Unerschütterlicher Optimist

Schimon Peres ist der älteste amtierende Staatschef der Welt. Zwar wird der israelische Präsident erst am 2. August 90, aber eine Riesengeburtstagsparty steigt schon an diesen Dienstag in Jerusalem, bevor die lange Sommerpause beginnt. 3.000 geladene Gäste, unter ihnen viel Prominenz.

Israel | Jerusalem - 18.06.2013

Schimon Peres ist der älteste amtierende Staatschef der Welt. Zwar wird der israelische Präsident erst am 2. August 90, aber eine Riesengeburtstagsparty steigt schon an diesen Dienstag in Jerusalem, bevor die lange Sommerpause beginnt. 3.000 geladene Gäste, unter ihnen viel Prominenz.

Ex-US-Präsident Bill Clinton, der frühere Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, und die jüdisch-amerikanische Sängerin Barbara Streisand haben beispielsweise ihr Kommen zugesagt. Eigentlicher Star der Gala aber ist der unerschütterliche Optimist Peres, der kaum eine Gelegenheit auslässt, trotz aller Zweifel zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern aufzurufen.

Im Ausland ist er wohl einer der wenigen israelischen Politiker mit hohen Sympathiewerten. In seiner Heimat aber gibt es nicht wenige, die seinen Optimismus für etwas weltfremd halten. Dennoch genießt er generell hohes Ansehen beim israelischen Volk.

Nationale Vaterfigur

Vom umstrittenen, linksorientierten Politiker hat er sich zur nationalen Vaterfigur gewandelt, die sich um den Zusammenhalt der vielen Segmente der tief gespaltenen israelischen Gesellschaft bemüht. Der letzte Repräsentant der politischen Gründergeneration wird auch für seine - trotz seines hohen Alters - schier endlos wirkende Energie bewundert.

Seit seinem Amtsantritt 2007 hat der zweimalige frühere Ministerpräsident auch eine aktive Rolle in der internationalen Diplomatie übernommen, obwohl das Präsidentenamt eigentlich auf Repräsentation ausgerichtet ist. Zwar arbeitet er eng mit dem konservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu zusammen, vertritt dabei nach außen aber eine weniger robuste und dafür eher behutsame Politik.

Immer wieder wirft Peres sein Prestige in die Waagschale, das er im Westen als Architekt der früheren Friedensabkommen mit den Palästinensern und Repräsentant des aufgeklärten Israels genießt, um sein Land vor wachsender internationaler Isolation zu schützen.

Israels Staatspräsident und Papst Franziskus stehen in einem lichtdurchflutetem Raum im Vatikan.
"Ich warte auf Sie in Jerusalem": Schimon Peres hatte Ende April 2013 Papst Franziskus im Vatikan besucht.
 dpa/picture alliance

Misstrauen der Palästinenser

In der arabischen Welt gilt Peres, der 1994 gemeinsam mit dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, jedoch eher als Opportunist, dessen Wort nur wenig Gewicht hat.

Viele Palästinenser halten auch die eloquenten Friedensschwüre von Peres, der seine Reden gerne mit Bibelzitaten würzt, für schöne Worte eines machtlosen, nur repräsentativen Staatschefs. Als Peres im Mai ein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung ablegte, antwortete der palästinensische Chef-Unterhändler Saeb Erekat: "Das würden wir doch lieber aus Netanjahus Mund hören."

Immerhin ist der israelische Friedensvisionär, der 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ost-Polen geboren wurde, auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres, ein Vetter der früheren Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall, wanderte 1934 ins damalige Palästina ein. Erst Hirte und Kassenwart einer Kollektivsiedlung, wurde er als junger Mann Mitglied der jüdischen Untergrundarmee Hagana.

Er übernahm leitende Posten in der Gewerkschaft Histadrut. 1946 begann er seine politische Karriere in der Arbeitspartei und übernahm im Laufe der Jahrzehnte mehrere Ministerämter. 1984 musste Peres' Arbeitspartei mit dem Likud-Block unter Izchak Schamir eine große Koalition eingehen, beide teilten sich per Rotation das Amt des Regierungschefs. Die Koalition platzte 1990.

Bemühungen um den "neuen nahen Osten"

Nach der Ermordung Izchak Rabins, Peres' Partner bei den Friedensvereinbarungen mit den Palästinensern, am 4. November 1995 übernahm er dessen Amt und wurde zum zweiten Mal Ministerpräsident.

Nur sechs Monate später verlor er jedoch die Wahl, aus der Netanjahu als Sieger hervorging. 2000 unterlag Peres im ersten Anlauf auch Mosche Katzav bei der Wahl zum Staatspräsidenten. In den Jahren danach übernahm er verschiedene Ministerämter, während der Konflikt mit den Palästinensern immer hoffnungsloser eskalierte.

Ungeachtet aller Rückschläge bei den Bemühungen um einen friedlichen "neuen Nahen Osten" erscheint Peres als ewiger Optimist."Erlauben Sie mir, ein Träumer inmitten meines Volks zu bleiben und die Sonnenseite unseres Staates zu repräsentieren", sagte er bei seiner Antrittsrede.

Auch wenn die Lage in Israel oft düster erscheine, werde er als Präsident "nie müde werden, (die Menschen) zu ermuntern, aufzuwecken und daran zu erinnern, dass der Frühling auf uns wartet".

Von Sara Lemel und Jan-Uwe Ronneburger (dpa)

Israel wartet auf den Papst

Israels Staatspräsident Schimon Peres hat Papst Franziskus zu einem Besuch nach Israel eingeladen. "Ich warte auf Sie in Jerusalem. Und nicht nur ich allein, sondern das ganze israelische Volk", sagte er Ende April zum Abschluss eines Gesprächs mit Papst Franziskus im Vatikan.

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