US-Vizepräsident kommt: Boykott in der Grabeskirche?

US-Vizepräsident Mike Pence kommt nach Jerusalem. Der muslimische Schlüsselwächter der Grabeskirche ist davon nicht begeistert. Er will den Besuch boykottieren - und auch die Christen dafür gewinnen.

Israel | Jerusalem - 14.12.2017

Der muslimische Schlüsselwächter der Grabeskirche, Adib Joudeh al-Husseini, hat angekündigt, US-Vizepräsident Mike Pence bei dessen für das Wochenende geplanten Jerusalem-Besuch nicht zu begrüßen. Gleichzeitig rief al-Husseini Franziskanerkustos Francesco Patton als katholischen Hüter der christlichen Heiligen Stätten sowie den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. auf, Pences Besuch in der Kirche zu boykottieren, wie die palästinensische Nachrichtenagentur "Wafa" (Mittwoch) meldet.

Al-Husseini, dessen Familie schon seit osmanischer Zeit den Schlüssel zur Grabeskirche hütet, erklärte seine Weigerung mit der Ablehnung der von US-Präsident Donald Trump unlängst ausgesprochenen Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt. Medienberichten zufolge wird Pence am Sonntag in Jerusalem erwartet. Geplant sind demnach unter anderem ein Besuch an der Klagemauer sowie am Montag eine Rede vor dem israelischen Parlament.

Die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zählt zu den wichtigsten Orten der Christenheit. Christen verehren dort den Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Orthodoxe Christen sprechen deshalb auch nicht von Grabeskirche, sondern von Auferstehungskirche (Anastasis). Allerdings gab es zwischen den Konfessionen immer wieder Streit um die Ausgestaltung und Nutzung des Gotteshauses. Deshalb schreibt seit 1852 ein von den damals osmanischen Machthabern erlassener sogenannter Status quo die jeweiligen Ansprüche fest. Dazu gehört auch die Verwaltung des Schlüssels zur Kirche. (bod/KNA)

Hinweis

US-Vizepräsident Mike Pence hat seinen Jerusalem-Besuch verschoben. Grund ist offenbar die wichtige Abstimmung über Donald Trumps Steuerreform, wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet. Pence werde seine Nahost-Reise deshalb wohl erst Mitte der Woche starten, heißt es.

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