Vatikanvertreter würdigt verstorbenen Stephen Hawking

Der verstorbene Physiker Stephen Hawking glaubte nicht an Gott, sondern an die Entstehung des Universums ohne göttlichen Anstoß. Das hinderte ihn nicht daran, im Vatikan eine wichtige Aufgabe zu übernehmen.

Wissenschaft | Vatikanstadt - 14.03.2018

Der Präsident der Päpstlichen Akademie für die Wissenschaften, Joachim von Braun, hat den verstorbenen britischen Astrophysiker Stephen Hawking als herausragenden Forscher und "große Bereicherung" der Akademie gewürdigt. Hawking, der seit 1986 der päpstlichen Akademie angehörte, habe mit seinen Einsichten zu den sogenannten Schwarzen Löchern eine "riesige Horizonterweiterung in der Astrophysik und Kosmologie" bewirkt. Auch wenn er sich stets als Agnostiker bezeichnet habe, sei Hawking "davon beseelt gewesen, dass etwas Unerklärbares hinter dem Entstehen der Welt steht", sagte von Braun der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch im Vatikan.

Seine Arbeit unter anderem über die Entstehung des Universums machte den 1942 geborenen Hawking zu einem der bekanntesten Wissenschaftler der Gegenwart. Im Jahr 1986 wurde der Brite von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in die Wissenschaftsakademie berufen und nahm bei verschiedenen Gelegenheiten an deren Tagungen teil, zuletzt im Herbst 2016. Er starb am Mittwoch im Alter von 76 Jahren.



Mit seiner Arbeit habe Hawking es geschafft, den Prozess der Entstehung der Welt stark einzugrenzen, aber nie ganz klären können, so von Braun. Dass das Weltall keinen Schöpfer brauche, wie Hawking zitiert wird, bleibe damit eine "Hypothese". Die Akademie habe sich der Suche nach wissenschaftlichen Wahrheiten verschrieben; "dazu gehört es zwar, Hypothesen zu formulieren, aber solange sie nicht bestätigt werden, bleiben es Hypothesen", so der deutsche Agrarwissenschaftler von Braun, der von Papst Franziskus vergangenen Juni zum Präsidenten der Akademie berufen wurde.

Von Braun: Wir sind stolz auf Hawking

Auch religiöse Akademiemitglieder hätten Hawking als große Bereicherung im wissenschaftlichen Diskurs über Ursprünge des Kosmos erfahren. "Aber die Frage 'Wo gehen wir hin?' hat die Akademie nicht mit ihm diskutiert. Das wäre wohl fruchtlos gewesen", sagte von Braun. Forscher, die nicht an Gott glaubten, hätten auch einen Platz in der Akademie, denn die Päpste beriefen seit langem "beste Wissenschaftler in die Akademie, unabhängig von religiösem Bekenntnis, Nationalität oder Geschlecht". Insofern sei Hawking "keine Ausnahme gewesen, sondern ein Akademiemitglied, auf das wir sehr stolz sind", sagte von Braun.

Mit Blick auf die Lähmung Hawkings sagte von Braun, das Kollegium der Akademie habe "von ihm gelernt, dass der Umgang mit Behinderung und körperlicher Einschränkung einer Brillanz im Denken und Weiterentwickeln von Wissenschaft nicht im Wege stehen muss". Dies sei zugleich "eine großartige Botschaft an die rund 800 Millionen behinderten Menschen auf der Welt", für die Hawking ein Vorbild sein könne. Im Jahr 1963 wurde bei Hawking die degenerative Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, diagnostiziert.

Zuvor hatte die Päpstliche Akademie den verstorbenen Wissenschaftler bereits auf Twitter gewürdigt. "Wir sind zutiefst traurig über den Tod des bemerkenswerten Wissenschaftlers Stephen Hawking, der unserer Akademie so treu war", heißt es in einem Tweet der Akademie. "Vier Päpsten hat er versichert, dass er die Beziehung zwischen Glauben und wissenschaftlichem Verstand voranbringen will."  (kim/KNA)

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