollzeitarbeitsplätze mit sicherem Einkommen und sozialer Absicherung spielen eine wichtige Rolle für das Leben junger Menschen. Unsere Meinung: Prekäre Arbeitsverhältnisse müssen abgebaut werden. Stattdessen muss es faire Arbeitsverhältnisse und gerechte Löhne geben. Wenn wir das nicht schaffen, werden junge Menschen später keine Rente haben, von der sie leben können. Ein erster Schritt wäre eine bedingungslose Grundrente, die solidarisch organisiert ist. Diese muss eine existenzsichernde Grundlage für ein würdevolles Leben im Alter sein. Unter diesem generationsgerechten Ansatz leider auch kaum Thema.

Lisi Maier ist Mitglied im Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Lisi Maier ist Mitglied im Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
 BDKJ

Jugendliche haben das größte Armutsrisiko

Beispiel Armut: Altersarmut ist in aller Munde, aber Jugendarmut? Dabei sind junge Menschen die Altersgruppe mit dem größten Armutsrisiko. Wer jung und arm ist, wird es nicht nur bleiben, sondern in der momentanen Situation wird sich die Armut im Alter noch verstärken. Ein fatales Risiko für unsere Gesellschaft. Aber leider auch kein Thema...

Bildung! Hier sind sich alle einig, dass das ein wichtiges Thema ist. Und es gibt viele Konzepte und Ideen. Aber wer fragt junge Menschen, was sie für sinnvoll halten, was sie brauchen? Und wie sie sich die Zukunft der Bildung vorstellen? Und wer sagt öffentlich, dass Jugendliche nicht nur am Schreibtisch hängen und ihre Karriere planen wollen? Wo sind die Politikerinnen und Politiker, die sagen, dass Jugend Freiräume braucht?

Politik braucht eine generationenübergriefende Perspektive

Es gibt viele Themen, von denen Kinder und Jugendliche betroffen sind und zu denen sie etwas sagen können und wollen. Politik wird stattdessen häufig von Menschen gemacht, die nicht von der Situation betroffen sind. Beispiel Eurokrise: Junge Menschen haben Ideen, aber sie werden weder gehört noch gefragt. Ich wünsche mir, dass wir künftig in unserer Politik auf alle politischen Themenfelder auch durch die Brille junger Menschen blicken. Was hat meine Entscheidung für eine Auswirkung auf die nächsten Generationen? Da braucht es eine generationenübergreifende Perspektive, egal ob in der Sozial- oder Verkehrspolitik.

Von der kommenden Bundesregierung erwarten wir, dass sie junge Menschen mehr an der Entwicklung unserer Gesellschaft beteiligt. Das einfachste und wirksamste Mittel ist, sie wählen zu lassen. Und zwar in echt, nicht nur in Jugendparlamenten. Wir setzen uns seit vielen Jahren für eine Absenkung des Wahlalters ein. Kinder und Jugendliche müssen ihre Bedürfnisse ebenso kommunizieren können, wie die älteren Generationen. Trotz einer klaren Kinderrechtskonvention ist aber der Einfluss von Kindern und Jugendlichen auf politische Entscheidungen stark begrenzt. Aber die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft bemisst sich auch daran, welche Perspektiven und Zukunftschancen sie ihrer Jugend gibt.

Von Lisi Maier

Zur Person

Lisi Maier ist seit 2012 Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Zu ihren Schwerpunkten gehören unter anderem Sozial-, Bildungs- und Gleichstellungspolitik.

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016