Um Menschen feilschen wie um Abgasquoten

Wenige Tage vor dem EU-Flüchtlingsgipfel fordert der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki mit deutlichen Worten eine Flüchtlingspolitik, die nicht darauf abzielt, möglichst wenige Menschen aufnehmen zu müssen.

Flüchtlinge | Berlin/Köln - 14.06.2015

Wenige Tage vor einem neuerlichen Flüchtlingsgipfel hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dazu aufgerufen, Flüchtlinge aus Syrien auf den Wiederaufbau ihrer Heimat vorzubereiten. Wer nach Europa komme, müsse eine gute Ausbildung erhalten und in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integriert werden, sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag". Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisierte am Wochenende eine Art Gefeilsche um Flüchtlingskontingente in Europa.

Im bistumseigenen Domradio warf Woelki den europäischen Staaten eine Flüchtlingspolitik nach dem Sankt-Florian-Prinzip vor: "Da wird um Quoten und Aufnahme-Kontingente gefeilscht wie sonst um Abgasmengen oder Schadstoffe." Länder wie Großbritannien, Irland und Dänemark hätten sich bereits gegen die vereinbarte Aufnahmequote entschieden, und auch in anderen Staaten halte sich die Begeisterung in Grenzen, so der Kardinal: "Jeder hält seine Haustür zu und verweist auf den Nachbarn, der doch bitte die Flüchtlinge aufnehmen soll."

Woelki fügte hinzu: "Es geht doch hier nicht um die Pest, die wir ins Haus holen, sondern um Menschen, die unsere Hilfe brauchen." Menschen verließen nicht freiwillig ihre Heimat, sondern wegen Krieg, Terror, Not, Elend und Armut.

Europäische Quotenregelung geplant

Außenminister Steinmeier betonte, in Europa müsse eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen gegen vielerlei Widerstände durchsetzt werden. Dabei gäben die Vorschläge aus Brüssel die Richtung vor. Die Kommission will 40.000 Flüchtlinge aus Italien und Griechenland im Rahmen einer Quotenregelung auf 23 EU-Länder verteilen. Demnach soll Deutschland annähernd 9.000 aufnehmen.

Eine gute Ausbildung in Deutschland schafft nach Steinmeiers Worten die Voraussetzungen, dass die Flüchtlinge nach dem syrischen Bürgerkrieg in ihre Heimat zurückkehren und zum Wiederaufbau beitragen könnten. "Hier können wir auch in Deutschland noch mehr tun", mahnte der Minister. Am Donnerstag wollen Bund, Länder und Kommunen auf einem Flüchtlingsgipfel beraten, wie sich die steigenden Asylbewerberzahlen bewältigen lassen. (KNA)

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