Vatikan verurteilt Oscar-Romero-Biograf

Der Vatikan hat drei Priestern aus El Salvador wegen sexuellen Missbrauchs das Priesteramt entzogen. Einer von ihnen war eine wichtige Figur im Seligsprechungsprozess um den ermordeten Erzbischof Oscar Romero.

Missbrauch | Vatikanstadt - 20.12.2016

Wegen sexuellen Missbrauchs hat der Vatikan einem ehemaligen engen Mitarbeiter des salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero (1917-1980) das Priesteramt entzogen. Die gleiche Sanktion wie den 78-jährigen Jesus Delgado traf zwei weitere Priester des Erzbistums San Salvador, wie die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Mittwochsausgabe) meldet.

Delgado, zeitweise Generalvikar des Erzbistums und Medienchef der katholischen Kirche in El Salvador, war Sekretär Romeros und später als Biograf maßgeblich an dessen Seligsprechung 2015 beteiligt. Die Versetzung in den Laienstand ist die schwerste Strafe der katholischen Kirche für Kleriker.

Seit November 2015 suspendiert

Die drei angeklagten Geistlichen seien für schuldig befunden worden und hätten damit den "umfassenden und definitiven Verlust aller priesterlichen Vorrechte" zu tragen, zitiert die Zeitung aus einer Erklärung von San Salvadors Erzbischof Jose Luis Escobar Alas. Auch die Missbrauchsopfer seien über die Entscheidung des Vatikan informiert worden.

Linktipp: Glaubwürdigkeit in Gefahr

Demonstrationen in Chile, ein hartes Gerichtsurteil in Kolumbien, heftige Erschütterungen in El Salvador: Der Missbrauchsskandal hat nun auch die Kirche in Lateinamerika erreicht. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit. (Artikel von Dezember 2015)

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Delgado war bereits im November 2015 unter dem Vorwurf, ein Mädchen über Jahre sexuell missbraucht zu haben, von seinem Amt als Generalvikar suspendiert worden. Medienberichten zufolge gestand er seine Schuld schon damals ein. Da der Fall verjährt war, drohten ihm von weltlichen Gerichten keine strafrechtlichen Konsequenzen. Wenig später wurde ein weiterer Geistlicher suspendiert. Eine Frau erhob Anschuldigungen gegen einen dritten Priester, sich an ihr vergangen und sie geschwängert zu haben.

Erzbischof Escobar kündigte damals eine Null-Toleranz-Politik an und ließ Anlaufstellen für Missbrauchsopfer einrichten. Er selbst wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, einem Missbrauchsopfer ein Schweigegeld gezahlt zu haben. Escobar nannte dies laut salvadorianischen Medien eine "Lüge". Er erklärte, er sei von der betreffenden Frau um eine Studienbeihilfe für ihren Sohn gebeten worden. (KNA)

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