"Und die Teller drehen sich weiter"

Weihnachten steht vor der Tür und es sind nur noch drei Wochen bis die fünf neuen "Voluntarios" (Freiwillige) bei uns eintreffen. Auch die erste von fünf Besuchergruppen aus Kanada kommt dann bei uns im Kinderdorf an, um bei Projekten hier vor Ort mitzuarbeiten. Die Zeit wird langsam knapp und ich stehe inzwischen noch früher auf und gehe noch später ins Bett, um alles zu organisieren und zu koordinieren.

Peru-Blog | Cañete - 18.12.2014

Weihnachten steht vor der Tür und es sind nur noch drei Wochen bis die fünf neuen "Voluntarios" (Freiwillige) bei uns eintreffen. Auch die erste von fünf Besuchergruppen aus Kanada kommt dann bei uns im Kinderdorf an, um bei Projekten hier vor Ort mitzuarbeiten. Die Zeit wird langsam knapp und ich stehe inzwischen noch früher auf und gehe noch später ins Bett, um alles zu organisieren und zu koordinieren.

Wir möchten, dass die neuen Voluntarios gut eingearbeitet werden und von Anfang an das Gefühl erhalten, dass wir ein Team sind und wir alle gemeinsam das Beste für "unsere" Kinder geben. Ich bereite mit Unterstützung von Claudia aus der Schweiz ein zweiwöchiges Einführungsprogramm für die neuen Freiwilligen vor. Besteht die erste Woche aus "sich kennenlernen" und "ankommen" - wobei Teambildungsaktivitäten helfen sollen, dass wir sechs Voluntarios schnell zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen -, so beinhaltet die zweite Woche ein "training-on-the-job".

Mit Einzug der neuen Voluntarios wird es wieder lebendig und eng in unserem Haus. Während sich die fünf Helfer zwei Zimmer teilen müssen, behalte ich als einziger "Mann im Haus" mein Einzelzimmer. Die beiden Badezimmer werden wir auf uns sechs dann aufteilen. In Absprache mit dem Nationaldirektor halte ich es gerade am Anfang für wichtig, dass ich als Koordinator der Gruppe mit im Haus lebe - auch wenn der Platz beengt ist. Wir wollen zu einem Team zusammenwachsen, deshalb diese Maßnahme. Für die Kanada-Gruppen sind wir bisher im Soll. Sowohl die Projekte werden sukzessive vorbereitet, als auch die Unterbringung der Gruppen ist geplant.

Für die Kinder Anlass zur Freude - ein bisschen Geld wird auch für Süßigkeiten ausgegeben.
 Privat

Täglich neue Aufgaben

Trotzdem ist noch viel zu tun in den wenig verbleibenden Tagen. Wir haben die Zusage für die finanziellen Mittel zum Bau eines weiteren Hauses für unsere älteren Jungs bekommen. Bisher aber leider nicht für die Klinik. Wie in der Vergangenheit auch will ein Teil der Kanada-Gruppen beim Bau des Hauses mithelfen. Die Zusage erhielten wir erst letzte Woche. Jetzt heißt es, alles bis Ende Januar vorzubereiten, dass dann mit dem Bau begonnen werden kann.

Daneben erwarten mich täglich neue Aufgaben auf meinem Schreibtisch. Seien es Projekte, die ich auf den Internetseiten von "nuestros pequeños hermanos" (nph) hochlade, damit meine Kollegen damit auch 2015 um die notwendigen Spenden werben können, sei es die Bearbeitung von Dankesbriefen oder das Hochladen neuer dringend benötigter Hilfen für Nahrung, Kleidung, Medizin, Erziehung im "MyGoodshop".

Gleichzeitig bin ich als "Haus- und Hoffotograf" stark beansprucht. So mussten für ein Projekt der Kanada-Gruppen individuelle Fotos von den Jungen und Mädchen gemacht werden, die ihr Foto später gerne auf einem Rucksack haben möchten, den einige der Teilnehmerinnen der Kanadier hier vor Ort für und mit interessierten Kindern nähen werden. Ich musste für über 70 Kinder Fotos "schießen", mit ihnen dann ein ihnen passendes Fotos auswählen und nach Kanada versenden. Man kann sich vorstellen, was das an Zeit benötigt.

10 Jahre "nuestros pequeños hermanos"

Aber auch während den Feierlichkeiten des 10-jährigen Geburtstags von "nph"-Peru war ich mit meiner Kamera gefragt. Am zweiten Tag der Feierlichkeiten, die dem Gründer Padre Wasson gewidmet wurden, war vorher ein Wettbewerb jeweils unter den drei Häusern der Älteren und den drei Häusern der Jüngeren ausgerufen, eine Tafelwand künstlerisch mit vorgegebenen Themen zu gestalten. Dabei sollten die Kinder zum Ausdruck bringen, was für sie "nph", Padre Wasson und ihre individuelle Hausgemeinschaft bedeuten.

Im Kinderdorf wird der 10-jährigen Geburtstag von "nph"-Peru gefeiert.
 Privat

Nachdem die Feierlichkeiten beendet und die neun Fahnen der Länder, in denen "nph" vertreten ist, wieder eingeholt waren, konzentrieren wir uns jetzt auf die Vorbereitung der Weihnachtstage. Alle Kinderdörfer haben von zwei Spendergruppen jeweils großzügig Geld erhalten, um Ihnen Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Das bedeutet bei 102 Kindern viel Vorbereitung und Organisation durch die "Tios" (Onkel) und "Dias" (Tanten), aber auch durch Betty, der Frau von unserem Nationaldirektor.

Wir haben uns für die Kinder überlegt, dass Sie von dem Geld Sportschuhe und dazu Süßigkeiten erhalten. Die Jugendlichen ab 15 Jahren dürfen sich dagegen selbst Kleidung kaufen, die ihnen gefällt. Am 24. Dezember wird dann einer unserer "Tios" den Weihnachtsmann spielen und während der Weihnachtsfeier jedem Kind seine Geschenke überreichen. Ich bin mal auf die leuchtenden Augen der Kinder gespannt und bekomme jetzt schon eine Gänsehaut.

Weihnachten ohne Adventskranz und Glühwein

Wäre all dieser Stress nicht, ich könnte mir gar nicht so richtig vorstellen, dass wir tatsächlich Weihnachtszeit haben und in der nächsten Woche der Geburt Jesu gedenken werden. Bin ich aus Deutschland die kalte Jahreszeit gewohnt und sehe die geschmückten Fenster und Vorgärten, Weihnachtsmärkte und den Adventskranz vor meinen Augen, so gehe ich hier bei Sonnenschein und warmen Temperaturen jeden Tag ins Büro. Ich bin einmal gespannt, ob sich in den nächsten Tagen doch noch ein weihnachtliches Gefühl einstellt oder dies erst mit den Kindern zusammen an den Weihnachtstagen der Fall sein wird.

Kontakt zu Walter Brüggemann

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Wenn Sie Walter Brüggemann schreiben möchten, erreichen Sie ihn unter brueggemann.walter@icloud.com

Die zehn Tage, die man am Stück arbeitet, strengen natürlich an. Ich halte mich weiter durch meinen morgendlichen kleinen Dauerlauf fit und nutze jedes zweite längere Wochenende zum Reisen. Da ich einige Freunde in Arequipa und Cusco habe, waren diese beiden Städte bislang meine bevorzugten Reiseziele. Im nächsten Jahr möchte ich mich aber mehr auf die Region hier um Cañete konzentrieren, um hier mehr Eindrücke mitzunehmen.

Zuvor steht aber nun Weihnachten vor der Tür, dann mein Kurzurlaub hier in Lateinamerika, um "Kraft zu tanken" für die Zeit ohne Freizeit von Januar bis März, wenn die neuen "Voluntarios" und die Kanada-Gruppen hier sind. Wie es mir dabei ergeht und wie man hier Weihnachten in Peru feiert, darüber werde ich in meinem nächsten Blog berichten.

Von Walter Brüggemann

Spenden

Finanziert werden die Stellen unserer beiden Pädagoginnen derzeit durch Spendengelder, die ich gemeinsam mit einem Geschäftspartner aus meiner Zeit als Investmentmanager initiieren konnte. Das Gehalt für beide ist allerdings nur bis Mitte 2015 gesichert. Wenn Sie gerne für dieses Projekt spenden möchten, melden Sie sich per E-Mail unter brueggemann.walter@icloud.com.

Die Hilfsorganisation

Die Hilfsorganisation Nuestros Pequeños Hermanos (Unsere kleinen Brüder und Schwestern) wurde 1954 in Mexiko vom US-amerikanischen katholischen Priester William Wasson gegründet. Das Kinderhilfswerk unterhält Waisenhäuser in mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik und wird unter anderem vom katholischen Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt.

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